Monat: Mai 2017

Krankenhaus… 

Gestern hatte meine Frau Bauchschmerzen und im Endeffekt war sie statt beim Abendessen zu sitzen, im Krankenhaus und ist jetzt nicht mehr im Besitz ihres Blinddarms. Sehr zügig landete Sie unter dem Messer…

Heute morgen habe ich sie besucht. Für das Personal bin ich „der Besuch“… Alles, was vom Männlein-Weiblein Schema abweicht, passt nicht mehr in die Sprache. Es half auch nicht, dass ich meine Frau „meine Frau“ nannte… Ich blieb „der Besuch“.

Meiner Frau geht es einigermaßen gut… Sie ist müde, sieht aber deutlich besser aus als gestern.

Der Besuch hat ihr ein neues Buch gekauft und ist mal kurz zuhause. Denn der Besuch hat in der letzten Nacht nicht wirklich geschlafen (verdammt leer das Bett) und versucht ein wenig Haushalt hinzubekommen… Und eine halbe Stunde Schlaf gönne ich mir auch… 

Einkaufen… 

Heute war es sonnig und wir haben den Nachmittag im Garten verbracht. Irgendwann ging ich runter, zum kleinen Supermarkt ein paar Ecken weiter. An jeder Hand ein Kind und im Gedanken einfach bei den paar Kleinigkeiten, die wir zum Essen im Garten brauchen würden.

Im Garten trage ich kein Haarteil. Ich trage nen Hut, ein altes Hemd und eine bequeme Hose… Im Garten hab ich Freizeit und da ist das Makeup einfach auch mal verschmiert. Im Garten brauche ich kein Ballkleid…

Jedenfalls gehen wir zum Supermarkt und meine Kinder wollen Äpfel. Während sie sich die schönsten Äpfel aussuchen und mir beschreiben, warum sie genau diesen wählen, bin ich ein wenig abgetriftet. Zwei Frauen tuscheln und lassen mich deutlich spüren, dass ich ihr Thema bin. Ihre Blicke sind stechend und abwertend.

Ich atme durch und gehe mit meinem Kindern weiter. Aber die Blicke werde ich nicht los. Die Frauen haben ihr Gespräch beendet und eine der beiden geht ein paar Schritte hinter mir durch den Laden. Langsam fühle ich mich unwohl.

Meine Kinder lenken mich ab und irgendwann stehe ich an der Kasse. Die Dame noch immer hinter mir.

Wir packe die Einkäufe ein und bringen unseren Einkaufswagen zurück. Im Vorbeigehen zischt die Frau „Transe“ ich lächle sie an und sage „Guten Tag.“ ihr Blick ist kalt. An meiner Hand wird gezogen, ich muss gehen.

Am Rückweg erzählt mir der kleinste, dass ihm langweilig ist, während er einen kleinen Stein mit den Füßen immer wieder ein Stückchen weiter kickt. „Mir auch,“ erwidere ich. Mir auch. 

Vatertag. Der Tag, den ich nicht verstehe… 

Einmal ausschlafen. Zumindest war das der Plan. Aber irgendwie hatte ne Bande junger Trunkenbolde früh morgens  Sauflieder unter meinem Fenster angestimmt und meine letzte Möglichkeit auf Schlaf genommen.

Ich finde den Vatertag furchtbar. Nein, ich finde die Art und Weise, wie Männer hierzulande Vatertag feiern furchtbar. Statt gemütlich den Tag mit Familie zu verbringen und dort zu feiern wird gesoffen. Verzeihung, das verstehe ich nicht.

Der Vatertag ist für mich immer ein Sinnbild dafür, dass ich die männliche Welt nicht verstehe. Ich habe noch nie Vatertag „gefeiert“ und werde es nicht. Ich beobachte, wie sich Väter und andere Männchen öffentlich um den Verstand saufen und schüttle den Kopf. 

