Chaotisch…

Derzeit treibt mich einiges an. Die Tage bis zur OP verfliegen und ich möchte einfach davor einiges erledigen.

Gothseidank haben wir den Garten schon ausgeräumt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich noch so viel zu tun habe und nichts schaffe…

Entsprechend unsortiert sind meine Gedanken. Mein Fokus liegt auf der Familie. Das ist gerade extrem wichtig und tut mir gut.

Sorry, dass ich derzeit nicht mehr schreibe.

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Liebe trans…

Ich habe meine Gründe, warum ich Dr. Pottek ausgewählt habe. Ich brauche euren ungefragten Rat nicht. Da ich keine Neovagina will schieden die meisten Ärzte aus (machen nur penile Inversion)…

Es ist lieb, dass ihr euch Gedanken macht. Aber ich habe wirklich viel Zeit und Gedanken mit der Entscheidung verbracht.

Bitte respektiert meine Entscheidung, auch wenn ihr sie nicht versteht.

Manchmal habe ich Angst…

Ich lenke mich ab. Versuche, die Zeit vor der OP gut zu nutzen. Ich beschäftige mich viel mit den Kindern und ich weiß, dass ich einfach versuche, vor der OP so bewusst zu leben, wie ich es nur kann.

Ich habe sowas wie Lampenfieber. Ich habe Angst. Es ist eine große OP… was, wenn etwas schief läuft. Viele Gedanken. Kein Zweifel am Sinn der Operation, aber einfach viele, sehr viele Gedanken.

Ein wenig Urlaub…

Zugegeben, ich lenke mich ein wenig von den Gedanken an die OP ab, indem ich hier etwas schreibe. Wir waren kürzlich im Urlaub. 3 Nächte in Flensburg, Sonne, Sand und Meer – ja, wir hatten echt großes Glück mit dem Wetter. Aber unsere Unterkunft hatte…. reichlich Flair. Ein Hostel ist einfach etwas besonderes.

Als wir ankamen schauten wir uns im Zimmer um. Soweit alles okay, aber: das Bad und die Toiletten sind am Gang. Nun bin ich , was Unterkünfte angeht, nicht sonderlich anspruchsvoll, aber ich tue mir einfach schwer, ungeschminkt und unrasiert durch den Gang zu laufen und dann vielleicht noch vor einer verschlossenen Tür zu warten, bis die Räumlichkeit frei wird.

Hostel… ein wenig wie Camping unter einem Dach. Ich habe daher beschlossen, ein paar Eindrücke zusammenzufassen.

Der Tag war anstrengend, dennoch liegen die Kinder mit ihren Büchern im Bett und lesen. Ich höre ein brummendes Geräusch. Regelmäßig und beständig. Im Zimmer neben uns schnarcht jemand. Ich vermute, es ist der Mann, der mir vorhin nur in Unterhose am Gang entgegen kam, unter dem Arm ein knallrotes Handtuch des Hostels und eine Flasche Duschgel. Er war über meinen Anblick wohl genauso erschrocken, wie ich über seinen (Ich hatte die Zimmertüre recht schnell aufgemacht und plötzlich standen wir uns sehr direkt gegenüber). Ich atme tief durch.

Nach einer Weile sind die Kinder endlich müde geworden und es ist dunkel im Zimmer. Das Schnarchen brummt gleichmäßig durch die Wand, gelegentlich höre ich aus dem Zimmer auf der anderen Seite einen kleinen Hund. Die Familie dort hat zwei kleine Hunde mitgebracht. Ich liege da, starre an die Decke und überlege, wann die Hunde uns morgen wecken werden.

Gerade, als ich einschlafe, fährt draußen ein Rettungswagen vorbei. Das Hostel ist etwa 250 m von der Einsatzleitstelle entfernt. Die Nacht wird immer wieder unterbrochen, irgendwann, gegen 5 Uhr meint meine Blase, sich einmischen zu müssen und ich schleiche durch den Gang – irgendwo im Treppenhaus sprechen zwei Männer laut miteinander.

