Ein wenig Urlaub…

Zugegeben, ich lenke mich ein wenig von den Gedanken an die OP ab, indem ich hier etwas schreibe. Wir waren kürzlich im Urlaub. 3 Nächte in Flensburg, Sonne, Sand und Meer – ja, wir hatten echt großes Glück mit dem Wetter. Aber unsere Unterkunft hatte…. reichlich Flair. Ein Hostel ist einfach etwas besonderes.

Als wir ankamen schauten wir uns im Zimmer um. Soweit alles okay, aber: das Bad und die Toiletten sind am Gang. Nun bin ich , was Unterkünfte angeht, nicht sonderlich anspruchsvoll, aber ich tue mir einfach schwer, ungeschminkt und unrasiert durch den Gang zu laufen und dann vielleicht noch vor einer verschlossenen Tür zu warten, bis die Räumlichkeit frei wird.

Hostel… ein wenig wie Camping unter einem Dach. Ich habe daher beschlossen, ein paar Eindrücke zusammenzufassen.

Der Tag war anstrengend, dennoch liegen die Kinder mit ihren Büchern im Bett und lesen. Ich höre ein brummendes Geräusch. Regelmäßig und beständig. Im Zimmer neben uns schnarcht jemand. Ich vermute, es ist der Mann, der mir vorhin nur in Unterhose am Gang entgegen kam, unter dem Arm ein knallrotes Handtuch des Hostels und eine Flasche Duschgel. Er war über meinen Anblick wohl genauso erschrocken, wie ich über seinen (Ich hatte die Zimmertüre recht schnell aufgemacht und plötzlich standen wir uns sehr direkt gegenüber). Ich atme tief durch.

Nach einer Weile sind die Kinder endlich müde geworden und es ist dunkel im Zimmer. Das Schnarchen brummt gleichmäßig durch die Wand, gelegentlich höre ich aus dem Zimmer auf der anderen Seite einen kleinen Hund. Die Familie dort hat zwei kleine Hunde mitgebracht. Ich liege da, starre an die Decke und überlege, wann die Hunde uns morgen wecken werden.

Gerade, als ich einschlafe, fährt draußen ein Rettungswagen vorbei. Das Hostel ist etwa 250 m von der Einsatzleitstelle entfernt. Die Nacht wird immer wieder unterbrochen, irgendwann, gegen 5 Uhr meint meine Blase, sich einmischen zu müssen und ich schleiche durch den Gang – irgendwo im Treppenhaus sprechen zwei Männer laut miteinander.

Morgens wache ich auf. Leichte Müdigkeit steckt in meinen Knochen, während der Rest der Familie die Nacht durch geschlafen hat. Im Aufenthaltsraum gibt es Teller, Tassen und Gläser. Es gibt auch einen Toaster, Wasserkocher und eine Kaffeemaschine. Was es nicht gibt: Besteck und Flaschenöffner. Ich taste mich in eines der Badezimmer, um mich zu rasieren. Schminken kann ich mich im Zimmer einigermaßen. Auf geht’s zum nächstgelegenen Supermarkt. Ein paar Brötchen, Löskaffee, Milch, Plastikbesteck… zurück ins Hostel zum Frühstück.

Die Familie ist etwas angespannt. Zwar konnten alle kurz aufs Klo, aber seitdem waren alle Badezimmer ständig besetzt. Wir Frühstücken und gehen eine Stunde später als wir vor hatten in die Stadt. Ich habe zwar keine Ahnung, wo genau die Busse zum Strand abfahren, biege aber zufällig in der Fußgängerzone richtig ab und wir finden Den Busbahnhof auf Anhieb. Bepackt mit Badetasche und Verpflegung warten wir zu 4. auf den Bus. Meine Frau schüttelt gelegentlich den Kopf – ein Zeichen, dass mich wieder mal jemand mehr als gewöhnlich angestarrt hat. Ja, ich falle auf. Ich versuche den Blicken keine Beachtung zu schenken.

Im Bus sind die Blicke noch deutlicher. Ich atme tief durch und setze mich. Nach 4 Haltestellen meint meine Frau, wir wären im falschen Bus. Ich schmunzle und hoffe, dass sie sich irrt (immerhin tue ich sehr selbstsicher und lasse mir nicht anmerken, dass ich kurz darüber nachdenke, ob sie recht haben könnte). Einige Haltestellen später sind wir beim Strand. Der Tag wird vergehen mit Sonne, Strand, Meer und Spielplätzen.

Abends geht es zurück ins Hostel. Chips, Erdnussflips, Limo und Wein… Mal sehen, was im TV läuft. WLAN ist  zwar vorhanden, aber zu viele Leute nutzen den Zugang und so ist die Bandbreite reine Glückssache. Manchmal gehen nicht einmal Twitter oder WhatsApp. Der Fernseher im Aufenthaltsraum ist doppelt so groß, wie unserer. Wir zappen durch die Kanäle, jeder Sender brummt, aber immerhin finden wir etwas, das alle schauen wollen und das uns vom Boden im Aufenthaltsraum ablenkt.

Beim Fußboden im Hostel muss ich an Mark Benecke denken. So viele Flecken, Spritzer und Spuren… ich möchte diesen Boden nicht berühren. Gothseidank fällt kein Essen auf den Fußboden und wir machen keinen neuen Flecken… Im Hintergrund die Rettung und im Gang winkt der Herr mit seinem Handtuch. Der Abend klingt aus…

Urlaub ist etwas tolles. Man kann entspannen und Energie tanken und… nach mehreren Stunden Heimreise kommt man zuhause an und denkt sich: „Verdammt, haben wir es schön hier!“

 

PS: Es geht NICHT um normales Glotzen, Gaffen, Anstarren… das, was man als normale Reaktion betrachten könnte, nehmen wir nur noch am Rande wahr. Himmel, ich weiß, dass ich Blicke auf mich ziehe… Davon rede ich nicht.

Es geht um extrem auffälliges Starren mit offenem Mund. Um die Art von Glotzen, das normalerweise Zirkuselefanten bekommen, wenn sie durch einen Supermarkt geführt werden.

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3 Gedanken zu “Ein wenig Urlaub…

  1. Hallo Nina,
    das mit dem Starren passiert mir hin und wieder auch. Ich gehe allerdings auch nur gut rasiert ohne Makeup.
    Mir sind die Starrer schlicht egal deshalb fallen sie mir wahrscheinlich nur selten auf.
    😉
    Für deine OP alles Gute. Ich habe bisher nicht den Mut.

    Gefällt 2 Personen

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