Stattdessen blieb ich zuhause… Mit den Kindern spielen, Zeit mit den Menschen verbringen, für die ich Frau und Papa bin. Und Musik hören. Laut. Damit ich das Gegröhle vom Bahnsteig nicht ertragen muss… Am besten Rock und Metal.

Und nun liege ich in der Wanne. Stille. Theoretisch. Im Badezimmer ohne Fenster höre ich die Betrunkenen etwas gedämpfter. Etwas leiser. Aber immer noch deutlich genug, um zu sagen: Ich verstehe diese Männer nicht. 

Ich tauche ab. 

Zwischen Licht und Schatten… 

Es könnte daran liegen, dass mir klar wird, dass mein Antrag, endlich abgegeben ist. In den letzten Jahren habe ich Informationen eingeholt, Ärzte besucht, Indikationen und Arztbriefe gesammelt und nun ist der Stein im rollen.

Gestern ich ungewöhnlich entspannt. Nichtmal die Erkältung konnte mir die Laune verderben… Ich ging mit einer Freundin Kaffee trinken – etwas, das ich mir selten gönne. Einige sehr interessante Anfragen von Pressevertretern erreichten mich und ich fand sogar Zeit, die Sonne zu genießen.

Während mich in den letzten Wochen oft Zweifel und Ängste fest hielten, war ich gestern…. Einfach mal gut drauf.

Dazu beigetragen hat auch der offene Brief an die Krankenkassen… Ich bin erstaunt, wie viele Menschen den Brief teilen und somit zeigen, dass wir trans Menschen mit unseren Anliegen nicht alleine da stehen. Ich hätte niemals mit so viel Unterstützung gerechnet. Danke, danke, danke!

Im Rampenlicht…

Gleich dreimal (3!!!) bin ich heute im Netz auf mich gestoßen (worden)

Erstmal erschien bei Frau Mutter ein tolles Interview (danke nochmal!)

Dann erreichte mich die Nachricht: „Du bist mit deiner Familie in der Hamburger Morgenpost“ (und auch im Berliner Kurier)

Und zu guter letzt wurde etwas geposted, das ich besonders erwähnenswert finde: ein offener Brief an die Krankenkassen (allen voran an meine), mit dem Aufruf, die Beantragung und Genehmigung von Behandlungen für trans Menschen zu vereinfachen. Dieser offene Brief ist ein mutiges Zeichen, das mir gerade sehr viel Kraft gibt, die ich im Kampf gegen Windmühlen in letzter Zeit verbraucht habe.

Auf jeden Fall hatte ich heute schon diverse Telefonate mit Pressestellen und freue mich sehr, dass ich als Person und mein Aktivismus als Thema ein wenig Aufmerksamkeit bekommen. (Die Person feiert das ganze mit einer Tasse Pfefferminz-Salbei-Tee und geht hustend ab)

Nun läuft die Uhr…

Heute Vormittag, kurz nach 9 habe ich den Antrag für geschlechtsangleichende OP und Haarentfernung bei der Barmer abgegeben. Auch, wenn mir mir im Vorfeld immer wieder gesagt wurde, dass die Haarentfernung am Oberkörper sowieso nicht genehmigt würde… ich habe mal alles eingereicht… Nun hat die Krankenkasse maximal 5 Wochen für Prüfung und Entscheidung.

Während ich jetzt mal nur abwarten kann und wegen Erkältung Tee statt Kaffee trinke, überrollen mich die Nachrichten,… ich bin heute irgendwie überall präsent…

… ein offener Brief an die Krankenkassen, der Menschen wie mir helfen soll, ist heute veröffentlicht worden, Frau Mutter hat mich interviewt und in Hamburg und Berlin bin ich mit meiner Familie in der Zeitung. Aber erstmal lege ich mich hin und versuche, die Erkältung ein wenig zu besiegen (solange die Kids noch in der Schule sind und ich Ruhe habe)

Bis später,

Nina