Schlagwort: persönliche Gedanken

Blogfamilia, TOLLABEA und ein Kurzurlaub… 

Am Freitag war die #Blogfamilia. Das beeindruckend sympathische Bloggertreffen hinterließ viele Eindrücke. Ich stand im offiziellen Programm als Diskutantin über „Deformation professional“ (den blinden Fleck der Elternblogger) und war entsprechend aufgeregt. Die wunderbare Indre Zetzsche von m-i-ma.de moderierte die Diskussion. Wesentliche Erkenntnis für mich war: wir Elternblogger … Blogfamilia, TOLLABEA und ein Kurzurlaub…  weiterlesen

Meine Angststörung (Teil 2)

zum Teil 1 hier entlang… LINK

Als ich erkannt hatte, dass meine Angst zu einer Belastung wurde, habe ich erstmal darüber geschwiegen. Selbst in der Therapie war das ein Thema, das ich mied. Zu groß war mein Bedürfnis, das „auf die Reihe zu bekommen“. Irgendwie wollte ich nicht und konnte auch nicht zugeben, dass ich die Kontrolle verloren hatte.

Mein Angst lähmte mich und irgendwann sprach ich doch darüber. Zögerlich, vorsichtig, verletzlich. Mein Frau erfuhr, wie stark die Angst in mir bereits war, mein Therapeut und eine handvoll Menschen erfuhren „dass ich nicht einfach so irgendwo hin fahren kann“. Ich beschrieb es als „Ich hab ein Problem mit fremden Orten und Menschen, die ich noch nicht kennengelernt habe“. Oft wurde ich gefragt, ob ich zu diesem oder jenen Treffen kommen wollte… und ich lehnte immer ab. Oft ohne Begründung, oft mit einer Ausrede, selten mit der Wahrheit.

Aber ich wusste, dass ich etwas machen musste. Es würde sich nicht von selbst lösen, das war mir klar. Nun ist es so, dass ich für meine Diplomarbeit einiges an Literatur zum Theme Ängste gelesen habe („Muss Fernsehen Kindern Angst machen“ konnte ich nicht ohne Recherche zu Angst schreiben). Und ein wenig half mir dieses Wissen, beim entwickeln einer Strategie.

Diese Gedanken bewegten mich:

  • Angst hat eigentlich die Aufgabe zu schützen
  • Angst kann bewältigt werden – wenn man sich ihr stellt
  • Ängste verschwinden nicht
  • Seit frühster Kindheit habe ich immer wieder Ängste erlebt und bewältigt. Angstbewältigung gehört zur Entwicklung einfach dazu
  • Ich hatte Angst davor, mich meiner Angststörung zu stellen
  • Niemand außer mir kann meine Angst bezwingen

Irgendwie musste ich der Angst einfach mal ins Auge blicken und das passierte vergangenen Dezember. Ein depressiver Schub machte mir klar, dass meine Angst einer der Faktoren geworden war, wieso ich vieles in meinem Leben als Sackgasse empfand. Anders als zuvor hatte ich aber den Willen, etwas dagegen zu unternehmen.

Mir wurde klar, dass ich nicht einfach in einen Zug steigen konnte, um jemand wildfremden zu begegnen. Das konnte ich nicht, weil meine Angst das nicht zulassen würde. Da mir schon der Gedanke schrecklich vorkam, beschloss ich, der aufkommenden Angst zu signalisieren: „Danke für die Warnung, ich behalte das im Auge!“ – Meine Angst hatte mich ja einfach gewarnt und ich habe diese Warnung mal bewusst beantwortet. Statt zu versuchen, sie zu verdrängen, habe ich die Signale angenommen und somit der Angst einen Raum gegeben. Erstaunlicherweise konnte ich dadurch sehr viel konzentrierter eine Lösung suchen und mein Plan war ab da: ich fahre mit dem Zug zu einem Menschen, den ich nur online kenne … und es gab einen Menschen, den ich gerne treffen wollte.

