Monat: Januar 2017

Zum Haarprofi…

Nachdem ich meine große Angststörung dieses Jahr ja angepackt habe und erfolgreich in ihre Grenzen weisen konnte, steht heute der nächste Schritt an: ich gehe zum Friseur und frage ob es ne Möglichkeit gäbe ohne Haarteil einen vernünftigen Haarschnitt (am liebten mit Pony) zu machen… und was das ganze kosten würde…

Ich hab Schiss, bin aufgeregt und irgendwie freue ich mich trotzdem … WAAAAAAAAAAAAAH

How to date a trans…

Eigentlich sollte der Titel umgekehrt heißen: How to date, when you are trans*. Also vor ein paar Wochen habe ich mehr zufällig, als absichtlich mit einer Bekannten über Dates gesprochen und als ich sagte, dass ich als lesbische, übergewichtige Transfrau, Mitte 40 , in der Provinz sowieso keine Chancen hätte, entstand die Idee, mal Datingplattformen zu testen.

Seitdem treibe ich mich in einem digitalen Umfeld herum, das  ich Euch demnächst vorstellen will: Datingplattformen! Im Moment versuche ich gerade das positive daran raus zu filtern.. und schreibe einen schönen kleinen Bericht. Irgendwann suche ich mir einen Sponsor und teste dann auch die kostenpflichtigen Premiemangebote 😀

Fortsetzung folgt…

Über die gute/schlechte Hausfrau/“Mutter“…

Es ist kurz nach 9 und ich bin müde. Der Frühstückstisch ist noch nicht ganz abgeräumt, neben der Spüle steh ein Berg Geschirr, die Spülmaschine wartet darauf, ausgeräumt zu werden, die Meerschweinchen beschließen ein kleine Wettrennen zu machen und schaffen, das halbe Wohnzimmer mit Streu zu bedecken, der Wäschekorb im Badezimmer geht über und das Badezimmer selbst schreit auch nach meiner Aufmerksamkeit. Zu allem Überfluss scheint die Sonne durch die Fenster, die eine gewisse Schleierhaftigkeit zum Ausdruck bringen.

Ich trinke in Ruhe meinen Kaffee. Mein Kleinster ist wegen dem noch immer ungelösten Konflikt mit der Kindergartenleitung zuhause und baut auf der freien Fläche des Tisches Plitsch, Platsch, Pingui auf. Er weiß: jetzt ist unsere Spielzeit. Wir spielen jeden Tag ein wenig. So lange muss der Haushalt einfach mal warten. Ich genieße die Zeit mit meinem Kind sehr. Nach dem Spiel räumen wir zusammen den Tisch ab.

Als nächstes die Streu der Käfigbewohner wegfegen, damit wir die nicht in der ganzen Wohnung verteilen, dann in die Küche. Mein Telefon klingelt. Ich klemme es zwischen Kopf und Schulter. Während mir eine gute Freundin von ihren aktuellen Flirts und der Schule ihrer Kinder erzählt, räume ich die Spülmaschine aus. Einen Teil des Geschirrs stelle ich auf den Tisch – es sind die Teller, Becher und Schüsseln, die auch mein Sohn wegräumen kann. Sobald er den Stapel am Tisch sieht, räumt er alles, ohne ein Wort in die entsprechenden Fächer und Schubladen. Ja, mein Kind hilft selbstverständlich im Haushalt mit.

Ich mache einen Einkaufszettel und notiere mir auf einem anderen: „Vermieter anrufen, wegen defektem Fenster“. Ohne Zettel bin ich verloren. Die Meerschweinchen bemerken, dass ich vor dem Käfig stehe und machen lautstark klar, dass sie in den nächsten zwei Minuten verhungern. Damit das nicht passiert gebe ich ihnen Gemüse. Das wird mit einer kleinen Runde „werft der Dienerin Streu entgegen“ belohnt. Nochmal Besen holen, nochmal fegen.

„Wir müssen nachher einkaufen gehen,“ sage ich zum Sohn, der die Augenbrauen zu einem möglichst wütenden Gesichtsausdruck zusammen zieht. Gosh, sieht der süß aus, wenn er … „wir müssen, sonst verhungern die Meerschweinchen.“. Er meint, ihm wäre langweilig, also erlaube ich ihm, auf dem Tablet zu spielen. Ich schaue auf die Uhr, denn ich müchte diesmal wirklich konsequent sein und nach zwanzig Minuten ist Schluss.

