Über Sex, Vorlieben und überhaupt…

In wenigen Wochen habe ich meine Operation und vielleicht liegt es daran, dass ich seit dem Antrag bei der Krankenkasse und noch mehr, seit ich den genauen Termin weiß, viel über Sex nachdenke. Nun ja, immerhin wird, wenn alles gut läuft meine OP dazu führen, dass ich nie wieder über meinen Penis nachdenken muss.

Aber derzeit denke ich echt verdammt viel an Sex, irgendwie begegnet mir überall Sex, Lust, Erotik und auch BDSM. Ich werde oft gefragt, ob ich Angst vor der OP hätte und meistens sage ich nein, aber manchmal habe ich durchaus Angst, immerhin wird im Intimbereich eine Großbaustelle eröffnet und geschnippelt und genäht und hinterher hab ich hoffentlich meine ganz persönliche Vulva – mit einer funktionsfähigen Klitoris und ansehnlichen Schamlippen… Ich denke oft darüber nach, ob ich nach der OP wohl noch Orgasmen haben kann…

Über Sex zu sprechen ist aber bis heute eigentlich eher tabu. Ja, in einer kleinen Runde beim Mädelsabend erzählt man sich schon mal intime Details, aber wenn man Kinder hat, dann sollte man das Thema doch dezent und im Schlafzimmer behadeln, aber drüber reden: nein.

Woher kommt diese Haltung? Eigentlich, wenn man genau hinsieht, wird gewissen Menschen sogar das Recht auf gelebte Sexualität irgendwie abgesprochen… ich denke da besonders an trans, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und andere, die von der Norm des „jung, schön und fortpflanzingsfähig“ abweichen. Irgendwie tut der Großteil der Gesellschaft so, als wäre Sex tatsächlich nur zur Fortpflanzung da.

Ich gebe zu: Ich hab Sex, weil’s gut tut und Spaß macht – Fortpflanzung hab ich schon durch.

Und ich gebe zu: Sex mit mir/für mich ist kompliziert… das, was früher mal ein Penis war, ist jetzt kleiner, weicher und anders zu bedienen, als früher. Ich weiß inzwischen, wie ich damit umgehen muss, aber in ein paar Wochen sieht das alles ganz anders aus.

Genug davon… Vergangenes Wochenende war ich zu einer Diskussion eingeladen: Falbalus von Training der O und der Joyclub haben mich zum #kaminabendBDSM eingeladen. Mit anderen Teilnehmern (u.a. dem fantastischen Dr. Mark Benecke) sprach ich über verschiedene Aspekte rund um BDSM. Mein Anliegen dabei war, ein wenig über meine Erfahrungen als trans Frau in „der Szene“ zu sprechen. Die Diskussion wird demnächst als Podcast beim Joyclub veröffentlicht.

Hinterher ging es zu einem gemütlichen Essen… Ein echt gelungener Abend, der mir in Erinnerung bleiben wird.

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Foto: Mark Benecke / https://fb.com/markbenecke

Danke nochmal für die Einladung lieber Falbalus und Joyclub

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10 Gedanken zu “Über Sex, Vorlieben und überhaupt…

      1. Kann ich voll und ganz verstehen, würde an deiner Stelle wahrscheinlich auch ziemlich nachdenklich sein. Ich finde es aber toll dass du so offen damit umgehst. Ich wünsche dir alles Gute

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  1. Was, Du auch?? (typische Frage von Bekannten, die im Club beim „spielen“ getroffen werden…) Ich könnte Dir ja gerne meinen Namen beim Joy-Club sagen, aber nicht hier. Auf euere Gesprächsrunde bin ich gespannt, gratuliere übrigens schon mal ganz herzlich dazu, dass Du da eingeladen wurdest! Im Moment bin ich „organisch“ in der gleichen Situation wie Du, da hätte ich auch viele Fragen, aber hier trau ich mich das nicht. Glg, Ella