Die Person, die ich besuchen wollte, war mir wichtig. Ich freute mich immer, wenn ich mich mit ihr online unterhielt und das Bedürfnis sie zu treffen war schon da, als die Angst noch dominant war. Bei jedem Schritt, den ich machte – selbst als ich eine Zugverbindung suchte – hatte ich schweißnasse Hände. Und immer sagte ich mir (teilweise laut): „Danke für die Warnung, ich behalte das im Auge!“ es wurde mein Mantra, mein inneres Lied. Ich machte bewusst kleine Schritte… an einem Tag die Verbindung raus suchen. Am nächsten Tag über die mögliche Reise sprechen. Schauen, ob es eine bessere Verbindung gibt. Einen Menschen bitten, dass ich ihn anrufen würde, wenn etwas nicht gut liefe und unterwegs per WhatsApp oder SMS Kontakt zu halten. Das Ticket kaufen – das war ein riesen Schritt. Badewanne zur Belohnung. Und immer mein Mantra im Kopf.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was der Grund war, warum ich die Angst plötzlich als nicht mehr so groß wahrnahm. Es kam sogar Vorfreude auf die Reise auf. Wahrscheinlich war es einfach gelungen, der Angst zu sagen: gut, dass es dich gibt, ich respektiere dich… da ist dein Platz, ich werde die richtige Entscheidung treffen. Ja, auf einmal war es so, dass ich mir wieder bewusst wurde, wer von uns beiden das sagen hat. Meine Angst, vor kurzem noch ein bissiger Kampfhund, ging in ihr Körbchen, knurrte ab und zu kurz, aber ich hatte wieder die Oberhand.

Tja und dann kam der Tag der Reise immer näher… aber das erzähle ich Euch im Teil 3 in ein paar Tagen.

Die starke, mutige Kämpferin…

»Du bist so stark,« lese ich in einer E-Mail. Ein wenig schmeichelt mir dieses Kompliment schon, aber ich fühle mich nicht stark. Eigentlich fühle ich mich meist kraftlos und ausgelaugt. Seit Jahren gehe ich meinen Weg und die Hürden haben sich nur wenig verändert. »Du bist eine Kämpferin,« sagt eine andere Leserpost. Ich atme tief ein, beiße mir auf die Lippen und antworte: »Ich kämpfe nur, weil ich muss.«

Kämpferin … Vor etwas mehr als hundert Jahren, als die ersten Frauen Hosen anzogen, mussten diese Frauen kämpfen. Neulich sah ich eine Dokumentation über diese Vorkämpferinnen für Gleichberechtigung. Die Bekleidung von Frauen scheint immer wieder in der Lage zu sein, gesellschaftliche Diskussionen anzustoßen. Ob Hosen, Minirock, Bikini, Latzhose, BH oder Kopftuch, immer wieder wird öffentlich über etwas diskutiert, das im Idealfall nur eine Entscheidung der Frau sein sollte. Auch meine Kleidung war in unserer kleinen Stadt oft Gesprächsthema. Meine Schuhe sorgten in der Videothek, in der ich jobbte mal für die Diskussion um Arbeitssicherheit. Während meiner Kollegin zugetraut wurde, auf Pumps zu gehen und auch die Kundinnen nicht vor dem gefährlichen Boden gewarnt wurden, wurde ich darauf hingewiesen, wie groß das Verletzungsrisiko mit so hohen, spitzen Absätzen doch sei.

Bin ich eine Kämpferin?
Einerseits muss ich wirklich viel Energie aufwenden, wenn es darum geht, meine Behandlung voranzutreiben, meine Anerkennung bei Ämtern und Behörden durchzuboxen und ja, ich bin kämpferisch, wenn ich mal wieder als Herr Jaros angesprochen werde. Aber ich reagiere, ich agiere nicht. Ich renne nicht mit einer transgender pride Flagge durch die Straßen und ich stehe nicht am Marktplatz unter einem Sonnenschirm und verteile Flyer, um aufzuklären. Ich bewundere die Menschen, die solchen Idealismus leben, aber ich kämpfe maximal mit ein paar Worten. Statt als Kämpferin sähe ich mich lieber als Aufklärerin, als eine Vermittlerin, die anderen Menschen zeigt, was es bedeutet, als trans* Person zu leben. Ich schreibe über meinen Alltag und das, was mir jeden Tag begegnet, ich habe keinen Themenkatalog an meinem Schreibtisch, keine Ideensammlung. Oftmals bin ich nicht einmal sicher, ob andere Menschen meine Gedanken verstehen, und schon gar nicht, ob andere trans* die gleichen Probleme erleben.

