Über 50 shades…

In meiner Rezension zum Bondage Set von Lovehoney erwähnte ich 50 Shades of Grey und erntete sofort Kritik. Es sei doch eher 50 Shades of Abuse usw…

Darum hab ich mich entschlossen, mal was zu 50 Shades zu sagen. Ich persönlich fand die Bücher eher langweilig. Das erste Buch hatte noch einen gewissen Reiz, aber von Band zu Band ließ meine Lust am Lesen nach. Das liegt einerseits daran, dass ich die Figuren als nciht besonders interessant definiert wahrnahm, aber vor allem daran, dass mit im Zusammenspiel zwischen Ana und Christian Grey einfach zu oft zu ähnlich war.

In der Kritik, die ich am öftesten höre und lese, wird die Beziehung der beiden als ungesunde, „abusive“ bezeichnet. Das konnte ich beim Lesen nicht so wahrnehmen. Grey sucht immer wieder den Konsens und Ana hat jederzeit die Möglichkeit, aus der Beziehung zu gehen. Grey zeigt keine Züge, dass er ihr das Leben nach einer Trennung in irgendeiner Form schwer machen würde.

Wenn ich die Kritik höre, kommt das aus zwei verschiedenen Ecken: Menschen ohne Bezug zu BDSM und (was mich persönlich oft erstaunt) Menschen mit BDSM Erfahrung. Die erste Gruppe kann ich einigermaßen verstehen, denn für Menschen, für die Schmerz und Erniedrigung nicht zum lustvollen Erlebnis gehört,… tja, für diese Menschen liest sich vieles sicher als Missbrauch und nicht als einvernehmliches Ausleben von Lust.

In der BDSM Szene hab ich einiges erlebt. Vor allem eines: mir wurde unglaublich oft erklärt, was richtiges BDSM ist und was nicht. Und ich muss gestehen: ich mache alles falsch. Zumindest wurde mir das oft gesagt. Ich bin dominant und meine Art zu führen basiert darauf, dass mein Gegenüber auch geführt werden will. Aber ich bewegte mich zwischen Menschen, die Regeln und Strafen oft rituell nach literarischen Vorlagen exerzierten. Und eines kann ich sagen: ich habe unglaublich oft erlebt, dass ach so einvernehmliche BDSM Beziehungen auf einem Machtverhältnis beruhten, das ich für mich niemals leben könnte. Für mich ist meine Partnerin außerhalb der Session immer ein Mensch, dem ich auf Augenhöhe begegne.

Und jetzt mal zu 50 Shades. Ana geht eine Beziehung ein, die nicht dem Normalo-Sex Geschichten entpricht. Das Rollenbild für Frau und Mann, das in den Romanen verkörpert wird, entspricht in meinen Augen einer konservativen Vorstellung, die ich nicht teile, aber kenne. Aber ich konnte darin nicht lesen, dass sie etwas gänzlich gegen ihren Willen tat, dass sie keinen Ausweg gehabt hätte oder dass sie nicht jederzeit auch die Notbremse hätte ziehen könne. Die Autorin hat sich entschieden, dass sie keinen dieser Schritte je macht, aber ich sehe nichts, das darauf hindeutet, dass Ana gegen ihren Willen in einer missbräuchlichen Beziehung festgehalten würde.

Darum hab ich kein Problem, mich auf den Film zu beziehen.

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11 Gedanken zu “Über 50 shades…

  1. Ich konnte die Bücher gar nicht lesen, weil ich schon das erste so grauenhaft einfach geschrieben und gähnend langweilig fand, das ich kaum zwei Seiten am Stück durchhielt.
    Das mit der Kritik an und aus der BDSM Szene kenne ich ganz genauso.

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  2. “ Und eines kann ich sagen: ich habe unglaublich oft erlebt, dass ach so einvernehmliche BDSM Beziehungen auf einem Machtverhältnis beruhten, das ich für mich niemals leben könnte. Für mich ist meine Partnerin außerhalb der Session immer ein Mensch, dem ich auf Augenhöhe begegne.“

    Vor allem kann es auch leider dazu kommen das unerfahrene Subs an Partner geraten die Dominanz mit Agression und echter Gewalt verwechseln ( leider selber erlebt )

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  3. Von dem, was ich mitbekommen habe wirkt es gerade im Kino so, als wäre es Missbrauch, da dort verständlicherweise die erklärenden Gedanken fehlen, die eine Situation genauer erklären.

    „Für mich ist meine Partnerin außerhalb der Session immer ein Mensch, dem ich auf Augenhöhe begegne.“

    Das trifft auch auf Leute zu, die beim BDSM verschiedene Rollen einnehmen, sowohl während des Beischlafs als auch im übrigen Leben. Hier wird die Macht vom dominierten an den dominierenden verschenkt. Wenn sich der dominierende diese ohne Erlaubnis nehmen müsste, dann törnt ihn das ab. Klar gibt es auch schwarze Schafe, aber das geht dann schon wieder in Richtung Missbrauch und leider Gottes ist der BDSM-Bereich natürlich auch prädestiniert als ein Einstiegsbereich für Sexualstraftäter, aber man sollte natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, was leider noch viel zu häufig passiert.

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      1. Beim BDSM ist es zumindest für mich der ultimative Vertrauensbeweis, wenn ich jemanden erlaube, mich zu dominieren und dafür erwarten kann, dass man dennoch nicht meine Grenzen übertritt. Das würde ich niemals bei einer Person zulassen, die ich nicht respektiere und erst recht nicht bei einer Person, die glaubt, über mir zu stehen, egal ob während oder außerhalb des Aktes. Und andersherum erwarte ich zumindest bei potenziellen Partnern, dass sie es genauso sehen, denn sonst macht mir das ganze einfach keinen Spaß. Von mir aus kann man da natürlich anderer Meinung sein, aber dann zumindest ohne mich^^

        Und soweit ich weiß ist das allgemein hin auch die Etikette im Großteil der BDSM-Szene, denn es gewährleistet immerhin die Sicherheit und Unversehrtheit des dominiertes Partners.

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          1. Ja, die „meisten“. Das Wort impliziert entsprechend schon, dass es auch Straftäter gibt, die durchaus Neigungen haben, die sich im BDSM wiederfinden lassen (und auf die hab ich mich bezogen, ich hielt es aber nicht für notwendig, es nochmal zu spezifizieren), denn wie jeder andere Mensch können sich auch Straftäter nicht aussuchen, was sie am Ende anregt.

            Und ansonsten ist es eine Tatsache, dass die meisten schweren Sexualstraftäter nur dann Befriedigung empfinden können, wenn sie bewusst die Grenzen anderer Menschen überschreiten. Manch ein potenzieller Straftäter ist sich aber durchaus bewusst, dass schwerwiegende Konsequenzen folgen, wenn man mitten auf der Straße Leute anfällt, demnach stellt die BDSM-Szene durchaus ein potenzielles Gebiet dar, sich zumindest in kleinem Umfang ausleben zu können. Wie gesagt, das macht nur einen verschwindend kleinen Teil der Szene aus, aber wie überall sonst auch sollte man auch hier nicht so naiv sein und glauben, dass sich alle Menschen gern haben und immer nur das Beste für sein Gegenüber haben wollen.

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  4. Ich beziehe mich dabei größtenteils auf die Arbeiten von Lydia Benecke und bisher zumindest habe ich noch keine Gegenteiligen Arbeiten in der Richtung gefunden. Ich würde mich freuen, falls du mir da etwas empfehlen könntest.

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