Kategorie: Allgemein

Aus der Sicht der Kinder…

Ich bin nun knapp eine Woche zuhause und vor genau drei Wochen lag ich in meinem Zimmer im Vivantes Klinikum und hatte die OP seit ein paar Stunden hinter mir. Für mich ist nach wie vor erstaunlich, dass ich keine Schmerzen hatte. Aber ich will heute gar nicht so sehr über mich reden, sondern vielmehr über meine Kinder.

In den Wochen vor der OP stellten vor allem Kind1 und Kind3 viele Fragen. Kind1 (14) beschäftigte hauptsächlich die Frage, ob ich mir wirklich sicher wäre. Seine Frage war für mich vollkommen verständlich – ich erinnere mich sehr gut, wie wichtig so ein Penis mit 14 ist… da er schon einige Sportunfälle erlebt hat, war ihm auch klar, dass Hoden reichlich Schmerzen auslösen können und er schien sich bei den Fragen förmlich reinfühlen zu wollen.

Kind3 (8) zeichnet sich durch eine besondere Neugierde aus. Er spielte schon mit 4 mit kleinen Anatomischen Modellen und wünschte sich ursprünglich ein Skelett zur Einschulung (das will er noch immer). Er fragte ganz gezielt nach den Details des Eingriffs. Er fragte was wie und in welcher Reihenfolge gemacht wird, was mit den Teilen passiert, die weg geschnitten werden und ganz wichtig: ob ich danach noch pinkeln kann.

Unsere Tochter/Kind2 (fast 13) war vor der OP herzlich unbeeindruckt. Ich glaube das spannendste für sie war, dass ich in Berlin operiert wurde. Sie ist generell das, was man als ausgesprochen cool bezeichnen könnte… Sie ließ sich, wenn es sie beschäftigt hat, nichts anmerken.

Und unser kleinster… Kind4 (6)… Er war nicht sonderlich neugierig, aber in der Woche vor der OP war er sehr still. Er kuschelte sich oft an und hielt meinen Arm fest. Erst zwei Tage vor der OP fragte er zögerlich. Er hatte eigentlich einfach Angst. Für ihn war klar, dass etwas weg geschnitten wird und das war in seiner Vorstellung etwas schreckliches. Ich erklärte ihm, dass nichts einfach weggeschnitten wird und beschrieb ihm, warum ich mich auf die Operation freute. Wir kuschelten und als ich ihm erzählte, dass er mich ja in Berlin besuchen würde, war er einigermaßen beruhigt.

Tja… das war vor der OP. Am Wochenende nach der OP kam meine Frau mit allen 4 Kindern ins Krankenhaus. Ich hatte noch Katheter- und Drainageschläuche und die dazu gehörenden Behälter, aber es ging mir gut. Die drei großen Kinder kamen damit einigermaßen zurecht. Kind4 konnte mich nur schwer ansehen. Er wollte sich ankuscheln, aber die Schläuche und das Krankenhausbett gefielen ihm gar nicht. Es machte mich traurig, ihn so zu sehen. (Als meine Frau mir dann Fotos zeigte, wie viel Spaß die 5 in Berlin hatten, war ich ein wenig beruhigt).

Vor etwa einer Woche konnte ich nach Haus fahren. Glücklicherweise ohne Schlauch 😉 Zuhause auf der Couch, mit normaler Kleidung, da war Kind4 sichtlich erleichtert. Ich lag letzten Mittwoch zwischen Kind3 und Kind4 eingekuschelt auf der Couch und bin erleichtert, dass dieser Schritt nun hinter mir liegt.

Vorgestern holte mich Kind4 zu sich. Er saß auf der Couch und ich wurde unter seine Decke eingeladen, um zu kuscheln. So, wie „früher“ – ich glaube, seitdem bin ich für ihn wirklich angekommen.

Advertisements

Nein!

Nazis auf der Buchmesse.

Deutschland, das ist Terror. Ich werde mich weiter für Freiheit und Gleichberechtigung einsetzen. Ich stelle mich weiter gegen die Werte von Nazis und AfD Anhängern.

Nein zu Nazis. Nein zu Extremismus. Nein!

Zuhause…

Gestern wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Nachdem sich alles auf der Zielgeraden noch eingependelt hat, sogar ohne irgendwelche Schläuche.

Meine Frau hat mich abgeholt und fuhr mit mir gemeinsam zurück. Verlässlich hatte der Zug bei der Abfahrt bereits über eine halbe Stunde, bei der Ankunft sogar eine Stunde Verspätung. Es blieb aber trotzdem noch Zeit, zuhause auch die Kinder zu kuscheln.

Heute noch kurz zum Hausarzt wegen der Krankschreibung… Medizinisch-bürokratischer Akt… Und dann zuhause auf die Couch.