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  2. Hallo Nina,
    ich bin hängengeblieben bei Deinem Satz: „Ich hab Sex, weil’s gut tut und Spaß macht.“
    Ich habe einen vergleichbaren Satz erstmals von einer Therapeutin (mit ähnlicher Selbstverständlichkeit, wie es sich bei Dir liest) gehört in diesem Jahr. „Gut tut“ – echt? Haben „normale“ / „gesunde“ / „Einsmenschen“ DESWEGEN Sex? (… und wenn ja: welches der 3 Wörter ist das Verbindende der Gruppe der Menschen, die Sex hat, weil’s gut tut?)
    Ich habe Sex aus völlig anderen Gründen
    – weil sich „ein Ich“ nicht mehr länger beherrschen kann, ist der häufigste.
    – aus Pflichtgefühl auch manchmal, eher selten heute, früher öfters.
    – weil der Körper sämtliches Denken ausschaltet, um im Alleingang (fühlt sich an, als wäre gar kein einziges „Ich“ mehr anwesend) irgendeinen Hunger zu stillen, den „ich“ nicht nachvollziehen kann.
    – einige Male im Jahr habe ich Sex aus einem Gefühl der Verbundenheit mit einem Menschen – das ist besonders und wunderschön, aber „tut das gut“? Ich bin nicht sicher… Es tut emotional sehr gut, aber tut es körperlich gut? Keine Ahnung?
    Liegt das an meinem sehr starken „dieser Körper gehört mir nicht“-Gefühl, dass das so ist, wie es ist? Hat sich das bei Dir verändert mit den OPs?
    lg s.

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    1. Hallo S.

      Die negativen „Gründe“ kenne ich auch noch. Es war in der Zeit des funktionierens wirklich so, dass das, was du verbundenheit nennst, mein Hauptgrund für sex war.

      In den letzten Jahren änderte sich folgendes (ab dem Punkt, als meine Frau wusste, dass ich kein Mann bin):
      – ich musste nicht mehr funktionieren (vor allem der Druck, eine Erektion zu haben fiel weg)
      – wir versuchten neue Wege zu finden, um unser beider Lust zu erleben
      – durch den viel geringeren Druck von außen, lehnte ich mich weniger aggressiv ab
      – ich lernte, dass ich angenommen wurde als das Wesen, das ich wirklich bin, selbst wenn der Körper diese falschen Organe hat. Das half mir, mich weniger abzulehnen

      Die OP bewirkte hauptsächlich eines: der größte Fehler wurde in die richtige Richtung korrigiert. Mein Körper hat noch einige Fehler, aber ich kann mich endlich nackt als mich empfinden

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      1. Hallo N, danke für Deine Schilderung! Ich mag es sehr, wie Du Dich ausdrückst: „… wusste, dass ich kein Mann bin.“ – das würde ich mir für mein inneres Erleben auch mehr wünschen, dass ich Dinge so nennen kann, wie ich sie wahrnehmen und weniger so, wie die für alle sichtbaren Fakten es darlegen – OHNE mich dabei geisteskrank zu fühlen (was ich nicht bin – ich bin psychisch schwer verletzt worden, aber nicht geisteskrank). Danke für diesen Anstoß für 2018…
        Darf ich noch was nachfragen?
        1) Woher kam der Druck von außen? Von Deiner Frau oder anderswo?
        2) Wie habt Ihr das gemacht – neue WEge finden? Und was war Eure Motivation?
        Ich überlege gerade, ob ich das kann und in welcher Form… Derzeit bin ich leider einen Großteil meines Tages in einem recht unerwachsenen Modus unterwegs – ich weiß gar nicht, wie sinnvoll es da ist, diesem Erleben Sex hinzuzufügen (Kinder sollten keinen Sex haben und schon gar keinen haben müssen…).
        lg s.

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        1. Um deine Fragen zu beantworten:

          Der Druck kam von jedem Menschen, dem ich meinen Körper zeigte. Er zwang mich dazu, in einer Art zu funktionieren, die nicht dem entspricht, was ich selbst als richtig empfand.

          Neue Wege fanden wir durch Ehrlichkeit zueinander. Wir erlaubten uns Nein zu sagen, wenn etwas nicht gänzlich gut tat. Und zu sagen, was wir wollen. Wir experimentierten viel. Die Motivation war, dass wir zusammen bleiben wollten und es bis heute auch sind.

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