Eine neue Strategie muss her…

Also fassen wir einmal zusammen:

  • Ich will eine genitalangleichende OP (eigentlich soll ja nur das angepasst werden, mein Geschlecht passt ja schon)
  • Dabei will ich nicht ganz die Standardlösung (einfach gesagt: es gibt mehr als eine Handvoll Gründe, warum ich definitiv keine Penile Inversion und generell keine Neovagina will)
  • Natürlich gibt es keine Liste von Ärzten, die etwas anderes durchführen, als eine Neovagina operativ anzulegen.
  • Adresslisten im Internet sind zahlreich, aber sehr fehlerhaft, veraltet und… auch da: immer nur Neovagina … viel Recherche, aber wenigstens habe ich jetzt die richtigen Adressen… ob die Ärzt*innen die richtige OP durchführen, kann ich nicht sagen.
  • Also muss ich alle Ärzte anschreiben, ob sie auch eine kleine Lösung ohne Neovagina durchführen
  • Selbstverständlich bekommt man in Deutschland Antworten auf Fragen, allerdings beantworten Ärzte in Briefen und Telefonaten solche Fragen nicht… man muss ein persönliches Gespräch machen (Termin, Anreise…)
  • Die Kliniken und Ärzte haben ein gewisses Paket von Informationen, die man zum Gespräch mitbringen muss: unter anderem 2 Gutachten, die die Transsexualität bestätigen – das liegt am Verfahren der deutschen Personenstandsänderung, für das bei Gericht zwei solcher Gutachten erforderlich sind. Diese Anforderungen sollen Fehldiagnosen verhindern und ohne diese Auflagen zu erfüllen, bekomme ich keine Zusage, dass die OP, wie ich sie will auch durchgeführt werden kann (was ich für den Antrag bei der Krankenkasse unbedingt brauche)
  • Ich habe die österreichische Staatsbürgerschaft, somit ein anderes Verfahren für die Personenstandsänderung durchlaufen und nur 1 Gutachten
  • Da ich kein deutsches Gerichtsverfahren durchlaufen musste, habe ich auch keinen Anspruch auf Prozesskostenhilfe, ich musste also das Gutachten selbst bezahlen…
  • Der Preis solcher Gutachten bewegt sich im Regelfall um die 1000 €
  • Damit ich ein Gespräch mit einer Ärztin/einem Arzt führen kann, um festzustellen, ob sie/er die von mir gewünschte OP überhaupt durchführen kann, brauche ich ein zweites Gutachten.
  • Erst wenn ich mindestens drei Ärzte gefunden habe, die die passende OP durchführen, macht ein Antrag bei der Krankenkasse Sinn
  • Erst dann beginnt der Hürdenlauf mit Krankenkasse und MDK, der – da ich ja nicht die Standardlösung will – noch mal richtig kompliziert werden kann.
  • Warte ich mit dem ganzen zu lange, erreiche ich ein Alter, in dem die Krankenkasse viele Anträge auf Kostenübernahme einfach wegen des Alters ablehnt und dann müsste ich das ganze vor Gericht durchboxen (mit mäßigen Chancen auf Erfolg)
  • ach ja… dank Rückforderung des jobcenters könnte ich das Gutachten in frühestens drei jahren finanzieren… wenn ich jeden Tag einen Euro vom Haushaltsgeld einspare und keine unerwarteten Kosten, wie ne kaputte Waschmaschine auftreten… damit erreiche ich einen Zeitpunkt, der dem „warte ich zu lange“ schon verflucht nahe kommt…

Ich suche seit inzwischen 5 Jahren nach einem Weg, hatte eine Idee, die gestern aber daran zerplatzte, dass die Kliniken auf die 2 Gutachten bestehen. Davor konnte ich andere Auflagen nicht erfüllen (Dauer der Hormonbehandlung, Behandlungsdauer der Therapie…).

Also: ich brauche ne Idee, wie ich Ärzte dazu bekomme, trotzdem ich nur ein Gutachten habe, mit mir über die OP zu sprechen und mir verbindlich zusagen, dass sie die OP, die ich will, durchführen.

Und damit es keine Unklarheiten gibt, warum ich die Penile Inversion ablehne.

  • Bei der Penilen Inversion wir die Neovagina aus der Haut des Penis geformt.
  • Diese Methode schafft eine künstliche Körperöffnung, die niemals feucht wird.
  • Die Haut des Penis ist nur bedingt geeignet, und birgt ein  großen Risiko von Narbenbildung, späterer Verletzungen und Infektionen.
  • Die Neovagina kann keinen vaginalen Orgasmus bewirken.
  • Die Neovagina muss vom ersten Tag an mit einem Dildo gedehnt werden, damit das Gewebe weit bleibt, da der Körper versucht die Wunde (die künstliche Öffnung) zu verschließen.
  • Bei der OP besteht das Risiko, dass Nervenenden durchtrennt werden, also weniger Gefühl da ist, als zuvor.
  • Ich hatte in meinem Leben Sex mit Männern, leider sind diese Erfahrungen so mies, dass ich eindeutig sagen kann: ich will definitiv niemals wieder Sex, bei dem mich ein Mann penetriert. Also brauche ich keine Körperöffnung für meinen Sex.
  • Für meine sexuelle Befriedigung war Penetration nie nötig.
  • Ich lebe mit meiner Frau und werde mich – egal was passieren sollte – definitiv nicht mehr auf Sex mit einem Mann einlassen.
  • Ich will nicht, dass der Penis des Mannes, der ich nie war, in mich gestülpt wird und den Rest meines Lebens in mir steckt.
  • Ich brauche für meine Befriedigung nur den Teil meines Körpers, der bei der OP für die Neoklitoris und die Schamlippen verwendet wird.
  • Ich will keine Neovagina.