Jetzt ist ein paar Tage Schonung angesagt. Wobei ich mich schon sehr drauf freue, mich mal wieder gründlich zu waschen. Bis zur geliebten Wanne dauert es noch eine Weile…

Ich bin zuhause. Angekommen.

Morgen fahre ich nach Hause…

Nein, ich habe noch nicht gepackt. Eigentlich warte ich noch auf die eine oder andere Untersuchung und ein Gespräch mit dem Arzt und morgen früh, werde ich anfangen zu packen.

Ja, morgen ist es soweit. Ich brauche zwar zum Sitzen noch einen Sitzring (in meinem Fall ein Schwimmreifen) und es zwickt und zwackt ein wenig im Schritt, aber ich freue mich auf die Heimfahrt. Ein ganz besonderer Mensch holt mich ab: meine Frau.

Vor nicht ganz zehn Jahren habe ich meine Frau kennengelernt und eigentlich sollte man meinen, irgendwann wäre man so aneinander gewöhnt, dass man ein paar Tage ohne einander aushält. Pustekuchen. Ich vermisse es, sie zu sehen, hören und in den Arm nehmen zu können.

Mein Heimweh ist tatsächlich schlimmer als die körperlichen Schmerzen (die ich komplett anders erwartet hätte).

Ich liege gerade im Bett und warte auf einen der Ärzte. Meine Playlist besteht aus Schandmaul und VNV Nation… Musik von vor zehn Jahren….

Regenbogenmutti, ich liebe dich ❤️

7 Tage… Gedanken zur OP…

7 Tage ist es nun her, dass ich mit dem Zug nach Berlin fuhr und gegen Mittag im Klinikum ankam. Jetzt habe ich gerade Zeit, Ruhe und bin mal nicht so Müde, also: Blog auf und schreiben.

Kennt ihr das Gefühl vor einer unumkehrbaren Entscheidung zu stehen und obwohl ihr sicher seid, dasss sie die richtige ist, hinterfragt ihr auf einmal alles und seind unsicher, habt Muffensausen und wollt am liebsten zurück ins Bett und schlafen, bis die Entscheidung sich irgendwie erledigt? Genau so ging es mir vor einer Woche.

Dann kam ich im Vivantes Klinikum am Urban an. Aufgrund einer falschen Auskunft hatte ich ein Papier nicht mit, aber das ließ sich recht schnell klären. Herr S. an der Aufnahme war entzückend. Er erklärte mir mit ruhiger Stimme, dasss alles kein Problem wäre und beruhigte mich tatsächlich sehr. Herr S. ist Mitte 20, hat leuchtende Augen und hat herrliche Tätowierungen. Wir sprachen, zwischen den verwaltungstechnischen Fragen über dies und das, auch über die OP… Er brachte mich zum schmunzeln und ich entspannte mich.

Danach erfolgten Blutabnahme, dieser Test, da ein Fragebogen, dort ein Gespräch, hier geht’s zus Station 42, da vorne ist ihr Zimmer. Alle Menschen, die mir begegnet waren, reagierten offen auf meine Fragen und gingen auf meine Bedenken ein. Nichts wurde abgewunken. Meine Entscheidung fiel im Endeffekt, als ich erkannte, dass die Menschen, die in den nächsten Wochen um mich sein würden, mir gut taten – und das nicht nur professionell.

Etwas später kam Dr. Pottek zu mir, um über die anstehende OP zu sprechen. Wir sprachen ruhig und vor allem über die Risiken, die möglichen Komplikationen und ja, ich sprach auch an, dass mich viele Menschen in trans Gruppen angesprochen hatten – nicht gerade positiv. Er blieb sachlich, ruhig und – wie ich ja schon oft versucht hatte, zu erklären – wies darauf hin, dass der schwerste und risikoreichste Teil der GaOP die Neovagina sei. Naja, ihr wisst ja, die alte Frau Papa kocht da ihr eigenes Süppchen und wollte generell nie diese künstliche Körperöffnung.

Jedenfalls… Montag Abend: Abführmittel statt Abendbrot, WC statt Schlaf,… Dienstag Morgens erfuhr ich die genauerer OP Zeit. Um 10:30 sollte es los gehen, kurz nach elf war ich tatsächlich im OP und einige Stunden später wachte ich auf. Ich hörte Geräusche, jemand fragte mich etwas, jemand mit einem gelben Shirt schob mein Bett durch die Gänge (gefühlt die geilste Achterbahn ever!) und ich war im Zimmer.

Neben mit stellte man Abendessen und nach leichten Startschwierigkeiten durch den Rest der Narkose, habe ich endlich was gegessen. Und dann die Erkenntnis:ich habe keine Schmerzen, mein Hunger war das einzige gewesen, worüber ich mir gedanken gemacht hatte. Ich griff zwischen die Beine: ein Verband… Ich hatte keine Schmerzen.

