Ich, die Rampensau…

Am Dienstag nachmittag saß ich mit zwei Freundinnen in einem Café in Berlin (mit herrlich eiskaltem Café latte) und war gemütlich am Plaudern, als eine junge Mutter mit Kind zu uns kam und sagte: „Warst du nicht eben im Frühstücksfernsehen?“ – Ja, war ich. Und ja, ich fühlte mich echt geschmeichelt.

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Ich bin ne Rampensau. Das war ich nicht immer, in der Kindheit war ich eher schüchtern und hatte schon Schwierigkeiten, mal ein Gedicht bei einer Hochzeitsfeier vorzutragen. Aber irgendwie lernte ich das. Dieses: Im Rampenlicht stehen und auch vor Kameras nicht aufgeregt zu sein. Ich weiß, wie ich klinge, wie ich aussehe, was ich sagen will… ich habe eigentlich kein Lampenfieber. Eigentlich.

Gestern hatte ich Lampenfieber. Ich habe mit der Krankenkasse und dem MDK telefoniert. Das vorläufige Gutachten des MDK zeigt mir, dass eines in der Bearbeitung der Anträge von trans* fehlt: klare, bundesweit einheitliche Richtlinien, die klar kommuniziert werden. Zu viel ist abhängig von diesem oder jenen Bundesland, dieser*m oder jener*m Gutachter*in, dieser oder jener Krankenkasse.

Und zu oft höre ich „das ist anderen ‚biologischen‘ Frauen“ auch zumutbar, daher ist es auch trans Frauen zumutbar… Gerade wenn es um die Behaarung des Körpers geht. Und da muss ich mal was sagen: JEDE Frau, die unter ihrer Behaarung leidet, sollte eine Chance auf Hilfe durch die Kasse haben. Wenn Behaarung eine psychische Belastung darstellt, ist die Behandlung eine Notwendigkeit, keine kosmetische Maßnahme. JEDE Frau sollte eine Möglichkeit haben – und mir fällt auch auf, dass die aktuellen Regelungen wirtschaftlich schwache Menschen härter trifft, als Menschen, die finanziell gut abgesichert sind – das ist 2-Klassen Medizin.

Ich, die Rampensau, will, dass sich das ändert. Ich möchte mehr Transparenz und Fairness. Für alle Betroffenen – nicht nur für trans. Ich weiß, es ist ungewöhnlich, dass ne trans* ihre Fäuste ballt und auch für cis auf den Tisch haut. Aber  so bin ich nun mal. Ich bin nicht leise.

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7 Gedanken zu “Ich, die Rampensau…

  1. Hallo Nina,
    Es gibt ein Krankheitsbild, dass hier genau passt: „Hirsuitismus“. Ein Hautarzt kann das diagnostizieren. Die Krankenkasse muss dann m.E. auch eine Behandlung zahlen, zumal, wenn es noch eine psychische Indikation gibt. Gemein ist, dass da manche Krankenkassen anscheinend damit rechnen, das sich niemand gerichtlich wehrt. Dabei sind das m.W. Prozesse, die über Sozialgerichte laufen und damit (wenn ich richtig informiert bin) kosten frei für den Kläger (aber bitte frag im Zweifelfall noch mal nach. Ansonsten müsste man Prozesskostenhilfe bekommen).
    LG
    Doro

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  2. Ich habe mal in einem Beitrag über Hoden- und Brustkrebs gelesen, dass die Hodenomplantate selbstverständlich von der Krankenkasse übernommen wurden, da man dem Mann ja die psychische Belastung nicht vollständig zu sein nicht zumuten könne. Frauen werden aber keine Brustimplantate übernommen, die bekommen ein Kissen zum in den BH stopfen. Leider habe ich keinen Link, aber da auch meine Schwiegermutter betroffen war ist es mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Das mach mich noch immer wütend.

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