Ich sei ein Vorbild, meinte eine Followerin und machte mich damit sehr verlegen. Ich denke zurück an meinen schwulen Religionslehrer, der mit seinem Coming-out seinen Beruf riskiert hatte. Er hatte immer ein offenes Ohr für meine Sorgen und ist wahrscheinlich der einzige Grund, warum ich mich nie ganz von … ach, er war einfach ein guter Kerl und lebte mir vor, wie Toleranz im Alltag funktionieren kann. Ich hingegen bin eine sture Zicke, die oft heulend in der Ecke sitzt. Oft will ich gar keine Menschen sehen.

Ich wünsche mir, dass trans* Menschen so leben können, dass sie keine Kämpferinnen wie mich als Vorbild brauchen.

Ey, du Mädchen…

Kann mir mal jemand was erklären? Es gibt etwas, das ich einfach nicht verstehe: wieso ist Mädchen einen Beleidigung? Immer wieder erlebe ich es, dass Jungs, die Kinderwagen schieben, die mit Puppen spielen oder Nagellack (womöglich sogar pinken) tragen, als Mädchen bezeichnet werden… und das immer als Beleidigung.

Spielt ein Mädchen mit einem Traktor, Bagger, Rennauto, wird sie freudig angelächelt und bestärkt. Ihr wird Stärke zugeschrieben und es wird ihr gesagt, dass sie – was immer sie macht – wenigstens genau so gut macht, wie ein Junge… Das vermeintlich männliche ist ein Schatz, etwas von großem Wert, das gefördert werden muss…Wieso? Das Puppenspiel ist „nur so Mädchenkram“… das machen ja alle Mädchen. Wieso?

Ja, ich weiß, es gibt viele Familien, in denen das inzwischen anders läuft, aber ich glaube, wir alle kennen genügend Beispiele, wo ein Junge mit Haarreifen, Flügeln und Zauberstab nicht einfach angenommen würde. Mindestens der Haareifen müsste weg… Wieso?

Ist Mädchen sein nicht erstrebenswert? Betrachte ich, wie in unserer Gesellschaft mit Kindern und deren Zugang zu Rollenbildern umgegangen wird, bemerke ich, dass der Begriff Mädchen verwendet wird, wenn jemand als weich, schwach, sensibel (nicht im guten Sinn) beschrieben wird. Für mich ist nichts davon etwas negatives. Vielleicht hab ich da einen Fehler in meiner Wahrnehmung.

Vieles von dem, was dem Begriff Mädchen zugeschrieben wird, erinnert mich an Aussagen, die ich in „klassisch feministischer“ Literatur gelesen habe (z.B. U. Scheu ‚Wir werden nicht als Mädchen geboren‘). Da wurde oftmals das mädchenhafte als Schwäche wahrgenommen… Frauen würden sich und ihre Töchter durch die Erziehung zum Mädchen-Sein schwächen. Mädchen sollten lernen mit Werkzeug umzugehen usw…

In patriarchalen Strukturen sollen die Rollenbilder streng und getrennt bleiben. Jungs sollen Jungs bleiben, Mädchen sollen Mädchen bleiben. Da Jungs generell als stärker betrachtet werden, sollen sie ja nicht verweichlichen, während Mädchen einfach nicht als wirkliche Gefahr für männliche Privilegien betrachtet werden. Seien wir mal ehrlich: egal, wie schnell ein Mädchen läuft, wie gut es in Mathe ist… Wenn es sich um eine Arbeitsstelle bewirbt, wird trotzdem ihre Karriere unter dem Gesichtspunkt der Familienplanung anders betrachtet, als die eines gleich gut qualifizierten Mannes. „Irgendwann wird sie schwanger und bleibt bei den Kindern zu Hause…“, herrscht in den Köpfen noch immer viel zu oft. Irgendwann fliegt die Frau aus dem Wettkampf der Geschlechter einfach raus – weil sie Kinder will… nicht schön, aber immer noch Realität.

Irgendwie ist mir herzlich egal, aus welchem Grund das weibliche Rollenbild als schwächer betrachtet wird. Ich sehe nicht ein, warum Mädchen zwingend stärker werden müssen. Mädchen sein ist keine Schwäche. Frauen sind so stark und ich merke immer wieder, wie viel Kraft sie in ihren Familien und Berufen mobilisieren. „Mädchen“ ist keine Beleidigung. Geschlecht an sich, ist keine Beleidigung. Menschen sind stark und schwach. Wirklich starke Menschen sind auch emotional und sensibel, einfühlsam und empathisch. So, wie jedes Mädchen. So, wie jeder Junge.