Was ich spürte, war der Katheter in der Harnröhre (Ich hasse dieses verdammte Teil ein wenig), aber keine Schmerzen. In der Zwischenzeit hatte meine gerade neue Mumu schon einen eigenen Hashtag (Danke, Meg <3) und ich wurde oft gefragt, wie sich „das anfühlt“. Ich versuchte zu erklären, wie es ist, wenn Nerven nicht mehr dort sind, wo sie vor kurzem waren und twitterte ein Video. Ohne Makeup, aus dem Bett…

Tja und dann ging es los… die gekreuzten Finger an der Nase und der Hashtag #mumu4nina nahmen Fahrt auf. Inzwischen habe ich über 150 Fotos von Freunden und Fremden, die mir auf diese Art und Weise alles Gute wünschten und wahrscheinlich werde ich den mumu-gruß niemals wieder los. 😀 gut so. Die Bilder werde ich auf jeden Fall in irgendeiner Form rahmen oder an eine Leinwand pinnen…. und sichtbar zuhause aufhängen. So viel Zuspruch hätte ich niemals, wirklich niemals erwartet.

Tja, nun, eine Woche nachdem ich in die Klink kam, sitze ich in meinem Zimmer. Ich sitze auf einem Schwimmreifen auf dem Stuhl, nicht im Bett und blogge… Ich in der ganzen Woche kaum Schmerzmittel bekomme und gebraucht. Gestern beim Verbandswechsel konnte ich mit einem Spiegel erstmals das Ergebnis sehen (und die Berührungen daran spüren) und ich bin überglücklich damit.

Ach ja… nein, ich werde keine Fotos öffentlich teilen 😀 ich bin ganz brav

Unterwegs zur OP

Ich war die letzten Tage still. Ja, still. Aber nicht ruhig. Ehrlich gesagt war ich sehr nervös. Immer wieder ging ich die Vorteile und Risiken der OP für mich durch und ja, ich habe überlegt, sie abzusagen.

Noch nie war ich so lange von meiner Familie getrennt. Noch dazu erwarten mich: Krankenhaus, fremde Menschen, Schmerzen und eine recht unberechenbare Zeit, bis ich zurück komme.

Jetzt sitze ich im Zug. Ich konnte in den letzten Tagen meine Familie intensiv erleben, Nähe spüren und hoffentlich speichern. Unter meinem Sitz steht ein randvoll gepackter Rucksack und vor mir liegen meine Hoffnungen.

Am Bahnsteig habe ich geheult. Ich will nicht von meinen liebsten getrennt sein. Aber in mir herrscht eine unermessliche Neugier. Ich bin da frage mich, wie es wohl sein wird, endlich nicht mehr das falsche Equipment zwischen den Beinen zu haben. Ich frage mich auch banale Dinge, wie: ob es sich beim pinkeln wohl sehr anders anfühlen wird? Wie sich ein Zugang über die Halsvene wohl anfühlt? Wie ich mich rasieren und schminken werde, solange ich nicht aufstehen kann? Ob ich ohne Schlafanzughose kalte Beine bekomme und in der Nacht friere? Wann ich mich zum ersten Mal berühren kann und wie masturbieren dann klappt?

Jetzt sitze ich im Zug. Ich bin müde und habe vergessen, mir Kaffee mitzunehmen. Meine Frau rief eben an, weil vergessen habe, die Versicherungskarten der Kinder aus dem Portmonee zu nehmen. Ich habe also ein wenig nachzudenken und bin abgelenkt.

Ich halte euch auf dem laufenden,

Nina

PS: ja, ich fahre zu Dr. Pottek und ich kenne seinen Ruf. Bevor ihr dazu etwas kommentiert:

  1. Ich mache eine OP ohne Neovagina. Die Risiken und Komplikationen der künstlichen Körperöffnung treffen bei mir nicht zu.
  2. Er führt als einer der wenigen Ärzte diese OP in Deutschland überhaupt durch. Die Kolleg*innen, die mir eine Neovagina einreden wollten (oft auch mit peniler Inversion) haben meine Bedenken und Gründe ignoriert. Das ist keine Basis für eine Behandlung.
  3. Ob ihr es glaubt oder nicht: ich habe mit Patientinnen von Dr. Pottek geschrieben, die zufrieden waren.
  4. Jede Person muss die Arztwahl selbst treffen. Die Entscheidung ist nicht leicht und fällt nicht einfach beim Nachmittagskaffee.
  5. „Ich kenne eine, die hat diese und jene Horrorgeschichte erlebt“… Merkt ihr selbst?
  6. Wenn ihr als selbst betroffenen Patientin von Dr. Pottek über die OP ohne Neovagina mit mir reden wollt: bitte, sehr gerne.