Monat: März 2018

Wenn ich leicht gestresst durch die Stadt gehe…

Ich hatte heute Morgen einen Termin bei der Bank. Es sind Ferien und da einen Wecker zu stellen, kommt einer Psychofolter gleich. Die snooze Taste wurde unvermeidlich ein paar Mal gedrückt und so schaffte ich es nur knapp, rechtzeitig und anständig bekleidet das Haus zu verlassen. Es gibt einiges zu regeln, in Hinblick auf die bald hoffentlich bessere Situation (ehrliche Arbeit).

Der Termin war angenehm, ich ging nach Hause, in der Tasche einen Stapel Papiere, die auch meine Frau noch unterschreiben musste.

Dann kurz nach Mittag zurück zur Bank, hinterher ein paar Einkäufe erledigen und knapp den Bus nach verpassen. Timing kann ich.

Meine Frau hatte Zimtschnecken gebacken und ich wollte so schnell wie möglich nach Hause. An der Bushaltestelle überlegte ich kurz, ob ich zu Fuß gehen oder zwanzig Minuten warten sollte und ging mit iron maiden im Ohr los.

Wie inzwischen wohl die meisten wissen, wohnen wir im Bahnhof. (ja, da kann man wohnen) Und am Vorplatz dieses Bahnhofs habe ich schon viel erlebt. Doofe Blicke, Spott und auch Menschen, die sich in aller Öffentlichkeit einen Joint drehen, aber das ist eine andere Geschichte. Auf eben diesem Vorplatz standen gerade zwei junge Männer. Eigentlich genau die Sorte Begegnung, die ich meistens meide.

„Hey, bist du nicht die Nina“, sagte der eine. Bärtig, eher muskulös, sportlich gekleidet, großes Auto… Er erzählte mir, dass er früher oft auf der Treppe des Bahnhofs gesessen hatte und nicht gerade höflich zu mir war (Ich habe irgendwann aufgehört, mir die Gesichter zu merken). Ich sagte ihm, dass unter diesem Spott vor allem meine Kinder zu leiden haben. Er meinte, dass er erkannt hat, dass es nicht gut war, dass er es heute nicht mehr machen würde… Er lese meinen Blog (Hallo 😊) und habe viel auf Youtube gesehen…

Es war ein sehr berührendes Zeichen von Respekt und ich bewundere ihn für seinen Mut. Sich selbst einzugestehen, dass etwas nicht gut war, ist eine Sache. Die betroffene Person direkt anzusprechen… Das ist etwas besonderes. Hut ab.

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Selbstfürsorge – eine gute Idee, wenn man es sich leisten kann

Gerade liege ich in der Wanne, der Schaum knistert, der Lüfter im Badezimmer schnurrt. Es ist ruhig. Es ist me-time.

Heute vormittag las ich einen Tweet von Nora Imlau:

Ich habe mir den ganzen Tag lang Gedanken gemacht. Selbstfürsorge. Prioritätrn setzen, dass es mir im normalen Alltag gut gehen kann. In meinem Alltag, so stellte ich fest, ist das schwierig.

Ich habe schon lange keine Freunde mehr in meinem realen Umfeld. Armut bewirkt, dass man normale soziale Kontakte nur schwer pflegen kann. Kurz Kaffee trinken oder mal ins Kino gehen? Geht nicht. Mädelsabend… Ohne Kohle ist das ein kurzes Vergnügen.

Gesundes Essen. Der Fokus meiner Küche liegt seit Jahren auf den Bedürfnissen der Kinder. Damit meine Kinder Obst und Gemüse, frisch zubereitete Mahlzeiten haben können, muss ich Abstriche machen. Diesen Monat hatte ich tatsächlich mal selbst Obst: ein paar Orangen und eine Grapefruit. Oft war das nicht möglich. Ich freue mich schon wieder auf die Zeit, in der die Brombeeren reif sind.

Armut ist Stress. Jeden Tag, jeden Cent rechnen. Nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Nahrung ist nur eine Sorge. Ich habe seit sechs Jahren eine Zahnlücke, weil ich mir keine Brücke leisten konnte. Einmal konnte ich mir ein paar Tage vor Monatsende die Antidepressiva nicht mehr leisten, ohne Pfandflaschen am Bahnsteig zu sammeln. Ich habe das Kopiergeld der Kinder in der Schule noch nicht bezahlt und meine Krankenhausrechnung von der OP ist auch noch offen. Armut ist Stress. Oft leidet unter diesem Druck die Beziehung. Dann ist es schwer, die Nähe der eigenen Frau zu suchen und anzunehmen. Da löst selbst das Lachen der Kinder Tränen und Ängste aus.

