Unruhe…

Heute morgen fluchte ich vor dem Spiegel. Meine Haut macht nicht, was ich will und ich will nicht, was meine Haare machen. Sie wachsen und zwar an Stellen, die ich nicht als feminin betrachten kann, wenn sie behaart sind. Auf meiner Brust sprießt Brustbart und die Haut ist von der letzten Rasur noch immer so gerötet, dass sie schmerzt. Ja, ich heulte. War natürlich der perfekt Zeitpunkt, denn eigentlich wollte ich mich schminken, aber selbst wasserfeste Schminke lässt sich nicht auf nasse Augen auftragen.

Ich saß also zehn Minuten lang mit verheulten Augen am Badezimmerboden und versuchte mich zu beruhigen. Dummerweise ist genau das so schwer zu vermitteln, die Last, der Leidensdruck, der Punkt, an dem ich niedergeschlagen und zusammen gekauert in der Ecke sitze. Es ist insofern schwer, weil ich nach außen nicht zeigen will, dass es mich so trifft, weil ich nicht auf der Straße heulen kann und in dem Zustand auch keine Sachbearbeiter*in der Krankenkasse und keine Psycholog*in neben mir stehen habe.

Unruhig gehe ich in den Tag. Ich spüre meine Haut viel zu sehr, um sie auszublenden, spüre die Borsten im BH und denke mir: Himmel, wieso kann ich nicht einfach mit meinem Körper in Einklang sein?

Durchatmen, aufstehen, Krönchen richten und ein Lächeln auf die Lippen legen.

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