Wenn ich leicht gestresst durch die Stadt gehe…

Ich hatte heute Morgen einen Termin bei der Bank. Es sind Ferien und da einen Wecker zu stellen, kommt einer Psychofolter gleich. Die snooze Taste wurde unvermeidlich ein paar Mal gedrückt und so schaffte ich es nur knapp, rechtzeitig und anständig bekleidet das Haus zu verlassen. Es gibt einiges zu regeln, in Hinblick auf die bald hoffentlich bessere Situation (ehrliche Arbeit).

Der Termin war angenehm, ich ging nach Hause, in der Tasche einen Stapel Papiere, die auch meine Frau noch unterschreiben musste.

Dann kurz nach Mittag zurück zur Bank, hinterher ein paar Einkäufe erledigen und knapp den Bus nach verpassen. Timing kann ich.

Meine Frau hatte Zimtschnecken gebacken und ich wollte so schnell wie möglich nach Hause. An der Bushaltestelle überlegte ich kurz, ob ich zu Fuß gehen oder zwanzig Minuten warten sollte und ging mit iron maiden im Ohr los.

Wie inzwischen wohl die meisten wissen, wohnen wir im Bahnhof. (ja, da kann man wohnen) Und am Vorplatz dieses Bahnhofs habe ich schon viel erlebt. Doofe Blicke, Spott und auch Menschen, die sich in aller Öffentlichkeit einen Joint drehen, aber das ist eine andere Geschichte. Auf eben diesem Vorplatz standen gerade zwei junge Männer. Eigentlich genau die Sorte Begegnung, die ich meistens meide.

„Hey, bist du nicht die Nina“, sagte der eine. Bärtig, eher muskulös, sportlich gekleidet, großes Auto… Er erzählte mir, dass er früher oft auf der Treppe des Bahnhofs gesessen hatte und nicht gerade höflich zu mir war (Ich habe irgendwann aufgehört, mir die Gesichter zu merken). Ich sagte ihm, dass unter diesem Spott vor allem meine Kinder zu leiden haben. Er meinte, dass er erkannt hat, dass es nicht gut war, dass er es heute nicht mehr machen würde… Er lese meinen Blog (Hallo 😊) und habe viel auf Youtube gesehen…

Es war ein sehr berührendes Zeichen von Respekt und ich bewundere ihn für seinen Mut. Sich selbst einzugestehen, dass etwas nicht gut war, ist eine Sache. Die betroffene Person direkt anzusprechen… Das ist etwas besonderes. Hut ab.

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8 Gedanken zu “Wenn ich leicht gestresst durch die Stadt gehe…

  1. Ja, das sind so die netten Geschenke am Wegesrand. Apropos Geschenke/Selbstfürsorge, wenn euch mal die Decke auf den Kopf fällt – ich wohne in einem Feriengebiet im Schwarzwald und habe Platz….

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  2. Ich denke Nina,da kannst du auch „stolz“ auf dich sein…..Du hast (vielleicht unabsichtlich) Aufklärungsarbeit geleistet!!!Das ist gut,wenn die Gesellschaft neugierig wird, vielleicht Vorurteile überdenkt und überhaupt zum Umdenken angeregt wird!!!Ich wünsche dir und deiner Familie ein fröhliches Osterfest und eine gute Zeit mit der Familie!LG aus Berlin

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