Es gibt andere Operationstechniken, bei der die Neovagina aus dem Hodensack gebildet wird. Das ist weniger risikoreich und mir einiges sympatischer, ich brauche aber die Neovagina genauso wenig, wie oben argumentiert… ich will keinen Sex mit Penetration, also macht es keinen Sinn eine künstliche Körperöffnung anzulegen.

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30 Gedanken zu “Eine neue Strategie muss her…

  1. Liebe Nina,

    Ich habe selten einen so gut durchdachten und informierten Beitrag dazu gelesen und ich verstehe absolut nicht, wieso Ärzte nucht auf dich hören. Würden sie da nämlich tun, wüssten sie, dass du besser informiert bist und 100% sicher, in dem was du tust.
    Es ist mir unbegreiflich

    Lg und viel Kraft.
    Irgendwann wirst du es schaffen.

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  2. Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass deine Arbeit Früchte trägt.
    Für mich als absoluten Laien klingt es, als sei eine solche OP wesentlich risikoärmer und weniger aufwändig, als eine neue Vagina zu formen. Ich finde es sehr traurig, dass der Weg dorthin so unsagbar steinig gemacht wird.
    Ich wünsche dir/euch viel Kraft.

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  3. Ich kann nur immer wieder mit dem Kopf schütteln, wenn ich höre, wie Menschen an einen starren Regelwerk ausgebremst werden. Wir sind Individuen – Normfälle können nicht allgemeingültig auf alle von uns angewendet werden! Warum kapieren so viele Ärzte das nicht?
    Du bist so gut informiert, sicher in deiner Entscheidung … warum wird das nicht gesehen? Ach ja, du willst partout nicht in Schema-F landen… – Böser Mensch! *Ironie off*
    Auch ich kenne solche Situationen nur zu gut. Man rennt gegen eine Wand. Aber manchmal, wenn man vom Kopf her nicht aufgeben mag, erscheint wie durch Zauberkraft eine magische Tür, die vorher nicht sichtbar war, als Ausweg.
    Mein Rat: vernetzte dich mit Gleichgesinnten! Bei mir hat es die Tür erscheinen lassen…

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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      1. Nun, ich will auch keine Standard Op und zwar aus genau dem Grund an dem Du gerade verzweifelst gibt es bei mir auch keine Op obwohl ich zwei Gutachten habe. Ich drücke Dir aber alle verfügbaren Daumen, dass Du zum gewünschten Ziel kommst.

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          1. Ich glaube gar nicht, dass es an den Mediziner liegt. Viele würden Dir oder uns vermutlich gerne helfen. Aber sie sind genauso in den starren Regeln gefangen wie wir.
            Das ist das Problem wenn die Leute nur in „Mann“ und „Frau“ denken. Die Leute die die Regeln machen können sich nicht vorstellen, dass es Frauen gibt die keine Neovagina wollen, denen es ein Graus ist wenn sie von einem Mann penetriert werden. „Wenn schon Frau, dann aber bitteschön vollständig.“

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    1. Darum rechne ich das Gutachten nicht höherem Satz. Ja, ich glaube, dass ich das bekommen kann und wichtiger ist es Ärzte zu finden, die der Behandlung zustimmen, als die Krankenkasse…. Der MDK wird danach noch spannend

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      1. Hmmm….ich weiß nicht. Das größte Problem sehe ich in der Tat bei der Krankenkasse. Vermutlich ist die angestrebte Operation keiner Fallpauschale zugeordnet und da geht der Ärger schon los. Sie können es nicht abrechnen und überhaupt, so etwas haben wir ja noch nie gehabt. Wenn man das nötige Kleingeld für die Op hätte, wäre es vermutlich kein Problem einen Arzt zu finden der die gewünschte Anpassung vornimmt.

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  4. Ich habe in der Bürokratie, welche medizinische Verfahren betrifft,auch schon einiges erlebt, aber was Du da durchmachst, ist ja der Wahnsinn. Ich kann Dir nur ganz fest beide Daumen drücken. Ganz liebe Grüße und weiterhin viel Kraft aus dem verschneiten Oberösterreich wünscht dir Dani

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  5. Hallo Nina,
    Ich verfolge deinen Blog erst seit kurzem und bewundere deine Stärke.
    Hast du vielleicht mal in Betracht gezogen, dich an das Fernsehen zu wenden? SternTV? Akte? Es macht zumindest oft den Anschein, dass die und der Druck der Medien doch auch mal die Bürokratie aushebeln können.
    Natürlich müsstest du damit komplett mit deinem Privatleben in die Öffentlichkeit gehen und dass du das nicht möchtest, könnte ich auch gut verstehen…

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      1. Weil du an dem guten Willen der Berichterstattung zweifelst? Oder weil du denkst, dass auch eine gute Reportage Schaden anrichten könnte?
        Sind natürlich beides begründete Sorgen. Aber man kann z.B. SternTV anschreiben und seine Geschichte „vorschlagen“- wenn dann interesse von deren Seite besteht, könntest du ja immer noch überlegen und abwägen.

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      1. An sowas habe ich auch spontan gedacht: Crowdfunding.
        Wenn ich das richtig verstehe, brauchst du das Gutachten, damit alles den bürokratischen Weg geht, inklusive Kostenübernahme durch die Kasse. Wenn du nun via Crowdfunding eine – sagen wir – fünfstellige Summe einnehmen könntest, könntest du die OP einfach selbst bezahlen, quasi wie eine „Schönheits-OP“ (das ist natürlich kein Vergleich, aber die werden von Kassen ja auch nicht übernommen). Dann bräuchte es erst gar kein zweites Gutachten 😉

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