Morgens wache ich auf. Leichte Müdigkeit steckt in meinen Knochen, während der Rest der Familie die Nacht durch geschlafen hat. Im Aufenthaltsraum gibt es Teller, Tassen und Gläser. Es gibt auch einen Toaster, Wasserkocher und eine Kaffeemaschine. Was es nicht gibt: Besteck und Flaschenöffner. Ich taste mich in eines der Badezimmer, um mich zu rasieren. Schminken kann ich mich im Zimmer einigermaßen. Auf geht’s zum nächstgelegenen Supermarkt. Ein paar Brötchen, Löskaffee, Milch, Plastikbesteck… zurück ins Hostel zum Frühstück.

Die Familie ist etwas angespannt. Zwar konnten alle kurz aufs Klo, aber seitdem waren alle Badezimmer ständig besetzt. Wir Frühstücken und gehen eine Stunde später als wir vor hatten in die Stadt. Ich habe zwar keine Ahnung, wo genau die Busse zum Strand abfahren, biege aber zufällig in der Fußgängerzone richtig ab und wir finden Den Busbahnhof auf Anhieb. Bepackt mit Badetasche und Verpflegung warten wir zu 4. auf den Bus. Meine Frau schüttelt gelegentlich den Kopf – ein Zeichen, dass mich wieder mal jemand mehr als gewöhnlich angestarrt hat. Ja, ich falle auf. Ich versuche den Blicken keine Beachtung zu schenken.

Im Bus sind die Blicke noch deutlicher. Ich atme tief durch und setze mich. Nach 4 Haltestellen meint meine Frau, wir wären im falschen Bus. Ich schmunzle und hoffe, dass sie sich irrt (immerhin tue ich sehr selbstsicher und lasse mir nicht anmerken, dass ich kurz darüber nachdenke, ob sie recht haben könnte). Einige Haltestellen später sind wir beim Strand. Der Tag wird vergehen mit Sonne, Strand, Meer und Spielplätzen.

Abends geht es zurück ins Hostel. Chips, Erdnussflips, Limo und Wein… Mal sehen, was im TV läuft. WLAN ist  zwar vorhanden, aber zu viele Leute nutzen den Zugang und so ist die Bandbreite reine Glückssache. Manchmal gehen nicht einmal Twitter oder WhatsApp. Der Fernseher im Aufenthaltsraum ist doppelt so groß, wie unserer. Wir zappen durch die Kanäle, jeder Sender brummt, aber immerhin finden wir etwas, das alle schauen wollen und das uns vom Boden im Aufenthaltsraum ablenkt.

Beim Fußboden im Hostel muss ich an Mark Benecke denken. So viele Flecken, Spritzer und Spuren… ich möchte diesen Boden nicht berühren. Gothseidank fällt kein Essen auf den Fußboden und wir machen keinen neuen Flecken… Im Hintergrund die Rettung und im Gang winkt der Herr mit seinem Handtuch. Der Abend klingt aus…

Urlaub ist etwas tolles. Man kann entspannen und Energie tanken und… nach mehreren Stunden Heimreise kommt man zuhause an und denkt sich: „Verdammt, haben wir es schön hier!“

 

PS: Es geht NICHT um normales Glotzen, Gaffen, Anstarren… das, was man als normale Reaktion betrachten könnte, nehmen wir nur noch am Rande wahr. Himmel, ich weiß, dass ich Blicke auf mich ziehe… Davon rede ich nicht.

Es geht um extrem auffälliges Starren mit offenem Mund. Um die Art von Glotzen, das normalerweise Zirkuselefanten bekommen, wenn sie durch einen Supermarkt geführt werden.

Urlaub…

Gemeinsam mit der Familie zu verreisen ist ein Abenteuer. Die Kinder sind schon Tage vor der Abreise aufgeregt und fragen immer wieder, wann es endlich ans Meer geht und ich versuche beim packen nicht all zu viel zu vergessen.

