Monat: März 2017

Arzt in Sicht… 

Es gibt einen Funken Hoffnung. Lange habe ich gebraucht, um einen Arzt zu finden und eine Antwort auf meine Frage nach der OP zu bekommen. Lange, denn ich hab die letzten 5 Jahre damit verbracht, eine Operation zu suchen, einen Namen dafür und einen Arzt, der sie durchführen könnte.

Es war schon schwer, herauszufinden, welche Ärzte generell für eine GaOP zur Verfügung stehen. Es gibt viele Informationen, zahlreiche Webseiten und leider unzählige Quellen von Information – die nicht immer zielführend sind. Viele Menschen gehen einfach viele Wege und nur selten sind die Erfahrungen der einen Person 1:1 auf andere zu übertragen.

 Auf jeden Fall habe ich im April ein Vorgespräch. Ja, ich bin aufgeregt und frage mich, ob es klug ist, meine Hoffnung zuzulassen. Ich habe beschlossen, es einfach mal positiv zu betrachten und abzuwarten, was kommt. 

Oh, das Fernsehen…

In den letzten Jahren hat sich viel an dem verändert, was wir Fernsehen nennen. Streamingdienste zogen in Wohnzimmer und Handys und überhaupt kann man heutzutage eigentlich alles dann sehen, wann man will und wo man gerade ist (abgesehen von den Einschränkungen, wenn man Grenzen überschreitet und mal außerhalb eines Landes eine bestimmte Serie sehen will…)

Transsexualität ist ein beliebtes Thema geworden. Serien wie Transparent, sense8, OA,… erreichen eine große Zuseherschaft. In einigen sind trans* Personen die Hauptrollen, in einigen die Nebenrollen. UND: inzwischen dürfen auch trans* Darsteller die trans* Rollen spielen (zwar nur Nebenrollen). Selbst die Lindenstraße hat das Thema aufgegriffen.

Am 31. 3. ist der Transgender Day of Visibility (#TDOV) Ich suche noch immer nach einem gängigen deutschen Namen für den „Hey, es gibt uns“-Tag. Dieses Jahr habe ich die regionale Presse angeschrieben und bekam überraschend viele und gute Reaktionen. Bereits zweimal wurden meine Frau und ich nun interviewt und heute kommt nochmal ein Kamerateam vorbei.

Grund genug, über die Darstellung von trans* im TV nachzudenken. Damit meine ich nicht, dass die meisten trans* in Filmen und Serien noch immer von cis Darsteller*innen gespielt werden, sondern das, wie trans* Menschen in Interviews und Reportagen erscheinen:

„Schminken Sie sich?“
„Dürfen wir ihren Schrank filmen?“
„Wir möchten gern ihren Alltag zeigen, könnten wir einfach mal mit ihnen durch die Stadt gehen?“
„Haben Sie ein Foto, wo sie als Mann drauf sind?“

Das sind Fragen, die stellt mir jedes Kamerateam und auch diesmal habe ich diese Fragen gelesen und dabei den Kopf geschüttelt. Warum ist mein Kleiderschrank so spannend? Was ist darin, was nicht im Schrank jeder anderen Frau auch zu finden ist? Die meisten Frauen, die ich kenne schminken sich regelmäßig…

Ich antworte meistens sehr direkt und frage, was mein Schrank denn zur Geschichte beitragen könne und was ihn so viel toller macht, als den einer anderen Frau. Ich gebe zu, die Redakteure zucken kurz zusammen, wenn ich ihnen sage: Nein, mein Schlafzimmer , das Kinderzimmer und mein Badezimmer sind tabu. Aber die meisten hatten bisher Verständnis, wenn ich ihnen sagte, dass sie Gefahr laufen, mich als Mann in Frauenkleidung darzustellen. Und ich weiß, dass ich trotz all meiner Einwände, Erklärungen und Gegenfragen, keinen Einfluss darauf habe, wie ich im Endeffekt dargestellt werde. Dazu habe ich zu viele Interviews geschnitten und Aussagen raus gearbeitet, die der jeweiligen Redaktion passten…

Ja, das sind wir trans Frauen in den Medien: Männer in Fummel. Das Bild der „Transe“ lässt sich auch einfacher zeichnen, als das eines Menschen, der sich nie entschieden hat, trans zu sein, aber jeden Tag damit lebt. Es ist einfacher uns als exotische Freaks darzustellen, als die Menschen, die uns mit Diskriminierung begegnen mal zu fragen, was in ihnen vorgeht. Es ist einfacher uns als abnormal darzustellen, als zu hinterfragen, warum Menschen, die mit mir nichts zu tun haben, mich nach meinen Genitalien fragen, warum ich bespuckt werde und beschimpft oder einfach angeglotzt, wie ein Tanzbär…

Trans Männer werden anders dargestellt. Irgendwie habe ich meist den Eindruck, dass man diesen Menschen den Stempel „extreme Kampflesbe“ aufdrücken will, aber sie als Mann darzustellen? Nein, das wäre ja was Neues. Lass und lieber fragen, ob wir Binder und nen Kunststoffpenis zeigen können… Juhu,  das lieben die Zuseher!

Ich gebe zu, es ist schwer, mich als Frau darzustellen, denn was mich zur Frau macht ist nicht mein Körper – aber der ist nun mal vor der Kamera. Um trans* besser darzustellen, müsste man sich Zeit nehmen und die Diskriminierung, die Ausgrenzung und auch die Akzeptanz porträtieren. Man müsste aufhören nach Spiegel, Schrank und alten Fotos zu fragen. Zugegeben, es ist leichter, schneller und billiger, ein Team hinzuschicken, Fragen zu stellen und dann ein paar schöne Schnittbilder zu zeigen.