Die Spülmaschine ist schon wieder halb voll, die Waschmaschine läuft und meine Freundin ist am Telefon inzwischen an dem Punkt angekommen, dass sie nie wieder etwas mit „dieser Frau“ anstellen wird – eine Erkenntnis, die sie mir öfter mitteilt. Wir beenden das Telefonat, weil der Akkualarm des Telefons mich sehr nervt. Das Kind hat inzwischen 45 Minuten am Tablet gespielt und trennt sich nur wiederwillig davon.

Um kurz nach zwölf ziehen wir die Schuhe und Jacken an und gehen einkaufen. Im Supermarkt suche ich zuerst eine Wagenmünze, dann den Einkaufszettel. Beides liegt am Esstisch. Also improvisiere ich. Kind vermeldet Hunger, als wir die Brötchenecke passieren. Das passt mir heute mal gar nicht so schlecht, denn ich wollte ohnehin erst abends kochen – noch weiß ich nicht was. Ich erinnere mich, dass mein Konto gerade leer ist und zähle das Geld im Portmonee. 11,63 €. Juhuu und wir haben keinen Kaffee mehr zuhause. Ich lege die Artikel in den Einkaufswagen, die ich unbedingt brauche und rechne aufs Cent genau mit.

Beim Gemüse angekommen suche ich nach Kohlrabiblättern und Grünabfall für die Meerschweinchen und einer Salatgurke oder einem Salat… ein Bund Möhren mit Grün um 1,49 gewinnt den Preiskampf, denn da haben nicht nur die Tiere was davon. Also gibt es vegetarische Bolognese…

Nach dem Einkauf habe ich noch 2,76 € und mein Kind drückt mir den Rest des Brötchens in die Hand. Er wäre nun satt, meint er. Ich esse die zwei Bissen. Mein Handy vibriert, meine Frau schreibt, dass sie heute früher nach Hause kommt, sie wäre schon am Weg. Wir treffen uns einige Minuten später an der Wohnungstür. Kurz darauf kommen die beiden größeren von der Schule.

Die Meerschweinchen haben wieder ganze Arbeit geleistet, das Badezimmer sieht noch immer aus, wie am Morgen… ich habe das Gefühl nichts geschafft zu haben…

Ja, so laufen viele meiner Tage ab und manchmal lese ich von anderen Müttern, denen es auch so geht, dass sie zwischen Haushalt und Kindern hin und her gerissen werden und weder für das, noch für sich selbst Zeit haben – Zeit finden. Und immer, wenn ich das lese, lese ich auch „ich bin eine schlechte Hausfrau“, „ich bin eine schlechte Mutter“… ganz ehrlich, ich fühle mich nicht, als wäre ich die beste Hausfrau und Mutter, aber ich tue, was ich kann. Den Balanceakt zwischen Alltäglichkeiten und Kindern zu schaffen ist eine echte Arbeit und wie in jedem anderen Job, gibt es auch mal nen Berg Arbeit, den man nicht so gut schafft, wie man möchte.

Wir sind nicht schlecht, wenn es mal Unordnung gibt und nicht gut,  wenn alles glänzt. Mal schaffe ich alles locker, mal hänge ich durch, mal ärgert es mich, mal lenke ich mich von allem ab, indem ich zu meinen Kindern in die Kissenburg krabble und wir dort im Schein einer Taschenlampe Gummibärchen verdrücken.

Heute sage ich mal: ich bin eine gute Hausfrau und eine gute Frau Papa, weil ich einfach nicht aufgebe. Das ist oft das wichtigste.

Spott am Schulhof…

Diese Woche kam mein Mittlerer einmal nicht so fröhlich, wie sonst von der Schule nach Hause. Normalerweise geht er den Weg von der Bushaltestelle sehr beschwingt, aber diesmal hing sein Kopf. Als wir ihn ansprachen, wollte er nicht so richtig sagen, was los war.

„Doofer Tag in der Schule?“
„Ja.“
„Was ist denn passiert?“
„Ach. Nichts.“
„Wir sehen doch, dass du traurig bist…“
Er atmete kurz tief durch.
„R. sagt zu mir immer Friedrich mit den zwei Müttern.“

Okay, da war er also, der Moment, dass eines unserer Kinder offen für seine Eltern verspottet wird. Ich war für einen Augenblick sprachlos und meiner Frau ging es nicht anders. Wir sahen unseren Sohn an, der sich die Tränen nicht mehr verkneifen wollte.

