Monat: September 2017

OP update, ganz kurz

Mir geht es gut. Die OP verlief gut, ich habe kaum Schmerzen, bin nur saumüde.

Danke fürs Daumen drücken!

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Unterwegs zur OP

Ich war die letzten Tage still. Ja, still. Aber nicht ruhig. Ehrlich gesagt war ich sehr nervös. Immer wieder ging ich die Vorteile und Risiken der OP für mich durch und ja, ich habe überlegt, sie abzusagen.

Noch nie war ich so lange von meiner Familie getrennt. Noch dazu erwarten mich: Krankenhaus, fremde Menschen, Schmerzen und eine recht unberechenbare Zeit, bis ich zurück komme.

Jetzt sitze ich im Zug. Ich konnte in den letzten Tagen meine Familie intensiv erleben, Nähe spüren und hoffentlich speichern. Unter meinem Sitz steht ein randvoll gepackter Rucksack und vor mir liegen meine Hoffnungen.

Am Bahnsteig habe ich geheult. Ich will nicht von meinen liebsten getrennt sein. Aber in mir herrscht eine unermessliche Neugier. Ich bin da frage mich, wie es wohl sein wird, endlich nicht mehr das falsche Equipment zwischen den Beinen zu haben. Ich frage mich auch banale Dinge, wie: ob es sich beim pinkeln wohl sehr anders anfühlen wird? Wie sich ein Zugang über die Halsvene wohl anfühlt? Wie ich mich rasieren und schminken werde, solange ich nicht aufstehen kann? Ob ich ohne Schlafanzughose kalte Beine bekomme und in der Nacht friere? Wann ich mich zum ersten Mal berühren kann und wie masturbieren dann klappt?

Jetzt sitze ich im Zug. Ich bin müde und habe vergessen, mir Kaffee mitzunehmen. Meine Frau rief eben an, weil vergessen habe, die Versicherungskarten der Kinder aus dem Portmonee zu nehmen. Ich habe also ein wenig nachzudenken und bin abgelenkt.

Ich halte euch auf dem laufenden,

Nina

PS: ja, ich fahre zu Dr. Pottek und ich kenne seinen Ruf. Bevor ihr dazu etwas kommentiert:

  1. Ich mache eine OP ohne Neovagina. Die Risiken und Komplikationen der künstlichen Körperöffnung treffen bei mir nicht zu.
  2. Er führt als einer der wenigen Ärzte diese OP in Deutschland überhaupt durch. Die Kolleg*innen, die mir eine Neovagina einreden wollten (oft auch mit peniler Inversion) haben meine Bedenken und Gründe ignoriert. Das ist keine Basis für eine Behandlung.
  3. Ob ihr es glaubt oder nicht: ich habe mit Patientinnen von Dr. Pottek geschrieben, die zufrieden waren.
  4. Jede Person muss die Arztwahl selbst treffen. Die Entscheidung ist nicht leicht und fällt nicht einfach beim Nachmittagskaffee.
  5. „Ich kenne eine, die hat diese und jene Horrorgeschichte erlebt“… Merkt ihr selbst?
  6. Wenn ihr als selbst betroffenen Patientin von Dr. Pottek über die OP ohne Neovagina mit mir reden wollt: bitte, sehr gerne.

Chaotisch…

Derzeit treibt mich einiges an. Die Tage bis zur OP verfliegen und ich möchte einfach davor einiges erledigen.

Gothseidank haben wir den Garten schon ausgeräumt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich noch so viel zu tun habe und nichts schaffe…

Entsprechend unsortiert sind meine Gedanken. Mein Fokus liegt auf der Familie. Das ist gerade extrem wichtig und tut mir gut.

Sorry, dass ich derzeit nicht mehr schreibe.

Liebe trans…

Ich habe meine Gründe, warum ich Dr. Pottek ausgewählt habe. Ich brauche euren ungefragten Rat nicht. Da ich keine Neovagina will schieden die meisten Ärzte aus (machen nur penile Inversion)…

Es ist lieb, dass ihr euch Gedanken macht. Aber ich habe wirklich viel Zeit und Gedanken mit der Entscheidung verbracht.

Bitte respektiert meine Entscheidung, auch wenn ihr sie nicht versteht.

Manchmal habe ich Angst…

Ich lenke mich ab. Versuche, die Zeit vor der OP gut zu nutzen. Ich beschäftige mich viel mit den Kindern und ich weiß, dass ich einfach versuche, vor der OP so bewusst zu leben, wie ich es nur kann.

Ich habe sowas wie Lampenfieber. Ich habe Angst. Es ist eine große OP… was, wenn etwas schief läuft. Viele Gedanken. Kein Zweifel am Sinn der Operation, aber einfach viele, sehr viele Gedanken.