Frühstück, Kaffee, Hitze und mimimi…

Es ist kurz vor 10 und ich sitze beim Frühstück. Das ist die schönste Seite der Ferien. Meine Jungs essen jeder die 3. Schüssel Cornflakes (der Sammelbegriff für jede Art Cerealien) während ich meinen Kaffee nachgieße und e-Mails beantworte.

Die Nacht war wieder ein wenig zu warm… was ich am besten damit beschreiben kann, dass ich nach dem Aufstehen am liebsten ins Wasser möchte. Schwimmbad wäre fein, aber leider spielt meine Haut durch die Hitze noch weniger mit, wenn es darum geht, mich zu rasieren. Im Gesicht geht es einigermaßen, aber mein Brustbart läßt sich derzeit nur unter Stoff verstecken. Genau das, was ich an einem heißen Tag brauche: hochgeschlossene Klamotten.

Nicht, dass ich keine sommerliche Kleidung hätte, die etwas luftiger wäre, aber die zeigt mehr meiner sekundären Geschlechtserkmale und das belastet mich. Und da ich Hitze besser aushalte als die psychische Belastung, wenn mir die Leute mit offenem Mund in den Ausschnitt starren (und ja, das passiert wirklich) – ziehe ich eben Shirts ohne weiten Ausschnitt und mit 3/4 Ärmel an…

Neulich habe ich davon geträumt, dass ich den Oberkörper haarfrei hatte… als ich aufwachte und meine Haare spürte war die Aggression gegen mich wieder da, diese Wut gegen den eigenen Körper, diese … Dysphorie. Aber für die medizinischen Experten beim MDK und den Krankenkassen ist das irrelevant.

So sitze ich da, trinke meinen Kaffee und bin froh, dass meine Jungs da sind und mir Geschichten von Lego und den Pinguinen aus Madagascar erzählen und mich so von den depressiven Gedanken ablenken.

Ich will nicht jeden Tag über meinen Körper jammern, nichtmal jeden Tag darüber nachdenken. Es gäbe eine Behandlung, die wahrscheinlich die meisten Psychopharmaka, die ich einnehme, unnötig machen würde, weil sie die Ursache meiner psychischen Belastung beseitigen würde, aber die Bürokratie der Krankenkasse bezahlt lieber Therapien, Klinikaufenthalte und jede Menge Medikamente, statt einer Laserbehandlung… ein krankes System.

Von wegen Wirtschaftlichkeit. „So dürfen wir aber nicht rechnen“, sagte mir so mancher Sachbearbeiter der Krankenkasse. Vielleicht sollten sie aber genau so rechnen: denn ich bin am Limit und die Wartezeit auf die Bearbeitung des Antrags macht es nicht leichter… ich bin am Limit und fühle mich manchmal so, als wäre ich schon mitten drin in einem Zusammenbruch… naja, ich werde, wenn ich in einer Klinik lande, die Kostenaufstellung des Krankenhauses anfordern und der Krankenkasse unter die Nase halten. Kosten, die man sich sparen hätte können… 

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16 Gedanken zu “Frühstück, Kaffee, Hitze und mimimi…

  1. Bin nicht soo informiert….bekommst Du Hormone ?
    Oh mann….wenn die wüssten was sie mit der Psyche anstellen und wie leer so ein psychstress machen kann. So traurig und unnötig diese quälerei …..

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    1. … generell steht die ANtwort auf deine Frage mehrfach im Blog… ja, seit Oktober 2015

      Die Belastung durch die Bürokratie und Sturheit setzt mir inzwischen sehr zu und ich hoffe inständig, dass ich nicht darunter zusammen breche… es wäre aber wirklich vermeidbar.

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  2. Bin nicht soo informiert….bekommst Du Hormone ?
    Oh mann….wenn die wüssten was sie mit der Psyche anstellen und wie leer so ein psychstress machen kann. So traurig und unnötig diese quälerei …..
    Was ist mit Enthaarungscreme?
    Was kostet so eine Laserbehandlung?