Eine neue Strategie muss her…

Also fassen wir einmal zusammen:

  • Ich will eine genitalangleichende OP (eigentlich soll ja nur das angepasst werden, mein Geschlecht passt ja schon)
  • Dabei will ich nicht ganz die Standardlösung (einfach gesagt: es gibt mehr als eine Handvoll Gründe, warum ich definitiv keine Penile Inversion und generell keine Neovagina will)
  • Natürlich gibt es keine Liste von Ärzten, die etwas anderes durchführen, als eine Neovagina operativ anzulegen.
  • Adresslisten im Internet sind zahlreich, aber sehr fehlerhaft, veraltet und… auch da: immer nur Neovagina … viel Recherche, aber wenigstens habe ich jetzt die richtigen Adressen… ob die Ärzt*innen die richtige OP durchführen, kann ich nicht sagen.
  • Also muss ich alle Ärzte anschreiben, ob sie auch eine kleine Lösung ohne Neovagina durchführen
  • Selbstverständlich bekommt man in Deutschland Antworten auf Fragen, allerdings beantworten Ärzte in Briefen und Telefonaten solche Fragen nicht… man muss ein persönliches Gespräch machen (Termin, Anreise…)
  • Die Kliniken und Ärzte haben ein gewisses Paket von Informationen, die man zum Gespräch mitbringen muss: unter anderem 2 Gutachten, die die Transsexualität bestätigen – das liegt am Verfahren der deutschen Personenstandsänderung, für das bei Gericht zwei solcher Gutachten erforderlich sind. Diese Anforderungen sollen Fehldiagnosen verhindern und ohne diese Auflagen zu erfüllen, bekomme ich keine Zusage, dass die OP, wie ich sie will auch durchgeführt werden kann (was ich für den Antrag bei der Krankenkasse unbedingt brauche)
  • Ich habe die österreichische Staatsbürgerschaft, somit ein anderes Verfahren für die Personenstandsänderung durchlaufen und nur 1 Gutachten
  • Da ich kein deutsches Gerichtsverfahren durchlaufen musste, habe ich auch keinen Anspruch auf Prozesskostenhilfe, ich musste also das Gutachten selbst bezahlen…
  • Der Preis solcher Gutachten bewegt sich im Regelfall um die 1000 €
  • Damit ich ein Gespräch mit einer Ärztin/einem Arzt führen kann, um festzustellen, ob sie/er die von mir gewünschte OP überhaupt durchführen kann, brauche ich ein zweites Gutachten.
  • Erst wenn ich mindestens drei Ärzte gefunden habe, die die passende OP durchführen, macht ein Antrag bei der Krankenkasse Sinn
  • Erst dann beginnt der Hürdenlauf mit Krankenkasse und MDK, der – da ich ja nicht die Standardlösung will – noch mal richtig kompliziert werden kann.
  • Warte ich mit dem ganzen zu lange, erreiche ich ein Alter, in dem die Krankenkasse viele Anträge auf Kostenübernahme einfach wegen des Alters ablehnt und dann müsste ich das ganze vor Gericht durchboxen (mit mäßigen Chancen auf Erfolg)
  • ach ja… dank Rückforderung des jobcenters könnte ich das Gutachten in frühestens drei jahren finanzieren… wenn ich jeden Tag einen Euro vom Haushaltsgeld einspare und keine unerwarteten Kosten, wie ne kaputte Waschmaschine auftreten… damit erreiche ich einen Zeitpunkt, der dem „warte ich zu lange“ schon verflucht nahe kommt…

Ich suche seit inzwischen 5 Jahren nach einem Weg, hatte eine Idee, die gestern aber daran zerplatzte, dass die Kliniken auf die 2 Gutachten bestehen. Davor konnte ich andere Auflagen nicht erfüllen (Dauer der Hormonbehandlung, Behandlungsdauer der Therapie…).

Also: ich brauche ne Idee, wie ich Ärzte dazu bekomme, trotzdem ich nur ein Gutachten habe, mit mir über die OP zu sprechen und mir verbindlich zusagen, dass sie die OP, die ich will, durchführen.

Und damit es keine Unklarheiten gibt, warum ich die Penile Inversion ablehne.

