Ausgepowert und irgendwie frustriert… 

Im Moment bin ich alles andere als pflegeleicht. Mürrisch, motzig, zickig und im Grunde tief unzufrieden, bestreite ich meinen Tag. Obwohl ich gestern vom Therapeuten endlich die schriftliche Bestätigung meines Leidensdrucks bekommen habe, bin ich unzufrieden.

Was nützt mir die beste Bestätigung des Leidensdrucks, wenn ich keinen Operateur finde? Was nützt mir die Chance darauf, meinen Bart endlich los zu werden, wenn es keine Kosmetikstudios in meiner Reichweite gibt? Meine Hormonwerte sind nicht optimal, meine Arztsuche erfolglos, mein Heuschnupfen  ist kräftezehrend und dazu kommt noch der ganz normale Alltag – kaum Geld, aber hungrige Kinder. Ich bin, wenn man es genauer betrachtet, urlaubsreif.

Ich hätte gerne Urlaub. Urlaub von der eigenen Existenz. Ein paar Tage durchatmen. Ohne Körper, ohne Allergie, ohne Befindlichkeiten.

Wieder einmal stelle ich eine Liste zusammen, mit Telefonnummern und Adressen, mit Fragen und Gedanken. Wieder einmal versuche ich, mich zu motivieren, Kräfte zu sammeln. Wieder einmal erdrücken mich die vielen kleinen Belastungen in ihrer Summe und wieder einmal, weine ich.

Wie schön wäre es, einmal unbeschwert zu sein? Ohne die Last des Alltags auf den Schultern. Ich liege auf dem Bett, auf das ich mich hab sinken lassen und versuche tief zu atmen. Meine Nase pfeift und über meine Wange kullert eine dicke Träne. Nein, meine Probleme gehen nicht durch eine Umarmung weg. Eine Lösung ist nicht mal ansatzweise in Sicht. Aber ich habe nie gelernt, aufzugeben, hab nicht gelernt, ein Handtuch zu werfen. So liege ich hier, ausgepowert und frustriert und sammle meine Kraft, um die nächste Hürde zu nehmen. Und dann die nächste und wieder eine und noch eine, bis zum endgültigen Schlusspfiff. 

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12 Gedanken zu “Ausgepowert und irgendwie frustriert… 

      1. hab’s jetzt bei Dir nachgelesen, tschuldige, so lange folge ich Dir noch nicht. Du hättest doch das Problem gelöst, wenn Du die Vagina nach dem Eingriff einfach zuwachsen lassen würdest.

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          1. Nein,das ist eher unwahrscheinlich. Ich glaube, dass es nicht viele trans Frauen gibt, die sich so genau mit Optionen zur gängigen OP auseinander setzen. Daher gibt es für viele nur die Entscheidung OP ja oder nein. Alternative Lösungen zur Neovagina sind auch in Foren kaum zu finden… Es gibt tatsächlich trans, die sagen, dass mein Wunsch keine „echte geschlechtsangleichende OP“ ist und sogar welche, die damit meine Transsexualität in Frage stellen. Wird bei Ärztin nicht viel anders aussehen.

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          2. Deutschland ist so unglaublich angepasst, wenige Aerzte scheinen Mut zu haben, outside the box zu denken. Mich verwundert die Transwelt immer, anstatt zusammenzuhalten, wird so oft gekaempft….scheint mir zumindest so.

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