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  3. Liebe Nina,
    das „mimimi“ in der Überschrift klingt so harmlos – so ganz im krassen Kontrast dazu, womit Du wirklich belastet bist. Nun lese ich ja schon einige Zeit bei Dir mit. Ich hatte vorher keine Ahnung von dem Ausmaß, den so eine Geschlechtsangleichung mit sich bringt. Dass das System krank ist, das wusste ich – aber dass es in manchen Teilen so heftig ist wie hier, das macht mich tagtäglich fassungslos. Ich weiß gar nicht, wie Du das meisterst und habe den größten, allergrößten Respekt vor Dir! Was bist Du nur für eine starke Frau! CHAPEAU!

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  4. Sorry, das ich mich noch nicht ganz durchgewurschtelt habe. Hatte nur gerade mit meinem Lebensgefährten ( Transmann) zusammengesessen und er hat die Fragen reingeblökt.
    Er fühlt mit Dir und erinnert sich gut an diese Scheisse.
    Einen ganz lieben Gruss von Ihm

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    1. Tut mir leid, dass ich so pampig geantwortet habe. Ich bin derzeit nicht in meiner normalen Verfassung… Ich habe die Enthaarung beantragt, weil andere Möglichkeiten sich nicht mit meiner Haut vertragen und die Hormone den Haarwuchs nur minimal verändert haben… Liebe Grüße zurück

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  5. Liebe Nina,
    ich fühle mit Dir, denn ich weiß, wie sich Neurodermitis anfühlt im Sommer bei Hitze (bin selbst betroffen, allerdings nach einer Ernährungsumstellung fast symptomfrei), wenn man schwitzt und dann noch unter der hochgeschlossenen Kleidung mit der entzündeten Haut………. und der psychische Stress noch dazu…… Ich drücke Dir die Daumen, dass Du die Laserbehandlung bekommst.
    Herzliche Grüße, Claire

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      1. Also ich bin ganz ehrlich, ich weiß nicht, wie ich es alleinerziehend geschafft hätte, wenn die Krankheit so schlimm gewesen wäre, wie ich sie teilweise Jahre hatte. Diese ständigen Entzündungen auf der Haut, dass kostet schon extrem viel Kraft und das sieht aber leider keiner, dass dieser ständige quälende Juckreiz und das nach aussen hin „nicht schön aussehen“ ganz viel Energie frist. Alle denken immer, es ist „nur ein bisschen“ Ausschlag…… Ich wünsch Dir ganz sehr, dass es Lösungen gibt……………..

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        1. Es ist auch schwer zu vermitteln, dass die Haut oft, auch ohne akute Entzündung, einfach schmerzt, spannt, juckt, gereizt ist… Ich habe seit einiger Zeit eine relative Ruhe, aber ich weiß, dass rasieren & Co einfach ne Belastung für die Haut darstellt und ich dadurch jederzeit nen neuen Ausbruch riskiere.

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  6. Wow, das liest sich echt hart.. da bin ich gleich nochmal happy, dass sich mein Körper „damals“ schon, als ich mich eigentlich noch über männliche Behaarung zwecks besserem Versteckspiels gefreut hätte, einfach mal „nö!“ gesagt hat und mehr als ein wenig Flaum im Gesicht strickt verweigerte. Kommt mir heute gelegen, so bin ich nach nur 4 Laserbehandlungen schon fast bartlos. Und ich hoffe Dir damit ein wenig Mut schenken zu können: wenn die Laserbehandlung denn bewilligt wird, scheint sie auch für „mimimi“-Hauttypen sehr gut verträglich zu sein. Meine Haut reagiert gerne auf alles fremde wie Gollum auf Elbenseile („gnaaahh, nehmt es ab von mir!“) – hier allerdings alles super. Einzig etwas Sonnenschutz drauf und damit war es gut. Drücke alle meine 10 Daumen, dass es von Deiner Haut ebenso gut vertragen wird.
    Der Kampf mit den Krankenkassen.. ich habe damals den Tipp bekommen, die Laserbehandlung von einer Hautarztpraxis durchführen zu lassen. Da meine Ärztin hier die Notwendigkeit erkannt und bescheinigt hat, verläuft das ohne Probleme bei meiner Kasse, sie wollen lediglich die Indikation vom Psychologen und nun, sobald abgeschlossen, den Nachweis über die Personenstandsänderung, praktisch damit sie was handfestes vorliegen haben und ich nicht etwa aus Langeweile mir die Beine Lasern und das dann abrechnen lasse. Der Knackpunkt ist eben, dass es von ärztlicher Seite kommt, nicht etwa von einem Haar(entfernungs)studio. Das soll wohl vieles einfacher machen.

