Über die gute/schlechte Hausfrau/“Mutter“…

Es ist kurz nach 9 und ich bin müde. Der Frühstückstisch ist noch nicht ganz abgeräumt, neben der Spüle steh ein Berg Geschirr, die Spülmaschine wartet darauf, ausgeräumt zu werden, die Meerschweinchen beschließen ein kleine Wettrennen zu machen und schaffen, das halbe Wohnzimmer mit Streu zu bedecken, der Wäschekorb im Badezimmer geht über und das Badezimmer selbst schreit auch nach meiner Aufmerksamkeit. Zu allem Überfluss scheint die Sonne durch die Fenster, die eine gewisse Schleierhaftigkeit zum Ausdruck bringen.

Ich trinke in Ruhe meinen Kaffee. Mein Kleinster ist wegen dem noch immer ungelösten Konflikt mit der Kindergartenleitung zuhause und baut auf der freien Fläche des Tisches Plitsch, Platsch, Pingui auf. Er weiß: jetzt ist unsere Spielzeit. Wir spielen jeden Tag ein wenig. So lange muss der Haushalt einfach mal warten. Ich genieße die Zeit mit meinem Kind sehr. Nach dem Spiel räumen wir zusammen den Tisch ab.

Als nächstes die Streu der Käfigbewohner wegfegen, damit wir die nicht in der ganzen Wohnung verteilen, dann in die Küche. Mein Telefon klingelt. Ich klemme es zwischen Kopf und Schulter. Während mir eine gute Freundin von ihren aktuellen Flirts und der Schule ihrer Kinder erzählt, räume ich die Spülmaschine aus. Einen Teil des Geschirrs stelle ich auf den Tisch – es sind die Teller, Becher und Schüsseln, die auch mein Sohn wegräumen kann. Sobald er den Stapel am Tisch sieht, räumt er alles, ohne ein Wort in die entsprechenden Fächer und Schubladen. Ja, mein Kind hilft selbstverständlich im Haushalt mit.

Ich mache einen Einkaufszettel und notiere mir auf einem anderen: „Vermieter anrufen, wegen defektem Fenster“. Ohne Zettel bin ich verloren. Die Meerschweinchen bemerken, dass ich vor dem Käfig stehe und machen lautstark klar, dass sie in den nächsten zwei Minuten verhungern. Damit das nicht passiert gebe ich ihnen Gemüse. Das wird mit einer kleinen Runde „werft der Dienerin Streu entgegen“ belohnt. Nochmal Besen holen, nochmal fegen.

„Wir müssen nachher einkaufen gehen,“ sage ich zum Sohn, der die Augenbrauen zu einem möglichst wütenden Gesichtsausdruck zusammen zieht. Gosh, sieht der süß aus, wenn er … „wir müssen, sonst verhungern die Meerschweinchen.“. Er meint, ihm wäre langweilig, also erlaube ich ihm, auf dem Tablet zu spielen. Ich schaue auf die Uhr, denn ich müchte diesmal wirklich konsequent sein und nach zwanzig Minuten ist Schluss.

Die Spülmaschine ist schon wieder halb voll, die Waschmaschine läuft und meine Freundin ist am Telefon inzwischen an dem Punkt angekommen, dass sie nie wieder etwas mit „dieser Frau“ anstellen wird – eine Erkenntnis, die sie mir öfter mitteilt. Wir beenden das Telefonat, weil der Akkualarm des Telefons mich sehr nervt. Das Kind hat inzwischen 45 Minuten am Tablet gespielt und trennt sich nur wiederwillig davon.

Um kurz nach zwölf ziehen wir die Schuhe und Jacken an und gehen einkaufen. Im Supermarkt suche ich zuerst eine Wagenmünze, dann den Einkaufszettel. Beides liegt am Esstisch. Also improvisiere ich. Kind vermeldet Hunger, als wir die Brötchenecke passieren. Das passt mir heute mal gar nicht so schlecht, denn ich wollte ohnehin erst abends kochen – noch weiß ich nicht was. Ich erinnere mich, dass mein Konto gerade leer ist und zähle das Geld im Portmonee. 11,63 €. Juhuu und wir haben keinen Kaffee mehr zuhause. Ich lege die Artikel in den Einkaufswagen, die ich unbedingt brauche und rechne aufs Cent genau mit.

Beim Gemüse angekommen suche ich nach Kohlrabiblättern und Grünabfall für die Meerschweinchen und einer Salatgurke oder einem Salat… ein Bund Möhren mit Grün um 1,49 gewinnt den Preiskampf, denn da haben nicht nur die Tiere was davon. Also gibt es vegetarische Bolognese…

Nach dem Einkauf habe ich noch 2,76 € und mein Kind drückt mir den Rest des Brötchens in die Hand. Er wäre nun satt, meint er. Ich esse die zwei Bissen. Mein Handy vibriert, meine Frau schreibt, dass sie heute früher nach Hause kommt, sie wäre schon am Weg. Wir treffen uns einige Minuten später an der Wohnungstür. Kurz darauf kommen die beiden größeren von der Schule.