Wir redeten ein wenig mit ihm und versuchten ihm Lösungen anzubieten, wie er am besten damit umgehen könnte. Er beruhigte sich tatsächlich und schmunzelte mit uns dann sogar, als wir feststellten, dass R. zwar seinen Namen vom französischen Frederic ins deutsche übersetzt hatte, aber mit den zwei Müttern eigentlich sehr richtig lag.

Nach dem Essen saß ich mit meinen beiden kleinen Jungs auf dem Sofa und schaute fern. Sie kuschelten sich an mich. Irgendwann schaute ich zu Frederic, der meine Brust als Kissen verwendete. „Ist eigentlich gar nicht mal so schlecht, zwei Mamas zum Kuscheln zu haben,“ fragte ich lächelnd. „Nein, das ist gar nicht mal so schlecht,“ antwortet er und schmiegte sich an.

Also ich überlege schon seit ein paar Tagen …

Ihr kennt mich ja nun schon ne Weile und wie ihr wisst, hört bei mir der Mensch generell nicht beim Nabel auf. Nein, nicht was ihr denkt,… tststs, das ist nicht meine Schublade.

Aber ich sehe immer wieder, dass in Elternblogs ein Thema so absolut Tabu ist… irgendwie erstaunlich, denn ohne Sex wären wir ja gar nicht Eltern. Nein, ich werde nicht über Sex schreiben, aber ich überlege seit einiger Zeit, wie ich einen Sponsor finden könnte und ehrlich gesagt: Rezensionen von Büchern schreibe ich gerne… aber… nicht nur…

Nun kam mir vor einiger Zeit die Idee aktiv zu werden und ich schreibe derzeit verschiedene Firmen an. Ich möchte Euch mal fragen: warum sollte ich nicht Rezensionen für Liebesspielzeug schreiben? Ganz ehrlich… Wieso landen Sextoys immer noch in der Schmuddelecke?

Ihr könnt mir gern nen Kommentar mit Eurer Meinung dazu hinterlassen oder, wie immer e mail an nina@klischeefrei.de 😉 Eure Meinung würde mich sehr interessieren!

Frustrierend – Die Illusion von Gleichberechtigung…

Manchmal betrachte ich trans*sein von außen. Ich Schaue, welchen Status wir in der Gesellschaft haben, denke über die angeblich schon komplett erreichte Gleichberechtigung und rechtliche Gleichstellung nach und dann..

Dann bemerke ich:

  • dass Transfrauen in Datingplattformen immer gleich viel zahlen wie Männer – cis Frauen aber weniger.
  • dass trans* in vielen Dating Apps einfach nur zwischen Mann und Frau wählen können… und in jeder Gruppe Beschimpfungen bekommen und oft wegen Falschangaben gesperrt werden
  • dass trans* in BDSM Clubs und Plattformen nur als Menschen mit Fetisch wahrgenommen werden
  • dass Transfrauen in Swingerclubs Eintritt zahlen müssen – Cis Frauen selten
  • dass Transfrauen im Waxingstudio den Männertarif bezahlen
  • dass trans* am Flughafen meistens von Männern abgetastet werden
  • dass trans* unabhängig von der Personenstandsänderung  oder GaOP immer wieder dem angeblich anantomischen Geschlecht zugeordnet werden
  • dass trans* oft nicht mal die Toilette selbst auswählen können, ohne, dass cis mitreden
  • dass trans* am besten nicht über Sex reden sollten…

Verdammt nochmal: Ich bin eine Frau. Ja, ich hab nen Penis – hab ich mir nicht ausgesucht. Ihr cis habt keine Ahnung, welches Privileg es ist, dass ihr vor/bei einem Date nicht eure Genitalien erklären müsst…

Ja, ich weiß… Ihr habt diese Welt nicht gemacht und ja, mindestens 90% meiner cis Bekannten würden diese Ungerechtigkeiten am liebsten aus der Welt schaffen. Zumindest im Kopf… Trotzdem ist es für trans* oft unendlich schwerer ein Date zu bekommen – dabei haben so viele trans* so viel Liebe zu geben.