  • Bei der Penilen Inversion wir die Neovagina aus der Haut des Penis geformt.
  • Diese Methode schafft eine künstliche Körperöffnung, die niemals feucht wird.
  • Die Haut des Penis ist nur bedingt geeignet, und birgt ein  großen Risiko von Narbenbildung, späterer Verletzungen und Infektionen.
  • Die Neovagina kann keinen vaginalen Orgasmus bewirken.
  • Die Neovagina muss vom ersten Tag an mit einem Dildo gedehnt werden, damit das Gewebe weit bleibt, da der Körper versucht die Wunde (die künstliche Öffnung) zu verschließen.
  • Bei der OP besteht das Risiko, dass Nervenenden durchtrennt werden, also weniger Gefühl da ist, als zuvor.
  • Ich hatte in meinem Leben Sex mit Männern, leider sind diese Erfahrungen so mies, dass ich eindeutig sagen kann: ich will definitiv niemals wieder Sex, bei dem mich ein Mann penetriert. Also brauche ich keine Körperöffnung für meinen Sex.
  • Für meine sexuelle Befriedigung war Penetration nie nötig.
  • Ich lebe mit meiner Frau und werde mich – egal was passieren sollte – definitiv nicht mehr auf Sex mit einem Mann einlassen.
  • Ich will nicht, dass der Penis des Mannes, der ich nie war, in mich gestülpt wird und den Rest meines Lebens in mir steckt.
  • Ich brauche für meine Befriedigung nur den Teil meines Körpers, der bei der OP für die Neoklitoris und die Schamlippen verwendet wird.
  • Ich will keine Neovagina.

Es gibt andere Operationstechniken, bei der die Neovagina aus dem Hodensack gebildet wird. Das ist weniger risikoreich und mir einiges sympatischer, ich brauche aber die Neovagina genauso wenig, wie oben argumentiert… ich will keinen Sex mit Penetration, also macht es keinen Sinn eine künstliche Körperöffnung anzulegen.

Über Äußerlichkeiten…

In einem der berühmtesten Fantasy Romane bestimmt ein Hut, in welche Gruppe jemand gehört. Erstaunlicherweise unterlaufen dem Hut niemals Fehler oder ich habe überlesen, dass jemand vom einen Haus in ein anderes wechseln wollte. In meinem Leben war es kein Hut, der mich einer Gruppe zuordnete, nein, beim mir war es eine Hebamme (so wurde mir zumindest gesagt), die nach Interpretation meiner äußerlichen Anatomie verkündetet hat: „Es ist ein Junge!“

Ich nehme es ihr nicht übel. In der alten Tradition von Genitalienlesern ist es nun mal üblich die Bestimmung des Geschlechts aufgrund von Äußerlichkeiten zu treffen. Aber die gute Dame lag falsch. Die Gruppe, der ich zugeordnet wurde, war nicht die, in die ich passte und seit meiner Kindheit habe ich immer wieder versucht, das meinem Umfeld zu vermitteln.

Nun ist es so, dass die meisten Menschen, mit denen ich mich unterhalte, anfänglich keine Vorstellung von Transsexualität haben und viele merken erste in der Unterhaltung mit Betroffenen, dass es abgesehen von den offensichtlichen Hürden auch jede Menge kleiner Problematiken gibt, mit der trans* täglich zu kämpfen haben. Ich selbst muss zugeben, dass es mir in Gesprächen mit inter* oder nonbinary Menschen auch oft so geht.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Äußerlichkeiten sehr wichtig sind. Überall werden wir damit konfrontiert, wie wir auszusehen und wie wir uns zu geben haben. Wie oft lese ich, dass eine Gruppe Menschen einer anderen sagt, was sie tragen darf/muss.

Äußerlichkeiten bestimmen so viel und in Wirklichkeit bedeuten sie so wenig.

Wenn Menschen, die mich meistens nicht einmal kennen, erklären, ich wäre ein Mann, dann frage ich mich, wann dieses Interpretieren von Äußerlichkeiten jemals aufhört. Ich versuche mal, etwas zu erklären… In ganz einfachen Worten:

Ich bin eine Frau. Das weiß ich, weil ich es fühle.
Mehr braucht es dazu nicht. Und ich war immer eine Frau.

Ja, ich weiß, dieser Körper… ich weiß, ich entspreche nicht Eurem Ideal, aber wer tut das schon? Wer hat schon die perfekte Figur, das perfekte Alter, die perfekten Maße, den passenden Stil… Welche Frau hat die perfekten Brüste, das perfekte Gewicht, die perfekte Haut?
Mein Körper ist, wie er ist. Er ist nicht perfekt.
Niemand, wirklich niemand außer mir selbst, kann mir sagen, was ich fühle und was ich bin.