Die Meerschweinchen haben wieder ganze Arbeit geleistet, das Badezimmer sieht noch immer aus, wie am Morgen… ich habe das Gefühl nichts geschafft zu haben…

Ja, so laufen viele meiner Tage ab und manchmal lese ich von anderen Müttern, denen es auch so geht, dass sie zwischen Haushalt und Kindern hin und her gerissen werden und weder für das, noch für sich selbst Zeit haben – Zeit finden. Und immer, wenn ich das lese, lese ich auch „ich bin eine schlechte Hausfrau“, „ich bin eine schlechte Mutter“… ganz ehrlich, ich fühle mich nicht, als wäre ich die beste Hausfrau und Mutter, aber ich tue, was ich kann. Den Balanceakt zwischen Alltäglichkeiten und Kindern zu schaffen ist eine echte Arbeit und wie in jedem anderen Job, gibt es auch mal nen Berg Arbeit, den man nicht so gut schafft, wie man möchte.

Wir sind nicht schlecht, wenn es mal Unordnung gibt und nicht gut,  wenn alles glänzt. Mal schaffe ich alles locker, mal hänge ich durch, mal ärgert es mich, mal lenke ich mich von allem ab, indem ich zu meinen Kindern in die Kissenburg krabble und wir dort im Schein einer Taschenlampe Gummibärchen verdrücken.

Heute sage ich mal: ich bin eine gute Hausfrau und eine gute Frau Papa, weil ich einfach nicht aufgebe. Das ist oft das wichtigste.

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13 Gedanken zu “Über die gute/schlechte Hausfrau/“Mutter“…

  1. Ich sehe mich auch nicht als schlechte Hausfrau, nur weil ich den Haushalt nicht immer so perfekt schaffe. Meine Prioritäten liegen halt wo anders.Haushalt gehört dazu, aber ist nicht mein Mittelpunkt, der ist meine Tochter. Ist ja schön und gut wenn bei anderen immer alles top ist, aber manchmal frage ich mich wo die denn noch Zeit für was anderes haben. Liebe Grüße, Nicole.
    P.S.: gefällt mir gut Dein neues Blogdesign.

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  2. ‚Ich genieße die Zeit mit meinem Kind sehr.‘
    So ein schöner und wichtiger Satz! Ich nutze die Elternzeit mit K3 auch sehr zum Genießen. Der Haushalt wird einfach so weiter geführt wie vor K3 als Working Mom, nämlich abends und am Wochenende und in Zusammenarbeit mit meinem Mann :o)

    Liebe Grüße,
    Nadine

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  3. Ich hab eben auch nicht schlecht gestaunt mit deinem neuen Design.
    Es gefällt mir sehr gut 🙂

    Wie oft habe auch ich gehadert mit diesem Gut-sein.
    Wie oft ist man dann mit dem einen gut – und weil keine Zeit oder Kraft hierfür auch noch ist – mit dem anderen eher weniger gut.
    Es gibt mir immer sehr viel Kraft mir sagen zu können, dass ich mein Bestes tue – wofür in dem Moment auch immer.
    Und für sein Kind da zu sein, ist wohl das Allerbeste, das man tun kann.

    Es ist sehr schön, deine normalen Tages-Geschichten zu lesen. Sie sind immer so liebevoll.
    Und es tut gut zu wissen, dass es Liebe auch woanders noch gibt.
    Saubere Böden hingegen würden mich vermutlich nicht so sehr freuen.
    Ich wünsche dir weiterhin ganz viele liebevolle Zeit mit deinen Lieben.

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  4. Früher dachte ich immer „Perfekt-Sein“ wäre das einzige richtige „gut“. Ist es aber nicht. Wenn es zu viel ist, kann ich heute auch mal 5 gerade sein lassen – etwas liegen lassen, nicht alles perfekt zu haben, auch wen Besuch kommt. Der muss dann damit leben, genau so wie ich 🙂

    Danke für deinen Artikel ❤

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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  5. Das neue Design ist echt sehr, sehr schön. Passt gut zu Dir ;-).
    Und ich kann Dir als (eigentlich) Kinderlose (die Bonuskinder sind ja nur ab und zu hier) sagen, dass das das ganz normale Leben ist.Wenn es hier jemandem nicht gefällt, muss er nicht wiederkommen, ganz einfach. Ich habe weder die Zeit noch den Nerv, für wenauchimmer einen perfekten Haushalt vorzutäuschen. Der wäre btw auch langweilig 😉

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  6. Leider wird einem das oft suggeriert, dass alles perfekt sein sollte.
    Ich habe aus diesem Geund begonnen bei Instagram Fotos zu posten, die das #alltagschaos zeigen. Aufgeräumte Wohnungen zur Schau stellen kann ja jeder.
    Man sollte viel häufiger mal die Wahrheit sagen. Danke für den Beitrag ❤

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