Irgendwie wünschte ich mir, dass ich mit einem Kamerateam durch die Stadt gehe und dann die Menschen vor die Kamera geholt werden, die auf mich reagieren – positiv, wie negativ. Irgendwie wünschte ich mir, dass trans* irgendwann mal nicht als unglaublich seltene Exoten präsentiert werden. Irgendwie wünschte ich mir, dass mal eine Mail von einer Redaktion kommt, die nicht nach einem alten Foto fragt… Ich hab kein Vorher/Nachher Bild meiner Seelendiät und nein, ich will auch keines.

Trotz allem: Dieses Jahr bin ich sichtbar. Es kostete ein wenig Mut, mich vor die Kamera zu setzen und das in meinem Wohnzimmer. Es kostete Mut, weil ich keinen Einfluss auf die Darstellung habe. Ich bin gespannt, ob ich ein Portrait oder ein Klischeebild finden werden, wenn ich in wenigen Tagen die Beiträge sehen werde.

Routine… 

Heute nachmittag kommt wieder ein Kamerateam. Ich habe einen ziemlich genauen Plan für den Vormittag. Ich bin gerade nicht aufgeregt (das kann durchaus noch kommen). Entwickle ich etwa eine Routine im Umgang mit Presse?

Erstmal trinke ich in Ruhe Kaffee und mach mir ein Spiegelei. Dann kann sich die Aufregung bis Mittag besser aufbauen 🙂 

Zeit der Umstellung…

Vor gar nicht all zu vielen Wochen habe ich mein „ich will“ gegen ein „ich mache“ ausgetauscht. Ja, so einfach könnte man den Wandel beschreiben, den ich im Dezember angestoßen habe. Aus meinen Plänen und Wünschen werden nun Taten.

Gestern habe ich ein Zugticket gekauft. Im April fahre ich und habe ein Vorgespräch bei einem Arzt. Der Weg, der zu diesem Gespräch führte, folgte eigenen Regeln und verdient es eigentlich, irgendwann in einem eigenen Beitrag erzählt zu werden. Und eigentlich kann ich über dieses Gespräch gar nicht viel sagen, denn ich wurde gebeten, über einige Details noch nicht zu schreiben.

Ich bin aufgeregt. Denn so nah war ich der Möglichkeit zur Operation noch nie. Heute habe ich – als ich am Crosstrainer war – darüber nachgedacht, wie ich meine aktuellen Erfahrungen überhaupt in Worte fassen könnte und habe gemerkt, dass ich gerade von Gefühlen überrollt werde und noch gar keine Worte finde. So bleibt mir nichts anderes übrig, als um ein wenig Geduld zu bitten… Es passiert gerade sehr viel (auch abseits meiner Transition kommt mein Leben kaum zur Ruhe)

Diese Woche möchte ich schaffen, wieder einen eigenen Schreibtisch zu haben. Und da mein „ich will“ nicht da ist, werde ich das einfach mal machen 😉

Lampenfieber…

Eigentlich sollte es gleich mal klingeln und ein Kamerateam steht vor der Tür… Eigentlich sollte ich das ganz cool nehmen und gelassen…

Und gerade als ich mich an den Laptop setze, knarrt der Stuhl und ich merke: der muss dringend geleimt werden… Irgendwie läuft also alles etwas anders als geplant und ich bin ungewohnt nervös.

Drückt mir die Daumen!

Da hab ich was angefangen…

Das Telefon klingelt. Ich sitze bereits am Laptop und habe das Gefühl,in einem Büro zu sitzen. Alles hat ganz harmlos begonnen: Ich habe die Lokalpresse angeschrieben, damit der TDOV (der Transgender Day of Visibility) dieses Jahr auch hier ankommt. Wer rechnet schon damit, was ich da losgetreten habe…

Letzte Woche war die Zeitung da. Der Reporter hatte eine Fotografin mitgebracht und eine Dame mit Videoausrüstung. Die ersten 20 Minuten des Gesprächs liefen eigentlich ab, wie ein klassisches Interview: Er fragte sich chronologisch durch mein Leben und plötzlich… Auf jeden Fall nahm das Gespräch eine Wendung, die dazu führte, dass es auf einmal ein sehr ausgelassenes und ziemlich langes Gespräch wurde.

Nach dem Interview fragte die Kamerafrau an, ob es denn möglich wäre einen extra Termin für einen Videodreh zu machen. Sie meinte, die Geschichte (über meine Familie, und dass meine Frau und ich noch immer zusammen wären…) wäre einfach so spannend, sie würde es gerne professioneller filmen. Und ich hab irgendwie da gleich Ja gesagt.

Gestern habe ich also den Drehtermin bestätigt und ein paar Details abgeklärt, da klingelt mein Telefon. Noch einmal Fernsehen, diesmal etwas überregionaler… die sehr nette Dame schaffte es, mich nach einiger Skepsis, für einem weiteren Dreh zu gewinnen. Ich bin sehr gespannt, wie sie das Tema umsetzen wird.

Gerade habe ich ein weiteres Interview abgelehnt, aber angeboten, Fragen per Mail zu beantworten und einen kleinen Pressetext zum #TDOV zu schreiben.

Wer ahnt denn schon, dass eine trans Frau und ihre Familie einen solchen Rummel verursachen können? Jetzt werde ich mich daran machen, mein neues Büro einzurichten. Irgendwie möchte ich wieder einen eigenen Schreibtisch haben 😀 gerade an Tagen, wie diesem.