Ihr könnt nur sagen, was ihr von mir seht.
Wenn ihr einen Mann seht, dann tut ihr mir leid, denn dann habt ihr nie gelernt, Menschen anzunehmen, wie sie wirklich sind. Ihr seht nur, was eure Oberflächlichkeit zulässt.

Die Seele eines Menschen kann man nicht sehen. Ihr könnt mir nicht sagen, welche Farbe sie hat.

(Aus sich) raus gehen…

Mit manchen Menschen entwickeln sich Gespräche sehr schnell von einem Punkt zu einem anderen. Gestern, in einem Chat, ergab sich ein Thema, das ich unbedingt hier mal ansprechen will: Den Weg in und durch die Öffentlichkeit.

Für trans* ist es oft ein großes Thema, sich ihrem wahren Geschlecht entsprechend zu kleiden und das erste Mal ist oft eines der tiefsten Erlebnisse. Es geht mir aber heute nicht um dieses einmalige Erlebnis, sondern ein wenig um das, was ich im Lauf der Jahre an Veränderung in meinem Umgang mit dem Hinausgehen in die Öffentlichkeit an Erfahrungen machen durfte.

Und: da ich weiß, dass viele meiner Leser*innen selbst nicht trans* sind, möchte ich ein wenig der Gefühlswelt vermitteln. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich wohl kaum vermitteln kann, wie es ist, endlich so sein zu dürfen, wie man im Innersten ist un das nach außen zu tragen, aber: ich versuche es einmal.

Als ich die ersten Schritte – die zugegebenermaßen sehr zögerlich waren – wagte, ahnte ich nicht, was mich erwarten würde. Entsprechend war ich nicht nur aufgeregt, sondern extrem aufmerksam. Als ich durch die Straßen ging, beobachtet ich jeden Passanten, jeden Blick, jede Geste…. Ich versuchte in allem zu erkenne, ob und wie ich wahrgenommen wurde. Jedes Lächeln, jedes Kopfschütteln bezog ich ein wenig auf mich.

Stellt Euch vor, ihr seit zu einer Party eingeladen. Im Juni. Es ist eine Mottoparty und ihr habt das perferkte Kostüm gefunden: eine Teddyprinzessin und es ist Anfang Mai. Ihr habt genug Zeit euch vorzubereiten. Ihr bastelt am Kleid, perfektioniert das Make-Up und vor dem Spiegel übt ihr Grimassen. Gut vorbereitet überlegt iohr, wie die Menschen, die ihr in der U-Bahn trefft, reagieren könnten und dann kommt der Tag, an dem die Party ist. Ihr geht als Teddyprinzessin vor die Tür… Ihr steht in der Haltestelle, die U-Bahn fährt ein, bisher hat kein Mensch reagiert und als ihr in die Bahn steigt, schreit ein Kind. Die Mutter schaut euch böse an… – So und jetzt sagt mir, dass ihr diesen Blick nicht auf euer Erscheinungsbild bezieht.

Auch, wenn ich keine Teddybärin in rosa Tüll war, meine ersten Schritte unter Menschen waren gleichermaßen voll Erwartung und Angst. Und ganz ehrlich, die ersten Jahre in der Öffentlichkeit waren geprägt davon, dass ich die Menschen, die an mir vorbei gingen, genau im Auge behielt. Natürlich trafen mich viele Blicke. Himmel, ich lebe in einer kleinen Stadt und da ist eine Transfrau schon eine kleine Sehenswürdigkeit. Natürlich schauen die Menschen mich an. Den Fehler, den ich anfangs oft machte: ich versuchte heraus zu finden, was die Menschen dabei dachten.

Inzwischen bin ich abgestumpfter. Ich habe mich einerseits an die Blicke gewöhnt und, was viel wesentlicher ist, ich habe aufgehört, über die alltäglichen Blicke nachzudenken. Es gibt immer wieder Menschen, die heftiger reagieren, die kichern, mit dem Finger zeigen oder mich beleidigen… diese Menschen bemerke ich nach wie vor, aber nur, weil sie heraus stechen. Und durch meine veränderte Betrachtung bin ich selbstsicherer, was auf fast magische Art dazu führt, dass mein Passing besser ist.

Die ersten Schritte sind immer schwer und voll von Unsicherheit, aber ich kann aus Erfahrung sagen: es wird besser. Es wird nicht von einen Tag auf den anderen besser, die Veränderung passiert fließend. Lediglich die Erkenntnis, dass es besser wird, kommt plötzlich.