Ich gebe nicht auf.

Viele Gedanken und gute Gespräche in den letzten Tagen.

Anfeindungen, weil ich nicht der Meinung anderer bin, sondern meinen eigenen Kopf habe… Das darf kein Grund sein, mich zurück zu ziehen.

Ich habe das Recht auf eigene Meinung. Und ja, damit kann ich eigene Fehler machen. Das ist mein Leben, mein Recht, mein Weg.

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Bye.

Wenn wir alles an Unverständnis automatisch als Feindlichkeit betrachten, wird außer Feindlichkeit nicht viel übrig bleiben.

Ich sehe derzeit zu viel Hass zwischen trans und nicht trans. Ich ziehe mich zurück.

Bye, Nina

Sex – oder, wie ich 4 mal masturbieren lernte…

Ich sitze hier inmitten einer Schreibblockade. In Wirklichkeit ist es weniger eine echte solche Blockade. Ich weiß ziemlich genau, was ich schreiben will und auch, dass es dafür Leser gibt, aber ich hänge immer wieder mitten im Text, weil…. weil ich nicht weiß, ob hier der richtige Platz dafür ist.

Nun habe ich mich aber durch gerungen und mich an den Laptop gesetzt, der Kaffee steht am Tisch und ich tippe. Es geht um ein einfaches Thema: Sex. Himmel, ich war mal jung und naiv und dachte, das wäre doch ein ganz einfaches Thema.

Die eine Frage, die ich öfter höre: „Wie war denn das mit Sex? So früher?“ also, Menschen, die mich fragen, wie ich in meiner Rolle als Mann Sex hatte. Ich sag dann immer so: „Ich habe funktioniert.“ – Das beschreibt ungefähr den Genuss, den ich hatte. Lust auf das, was so allgemein als Sex bezeichnet wird, hatte ich nur selten. Entsprechend war ich nichtmal dreißig, als ich schon Schwierigkeiten mit meiner Erektion hatte. Es war nicht mein Ding und während der Körper zwar super funktionierte, der Kopf spielte nicht mit.

Der „Sex als Mann“ war im Idealfall nett. Ich nannte meinen Orgasmus den Abspritzmoment und das beschreibt eigentlich sehr genau mein Verhältnis dazu. Diese 2 Sekunden, in denen der chemische Cocktail im Körper das Denken ein wenig leiser dreht und der Körper mit sich beschäftigt ist… das war… nett. Ich stand nicht drauf. Immer diese Körperflüssigkeiten, Flecken, Spuren… Ich hatte nur Lust, wenn ich mit jemandem Sex erleben konnte…. ich hab so gut, wie nie masturbiert. Es fühlte sich einfach nicht gut an.

Tja, dann lernte ich meine Frau kennen und hatte mein Coming Out und ziemlich kurz darauf war klar, dass ich nicht mehr so funktionieren müsste. Ich lernte meinen Körper mit meiner Frau neu kennen und ziemlich schnell war klar, dass Penetration immer unwichtiger wurde. Ich lernte an mir das kennen, was ich immer schon genossen hatte: Vorspiel, intensive Berührungen. Mein Sexleben wurde vielfältiger und abwechslungsreicher. Aber der Orgasmus änderte sich kaum. Nein, das ist nicht ganz richtig: wenn ich schaffte einen zu haben, dann war es teilweise intensiver. Aber technisch gesehen war alles noch ziemlich gleich. Und Masturbation…? Ich habe einiges versucht, aber Spaß machte das nur zu zweit.

Der erste große Einschnitt kam mit der Hormonbehandlung. Als das Testosteron weg war, war auch meine Erregbarkeit dahin. Während ich den Großteil der Hormonbehandlung mir körperlich und psychisch gut tat, dieser radikale Knick in meinem Sexleben war ein harter Einschnitt. Ich hatte im Kopf Lust, aber der Körper spielte nicht mit. Berührungen, die ein Leben lang funktioniert hatten bewirkten nichts. Umgekehrt war, wenn ich mal mit meiner Frau Sex haben wollte, die Lust zwar im Kopf aktiv, aber körperlich kein Zeichen meiner Lust erkennbar. Nichts wurde steif, nichts wurde feucht, nicht einmal Stöhnen oder Gänsehaut. Nichts.

Dann kam der Zufall und schenkte mir ein Sextoy. Obwohl meine Anatomie noch die alte war, griff ich zielstrebig zu Vibratoren, Auflegevibratoren und was auch immer mir gefiel. Und Plötzlich – in der Badewanne – war er da: der erste Orgasmus, Juhuu, wie großartig. Und von da an lernte ich meinen Körper, mich, meine Lust und die Berührungen meiner Frau neu kennen. Und ich lernte, dass mein Kopf 90% meiner Sexualität steuert…. und 100% meiner Orgasmen. Erstmals in meinem Leben genoss ich Sex mit mir… ich habe meine Lust entdeckt und das tat furchtbar gut.