Gerade sind wir umgestiegen. Der IC hatte bei der Ankunft 10 Minuten Verspätung… In Hannover hätten wir theoretisch 20 Minuten Umsteigezeit.

Die Kinder essen Minimuffins, Frau Regenbogenmutti und ich trinken Kaffee. Neben uns unterhalten sich junge Damen über die Vorbereitung einer Hochzeit (zu der eine der Damen nicht eingeladen wurde) und eben hat eine fremde Frau ihr iPhone an eine der Steckdosen an unserem Platz eingesteckt und es vertrauenswürdig bei uns gelassen (ja, sie hat höflich gefragt)

Ich bin im Gedanken mal etwas von der OP abgelenkt und das ist sehr gut. Heute beginnen die Urlaubstage.

Über Sex, Vorlieben und überhaupt…

In wenigen Wochen habe ich meine Operation und vielleicht liegt es daran, dass ich seit dem Antrag bei der Krankenkasse und noch mehr, seit ich den genauen Termin weiß, viel über Sex nachdenke. Nun ja, immerhin wird, wenn alles gut läuft meine OP dazu führen, dass ich nie wieder über meinen Penis nachdenken muss.

Aber derzeit denke ich echt verdammt viel an Sex, irgendwie begegnet mir überall Sex, Lust, Erotik und auch BDSM. Ich werde oft gefragt, ob ich Angst vor der OP hätte und meistens sage ich nein, aber manchmal habe ich durchaus Angst, immerhin wird im Intimbereich eine Großbaustelle eröffnet und geschnippelt und genäht und hinterher hab ich hoffentlich meine ganz persönliche Vulva – mit einer funktionsfähigen Klitoris und ansehnlichen Schamlippen… Ich denke oft darüber nach, ob ich nach der OP wohl noch Orgasmen haben kann…

Über Sex zu sprechen ist aber bis heute eigentlich eher tabu. Ja, in einer kleinen Runde beim Mädelsabend erzählt man sich schon mal intime Details, aber wenn man Kinder hat, dann sollte man das Thema doch dezent und im Schlafzimmer behadeln, aber drüber reden: nein.

Woher kommt diese Haltung? Eigentlich, wenn man genau hinsieht, wird gewissen Menschen sogar das Recht auf gelebte Sexualität irgendwie abgesprochen… ich denke da besonders an trans, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und andere, die von der Norm des „jung, schön und fortpflanzingsfähig“ abweichen. Irgendwie tut der Großteil der Gesellschaft so, als wäre Sex tatsächlich nur zur Fortpflanzung da.

Ich gebe zu: Ich hab Sex, weil’s gut tut und Spaß macht – Fortpflanzung hab ich schon durch.

Und ich gebe zu: Sex mit mir/für mich ist kompliziert… das, was früher mal ein Penis war, ist jetzt kleiner, weicher und anders zu bedienen, als früher. Ich weiß inzwischen, wie ich damit umgehen muss, aber in ein paar Wochen sieht das alles ganz anders aus.

Genug davon… Vergangenes Wochenende war ich zu einer Diskussion eingeladen: Falbalus von Training der O und der Joyclub haben mich zum #kaminabendBDSM eingeladen. Mit anderen Teilnehmern (u.a. dem fantastischen Dr. Mark Benecke) sprach ich über verschiedene Aspekte rund um BDSM. Mein Anliegen dabei war, ein wenig über meine Erfahrungen als trans Frau in „der Szene“ zu sprechen. Die Diskussion wird demnächst als Podcast beim Joyclub veröffentlicht.

Hinterher ging es zu einem gemütlichen Essen… Ein echt gelungener Abend, der mir in Erinnerung bleiben wird.

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Foto: Mark Benecke / https://fb.com/markbenecke

Danke nochmal für die Einladung lieber Falbalus und Joyclub

Meine Muschi…

Irgendwie hatte ich schon Zweifel, dass es jemals soweit kommen wird, aber nun ist es endlich so weit: Die Kostenerstattung für die GaOP ist da, ich kann einen Termin für die OP machen.

Ich lächle gerade sehr.