    Ansonsten bleibt mir an dieser Stelle nicht viel mehr, als Dir auf deinem weiteren Wege alles Gute zu wünschen, Nerven aus Stahl und Durchhaltevermögen. Bin vorhin erst auf Deinen Blog gestoßen, auch weil ich demnächst meinen eigenen mal aufhübschen und pflegen möchte.. Ich denke, es ist einfach in zweierlei Hinsicht wichtig. Einmal macht es einem selbst leichter, diesen Weg zu gehen und das täglich Erlebte zu verarbeiten, auch wenn es positive Dinge sind.. und, viel wichtiger noch: Menschen, die selber noch in einer frühen Phase oder gar vor ihrer Transition stehen, sind so ungemein dankbar über jede noch so winzige Info und Erfahrungen zum Thema. Gerade weil das Netz für viele oft der einzige Weg ist, sich überhaupt damit auseinander zu setzen. Finde mal eine Selbsthilfegruppe, wenn du auf dem Land wohnst, wo sich noch Fuchs und Hase gute Nacht sagen und jede(r) jede(n) kennt. Ich habe letztes Jahr bis zu meinem Outing selbst alles aufgesogen wie ein Schwamm, was sich zum Thema Trans* im Netz finden ließ.. und allzu oft ist das auch noch negativ besetzt, was unnötig Blockaden und Ängste schafft. Aber… soviel wollte ich nun gar nicht tippen.. einfach noch ein „danke“ für die wirklich schön geschriebenen Texte, und dann noch ein „tschööö“ hinterher 🙂

    Sophia

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    1. Hallo Sophia, das höre ich nun zum ersten mal; das die KK die Laserbehandlung auch übernimmt. Weil sie angeblich nicht sicher nachhaltig sei und nach Jahren die Haare wieder kämen. Wie hast Du das denn geschafft? Immerhin habe ich nun nach mehreren Anläufen mit einem Indikationsschreiben vom Hautarzt eine Kostengutsprache für die Nadelepilation im Gesicht erwirkt. (75 Stunden- 600 mal Auh!) Die dunklen Haare sind schon auf eigene Kosten weggeläsert. Den Rest (Körper) habe ich ein Mal geläsert, das entfernt immerhin die Hälfte – mit dem Rest wird der Kaufhaus Epilierer fertig und ich beisse die Zähne zusammen. Es tröstet mich ja ungemein, dass andere Frauen das auch müssen. Deswegen finde ich auch hauptsächlich die Barthaare schlimmer. Liebe Grüsse, Ella

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      1. Hallo Ella,
        hm, wie hab ich das geschafft… habe meine Krankenkasse damals angerufen, um erst einmal die Situation überhaupt zu klären (Hallo, bin trans*, was braucht ihr von mir und ich von euch?), wurde an die extra dafür zuständige Sachbearbeiterin verbunden und habe das Thema wohl auch angesprochen, mit der Info, dass ich darüber bereits mit meiner Hautärztin gesprochen und sie diese Behandung empfohlen habe. Ob das der ausschlaggebende Punkt war? Muss dazu sagen: bin nach Bundeswehrzeit und durch meine Selbstständigkeit privat Krankenversichert (Versicherungskammer Bayern) – möglich, dass die wiederum etwas kulanter sind als die ein oder andere gesetzliche? Was sie auf jeden Fall von mir wollten, war die Indikation vom Psychologen und (nachgereicht) einen Beleg, dass ich die Vornamens- und Personenstandsänderung durchführe bzw. dann abgeschlossen habe.

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