Und dann kam die OP. Was für ein Einschnitt in mein Leben. Erst lag ich im Krankenhaus, war froh, dass ich keine Schmerzen hatte, dann begann die Heilung und ich hatte in den ersten Wochen alles andere im Kopf als Sex. Wenn man ständig irgendwelche Schwellungen, Nahtmaterial, Spannungen und irgendwas Zwicken spürt, dann ist Geilheit ausgesprochen schwer aufzubringen. Dann erste Gehversuche: Berühren, ansehen… und feststellen: ja, ich kann etwas spüren, es ist aber… anders. Ich hatte keine Erwartung, etwas komplett neues zu fühlen. Aber gerade bei den ersten Berührungen war ich doch ziemlich erschrocken, dass so viele Nerven die Berührungen gar nicht ans Gehirn meldeten. Zwischen den Beinen war ich so unsensibel, wie ein eingeschlafener Fuß.

Tag für Tag, Woche für Woche ging die Heilung voran und nun spüre ich einiges sehr gut. Kein Bereich ist mehr vollkommen taub und: ich habe wirklich Lust. Ich berühre mich gerne, spüre und genieße… aber: wir wollen das ganze realistisch betrachten: von dem, was vorher an Hautoberfläche da war, an Haut, die viele Nerven hatte, blieb ein Bruchteil erhalten. Einige Nerven sind noch nicht verheilt, andere werden nicht heilen und sehr viele sind einfach weg, Ich muss von Grund auf Lernen, mit diesem Körper Sex zu haben. Ich bin noch weit davon entfernt, dass ich sagen kann: „ja ich weiß, wie ich kommen kann“ – ich weiß nicht einmal, ob ich jemals wieder so richtig kommen kann. Mein Kopf spielt eine große Rolle und führt mich sehr nah an den Punkt… aber körperlich rührt sich nur wenig. Die Vibratoren sind angenehm und wahrscheinlich fördern sie auch die Durchblutung, aber bisher bin ich am selbst zugefügten Orgasmus noch gescheitert.

Mir war das vor der OP bewusst. Mir war klar, welche Konsequenzen mich erwarten und ich war immer bereit diesen Preis zu zahlen. Und ehrlich gesagt, fühlt es sich jetzt schon besser an, als ich im worst Case erwartet hätte. Und klassischer Sex ist ja nur ein Teil meiner Lust 😉 aber das ist eine andere Geschichte. Ich mag meine Schublade mit Toys und ich bin froh, dass meine Frau meine Entdeckungsreise (ob allein oder mit ihr gemeinsam) so begleitet. Langsam und zum vierten mal in meinem Leben entdecke ich mich.

Ein Umschlag in der Post und dann ein zweiter… {Rezension/Werbung}

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Neulich erhielten wir Post. Als ich es aufmachte war darin ein Rätselheft: „Neue krasse Kunst Rätsel“ ich blätterte es durch und dachte mir: „naja, nett gemacht“ aber in Wirklichkeit sprach es mich nicht an. Ich legte es in die Ecke und vergaß es ein wenig. Mein jüngster Sohn (das Kind, das immer irgendwo rum turnt und kaum mal still sitzen kann und will) entdeckte es und schlagartig war es weg. Immer wieder saß er am Basteltisch oder lag auf der Couch. Das Buch vor sich und einen Stift in der Hand löste er die kniffligen Aufgaben. Gelegentlich fragte er: „Wer hat das gemalt“ und das war für mich nicht immer leicht zu beantworten, denn im Lösungsteil durfte ich nicht nachsehen – so seine Regeln.

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Seine Bewertung: „Also es ist toll. Es ist wirklich witzig. Die Rätsel sind manchmal schwer und manchmal leicht.“

Meine Bewertung: „Ich hätte nicht erwartet, dass eines meiner Kinder das Heft wirklich verwendet.“ – Ich wurde tatsächlich von meinen Kindern überrascht – die teilweise zu zweit dran saßen und sich erstaunlich ruhig und geduldig mit den Rätseln beschäftigten.

Dann kam nochmal Post.

Also genau gesagt: gestern kam Post. Darin ein Buch und schwupp hatte die Lesseratte (Kind3) es in der Hand: „Wie kommt das U-Boot in den Garten“ Herausgegeben von der Stiftung Bauhaus Dessau, mit Text von Ingolf Kern und sehr gelungenen Illustrationen von Hanna Zeckau.

