Monat: Dezember 2017

Über Feminismus, Schweinkram und das Leben

Es ist kalt geworden und dunkel. Ich sitze an meinem Esstisch, mein Kaffee dampft, die Meerschweinchen mampfen genussvoll Salat und ich nehme mir gerade Zeit für mich. Zeit für mich, Zeit für den Blog.

Eigentlich könnte man meinen, ich hätte im mehrwöchigen Krankenstand genug Zeit für mich gehabt, aber erstaunlicherweise ist Heilung echt anstrengend. Erst liegt man wegen der OP herum, dann um die Heilung der Wunden zu unterstützen und im Anschluss hat man kaum Kraft, eine volle Kanne Kaffee zu halten. Muskeln bauen so schnell ab, dass es mir ein wenig Angst machte. Nun darf ich mich endlich wieder etwas mehr bewegen, kann wieder sitzen (ich sollte es aber nich tübertreiben) und mein Alltag wird nicht mehr von Gedanken an meine Genitalien bestimmt.

Ja, ich weiß. „Wie geht es eigentlich der #mumu4nina?“ fragen die einen sehr direkt, die anderen etwas verhaltener: es geht ihr gut. Optisch war ich mit dem Ergebnis von Anfang an zufrieden, inzwischen spüre ich auch wieder einiges (auch, wenn die Nerven noch einige Zeit brauchen werden, um vollständig geheilt zu sein). Nach der OP hatte ich etwas Scheu, mich zu berühren – davon ist nichts geblieben. Es ist meine Mumu und die lernt jetzt auch die schönen Seiten im Leben kennen.

Aber mein Leben ist nicht nur durch meine Genitalien bestimmt. In letzter Zeit beschäftige ich mich wieder deutlich mehr mit Gleichberechtigung und Feminismus. Ja, ich weiß, das Teufelswort. Ich habe übrigens letzte Woche Antje Schrupp getroffen und einen sehr interessanten Vormittag mit ihr verbracht. Ja, ich weiß, die böse böse Antje Schrupp, die so unglaublich transfeindlich ist und die Frau Papa (die ja auch schon mehrfach transfeindlich genannt wurde)… Ach, ihr wisst ja: ist der Ruf erst ruiniert…

Das Café Moccaklatsch in Bielefeld ist in einer Ecke dieser kleinen Stadt, das wirkt Bielefeld wie eine echte Metropole. Das kleine Café liegt nur ein kleines Stück vom großen, neuen Einkaufszentrum entfernt in einer Seitenstraße. Dort trafen zwei sehr unterschiedliche Frauen aufeinander. Wir sprachen viel über Rollenbilder, Gender und Geschlecht, über Biologie und soziale Konstrukte, über Schwangerschaft und Transfeindlichkeit. Entspannt waren wir oft gleicher, oft unterschiedlicher Meinung, hatten verschiedene Zugänge, fanden aber einen Punkt, um die Aussage der anderen zu verstehen. Ich war schon lange nicht mehr so gut nicht der gleichen Meinung mit jemanden, wie in diesem konstruktiven Gespräch. Ich lernte Antje Schrupp als sehr neugierige, offene Frau kennen, die über den Tellerrand hinaus blicken kann und obendrein hat sie Humor.

Neulich bekam ich eine Beschwerde. Ich könne mich nicht glaubhaft für Feminismus und Frauenrechte einsetzen, wenn ich doch in meinem Leben die Unterdrückung der Frau lebe. Ja, so hab ich auch geschaut. Bis ich begriffen hatte: es ging wieder mal um BDSM. Langsam hat es sich offenbar herum gesprochen, dass ich mich in der bösen, dunklen, pervesen Lack- und Lederszene herumtreibe. Ja, ich bin dominant und lebe es. In den letzten Monaten habe ich begonnen, mich vermehrt öffentlich zu diesem Thema zu äußern. Es ist nämlich sehr traurig, wenn ich immer wieder sehen muss, wie unerfahrene Menschen… ach, ich hab nen Beschützerinstinkt und versuche aufzuklären. Auch und vor allem über Sicherheit. Darum werde ich hier im Blog gelegentlich etwas zu dem Thema schreiben und für mich ist freie sexuelle Entfaltung und Selbstbestimmung durchaus ein feministisches Ziel – auch mit Fesseln und Peitschen.

Aber eigentlich wollte ich etwas anderes schreiben und nun ist der Text schon wieder so lang geworden, dass ich überlege im Lauf der Woche darüber zu bloggen: die Familie. Den Herbst hab eich ja kaum mitbekommen und plötzlich ist schon Winter und irgendwie ging alles so furchtbar schnell. Meine beiden kleinen „Babys“ sind so groß geworden und waren in den vergangenen Wochen oftmals eine große Hilfe… Da ich mich schonen musste, habe ich sie mehr in die kleinen Tätigkeiten im Haushalt eingebunden, ihnen Verantwortung übertragen und eigentlich erst da bemerkt, wie weit die beiden schon sind, wie hilfsbereit sie sind und was für unglaublich tolle Kinder ich habe (okay, das wusste ich schon, aber …. ihr wisst, was ich meine)

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