Hartz IV kennt keinen Urlaub. Ja, man kann ein paar Wochen woanders hinfahren, wenn man sich beim jobcenter abmeldet. Aber die Probleme nimmt man (wenn man nicht von Verwandten oder Freunden durchgefüttert wird) einfach mit. Es gibt bei Armut keine Auszeit. Man kann keinen Babysitter bezahlen und mal abends ins Kino oder in eine Bar gehen. Wir haben manchmal der großen Tochter eine Packung Chips und den Rest Kleingeld aus dem Portmonee gegeben und sind zusammen ein paar hundert Meter gegangen. Kinderfrei light.

Selbstfürsorge.

Ich liege in der Wanne. Jederzeit kann jemand rein, denn im Bad ist das Klo. Ich entspanne so gut ich kann. Ein Geschenk von Freunden auf Twitter ermöglichte es mir, nach vielen Jahren erstmals wieder in die Sauna zu gehen. Geschenke… Kleine und große Geschenke hielten mich in den letzten Jahren über Wasser. Vor allem emotional. Jeden Tag, wenn meine Kinder die Schulranzen nehmen, denke ich an die Spenden, die wir bekommen haben.

Twitter ist mein soziales Netzwerk. Hier sind meine besten Freunde, meine engsten Vertrauten und hier kann ich ich sein. Ohne Maske. Ohne finanzielle Schwäche. Ohne…. Ohne mich arm zu fühlen. Twitter ist meine Selbstfürsorge. Twitter und meine Badewanne. Danke ❤

Frau Papa hat bald einen Job

Nachdem ich in den letzten Jahren zahllose Bewerbungen geschrieben hatte, hatte ich innerlich fast schon resigniert. Meine Ausbildung ist nicht mehr aktuell und branchenfremd einsteigen ist in Deutschland nicht gerade leicht. Ich bin alt, trans, hab das falsche studiert und war am falschen Platz gestrandet. Ich hatte mich schon mit dem Szenario 450€ bis zur Altersarmut abgefunden.

Dann kam plötzlich Anfang Februar eine Nachricht auf Twitter. Es gäbe eine Möglichkeit in Bielefeld, von 450€ bis Vollzeit wäre alles möglich. Es gäbe die Aussicht auf ein Bewerbungsgespräch Anfang März. Das klang positiv.

Am 7. März sollte das Gespräch sein. Am Montag davor eine DM (Direktnachricht) bei Twitter: meine zukünftige Chefin ist krank, das Gespräch müssen wir per Telefon führen. Vertrag kommt per Mail. What? Vertrag? Ja, dann können wir am Mittwoch konkret drüber reden. Die Mail kam nicht, weil sie nicht nur erkältet war, sondern die Grippe erwischt hatte.

Am Mittwoch (7. 3.) klingelte mein Telefon nicht. Ich war schon stundenlang vorher aufgeregt. Anderthalb Stunden nach dem Termin eine Nachricht per Twitter. Im Gespräch vereinbarten wir: wir treffen uns einfach am Freitag in der Kinderuni. Auch das fiel ins Wasser.

Ich hatte meine Daten für den Vertrag schon hin geschickt und leider Kommunikation lief über DM… Aber am Montag endlich das erste Telefonat. Die Zusage wurde bestätigt und wir haben locker geplaudert.

Heute bekam ich den Vertrag, obwohl meine Chefin noch im Krankenhaus liegt. Gute Besserung auf diesem Weg. Ja, sie kennt meinen Blog, unsere Auftritte im Fernsehen und meinen Twitter Account.

Irgendwann in den nächsten Tagen werden wir uns wohl auch persönlich kennenlernen. 🙂

Was ich machen werde?

Ich werde die Leitung des Cafés eines Sozialprojektes übernehmen. Einerseits habe ich das Café. Auf der anderen Seite werde ich jungen Menschen helfen, besonders beim Einstieg in die Arbeitswelt. Café…. Es soll eine Begegnungsstätte werden, ein Platz mit Seele. Und ich darf es mit aufbauen. Anfang Mai geht es los und ich bin unglaublich glücklich über diese Chance.

Etwas sagen wollen…

Eigentlich will ich etwas sagen. Am Mittwoch hätte ich ein Bewerbungsgespräch gehabt, aber das wurde wegen Grippe verschoben. Dementsprechend muss ich noch ein paar Tage warten. Die Neuigkeit verschiebt sich also ein wenig nach hinten