An der Belastungsgrenze…

Nein, es wird hier kein mimimi darüber geben, wie schlimm es für mich ist trans* zu sein. Es ist nur einer der Faktoren, die mich belasten, aber derzeit kämpfe ich einfach auf verschiedenen Ebenen.

Einmal die Gesundheit:
nach der OP lag ich flach. Im wahrsten Sinn, denn für die Wundheilung durfte ich eigentlich nichts außer liegen. Das war alles andere als entspannend, es war nach den ersten Wochen einfach nur anstrengend und es wurde immer anstrengender, denn die Muskeln bauten spürbar ab. Der Kreislauf passte sich an und wenn ich jetzt, fast zwei Monate später etwas schneller aufstehe, fährt mein Kreislauf gemütlich runter… Neurodermitis winkte kürzlich auch mal – mitten im Gesicht… und am Wochenende hatte ich ein Kühlpack im Schritt, weil sich irgendwas entzündet hatte. Ich bin gesundheitlich kein Wrack, aber ein Gebrauchtwagen aus den 70ern. Mit dem Heckaufkleber, der sich in den Lack eingebrannt hat.

Einmal die doofe Sache mit der Kohle:
Ich bin seit zu langer Zeit auf Arbeitssuche und entgegen der Darstellung von ALG II im Fernsehen: ich bin dadurch nicht reich geworden. Ich rauche nicht (seit 6 jahren nicht mehr), ich habe kein Talent für übermäßigen Alkoholkonsum (1-2 Gläser alle 2-3 Wochen sind einfach nicht RTL2 tauglich), ich koche lieber selbst, als Fertiggerichte zuzubereiten und meine Kinder haben Spielzeug, Bücher und … aber irgendwie bin bleibt am Ende des Monats kein Geld übrig.

Nun könnte ich mir natürlich einen Job suchen… aber das gestaltet sich schwierig. Ich bin regional gebunden, meine Ausbildung ist ne Weile her usw. … Natürlich könnte ich irgendwo hin gehen, wo ich Arbeit finden kann, aber dann müsste ich die Familie zurück lassen (denn die ist durch Arbeit und Schule hier gebunden) – und meine Familie ist der Grund, warum ich in den letzten Jahren nicht aufgegeben habe.

Dann kommt dazu der Stress mit JobCenter, Krankenkasse (bzw. dem Gericht) und den Kleinigkeiten, die wir alle so als Päckchen auf den Schultern tragen. Da nützt es auch nicht, dass wir im Fernsehen waren, dass ich die berühmteste Mumu auf Twitter habe… Stress ist da und irgendwann ist es zu viel.

Dieses irgendwann war heute vormittag. Ich hab eine Mahnung in der Hand gehalten, die ich gerade nicht bezahlen kann und schwupp lag ich da und nichts ging mehr… Der Mix aus Psyche, Kreislauf und Muskulatur wäre wohl die Ursache, meinte meine Ärztin. Normalerweise würde sie mir zu einer Auszeit raten. Eine Woche Urlaub wäre wohl das beste, besser zwei. Aber Urlaub ist im Regelsatz nicht vorgesehen.

Zu meiner Überraschung bekam ich aber genau heute ein Geschenk: ein Gutschein für das Schwimmbad… Damit ich mir mal Sauna gönne und meine Familie mal im Schwimmbad abschalten kann. Und dann schaue ich mich um: all die Geschenke, die wir in den letzten Jahren bekommen haben… all die Glückwünsche… all der Zuspruch… all die Unterstützung… all die helfenden Hände… alle die zugehört haben und es immer wieder tun. Ich sitze hier und weine, nicht vor Traurigkeit, sondern aus Rührung.

Danke. Ohne Euch alle hätte ich schon lange aufgegeben!

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6 Gedanken zu “An der Belastungsgrenze…

  1. Da stehen mir auch die Tränen in den Augen – das ist wirklich eine sch… Sache mit der Jobsuche. Glaub mir in Österreich ist es auch nicht besser und ich habe auch noch nichts gefunden….
    Ich wünsche dir Kraft um das alles durchzustehen.

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  2. Liebe Nina,deine Worte berühren mich sehr.Besonders nach deiner Aufzählung, Verzweiflung am Anfang,dann die „Wende“ mit all den guten Dingen die dir und euch passieren.Nicht aufgeben am Ball bleiben,das kommt mir auch bekannt vor…. Ganz liebe Grüße aus Berlin,bleib stark!!Antje

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  3. Katia fand übrigens euer Interview sehr nett, du bist wie sie sehr bodenständig!!!Es gibt ja die unterschiedlichsten Transfrauen,Ansichten , Einstellungen….etc….Deine Frau hat mich mit den Fotos genau an mich erinnert!!Das es Zeit gebraucht hat …..Bei uns steht noch ein altes Bild als Antje und Klaus im Schlafzimmer.Katia meint,es gehört ja auch zu ihrem Leben!!!!Das finde ich gut.

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