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Kind3 liebt Bücher und hat auch dieses verschlungen. Er fand es ganz gelungen. Allerdings fand er (der mit 9 Jahren schon Hobbit und Harry Potter gelesen hat) das Buch etwas verwirrend und stellte hinterher die Frage: „Was ist ein Bauhaus?“ Also nahm ich das Buch zur Hand und las ein wenig… die Illustrationen sind extrem ansprechend und das Buch vermittelt die Bedeutung der verschiedenen Materialien… allerdings beschränkt es sich im Text zu sehr auf die Architektur (Design und Möbel kommen kaum zur Sprache) und es ist wirklich keine klare Erklärung darin zu finden, was Bauhaus ist/war. Das ist irgendwie schade, denn ein wenig Bauhaus ist bei uns sogar zuhause zu finden …

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Aber das Buch führte dazu, dass ich mit meinem Sohn über Kunst, Architektur, Schuhkartons und Möbeldesign geplaudert habe… Und ein Buch, das dazu führt, dass mein Kind Fragen stellt, so ein Buch finde ich großartig.

Oh, Patchworkbaum. Oh, Patchworkbaum,…

Es ist Weihnachten. Ja, ich weiß, ich hab auch einen Adventkalender, aber seit Wochen dröhnt Weihnachtsmusik aus allen Radios, Weihnachtsmänner in sämtlichen Ausführungen sind käuflich oder laden dazu ein, etwas zu kaufen, selbst in den Datingplattformen sehe ich immer mehr Zipfelmützen. Es ist verdammt nochmal die stillste Zeit im Jahr.

Nein, ich bin nicht der Grinch. Ich mag den flauschigen Zottelkerl, aber ich hab nichts gegen Weihnachten. Aber dieses Jahr bin ich mal wieder nervös.

Wie jedes Jahr habe ich schon alle Geschenke.
Wie jedes Jahr weiß ich, was es zum Essen geben wird.
Wie jedes Jahr habe ich genug Geschenkpapier.
Wie jedes Jahr wird am 23. Abends der Baum aufgebaut.
Wie jedes Jahr gibt es eine neue Christbaumkugel.
Wie jedes… nein, dieses Jahr sind am 24.Dezember nur die beiden kleinen da. Die großen feiern beim Biopapa.

Irgendwie ist das nur ein halbes Weihnachten. Ich weiß ja, dass ich „nur“ Stiefpapa bin, aber irgendwie ist es für mich so,… naja, Familie eben. Und ich freue mich nicht auf diesen Tag, an dem der Baum leuchtet, wir davor stehen und Geschenke für zwei Kinder liegen bleiben… Für mich ist das irgendwie nur ein halbes Weihnachten.

Hilfe, mein Kind wird eine Tussi!

„Ich habe keine Ahnung, wo die das her hat. Ich bin doch nicht so, ich schminke mich ja kaum“, sagt mir eine gute Freundin. Sie schickte mir ein Foto ihrer Tochter, die mit Freude vor dem Spiegel sitzt und sich schminkt. Bis vor wenigen Monaten war ihre Tochter noch begeistert von Baggern und Werkzeug und plötzlich DAS. Die Stimme meiner Freundin zeigt, dass sie tatsächlich etwas schockiert ist, was ihre Tochter da macht. Es klingt wie der Aufschrei „Hilfe, meine Tochter ist eine Tussi!“ – ein Fluch lastet auf dieser armen Familie.

Ich höre ihr zu und verstehe ihre Gedanken. Meine Tochter war mit 3 Jahren auch ein Bagger und Auto Kind und als sie in den Kindergarten kam – schwupp, war alles pink und voll Glitzer. Die Pinke Phase war ausgebrochen. Ich hoffte, dass es eine Phase wäre – jahrelang. Gerade als ich aufhören wollte, zu hoffen, passierte das wunder: schwarz statt pink. Und nun steht sie gelegentlich vor mir. In einfachem Schwarz und Grau – eine junge Frau, selbstbewusst und starkt (und stur).

Irgendwie ist es komisch, dass wir dieses Rollenbild im Kopf haben: ein Mädchen, dass sich gerne schminkt und Kleider trägt, wäre irgendwie … unglaublich weich und eben tussig. Ich erzählte meiner Freundin von meiner Tochter und von einer Frau, die ich sehr bewundere: die bei den städtischen Betrieben hier arbeitet. Sie ist schlank, blond und geschminkt – und ganz nebenbei fährt sie mir dem großen Rasenmähtraktor, bedient den großen Häcksler und ich hab sie schon mal am Presslufthammer gesehen. Sie ist eine Frau in einer Männerdomäne und sie ist ne richtige Frau.

Warum haben wir Angst, dass ein wenig Farbe im Gesicht eines Kindes bewirken könnte, dass unser Kind schwach wird? Warum ist „weibliches Verhalten“ etwas, das wir unseren Kindern nicht wünschen? Was genau ist so schlimm an pink und Glitzer? Warum bringen wir unseren Kindern nicht bei, dass man schön, elegant UND stark sein kann?