Mama, schau… 

Gestern war ich im Kino. Mein mittlerer Sohn hatte sich das zum Geburtstag gewünscht. Also fuhr ich mit zwei überdreht gut gelaunten Jungs unter zehn los.

Ich liebe Kino schon seit meiner Kindheit. Diese bunten Geschichten in dem dunklen Raum waren immer etwas ganz Besonderes. Als ich in meiner Jugend die Möglichkeit bekam, in einem kleinen Kino zu helfen (und somit Filme gegen Bezahlung  sehen zu können) war ich mit Begeisterung dabei.

Gestern lief es anders. Im cinematischen Großbetrieb in der Schlange stehen, um die reservierten Karten abzuholen. Über die Schlange beim Einlass zur Schlange vor der Toilette und dann warten bis der Saal aufging. Es war Samstag nachmittag und entsprechend voll mit Familien. 

Die Jungs waren herrlich. Sie unterhielten sich so, dass ich fast nichts zu tun hatte. Ich wartete, bis die Schlange beim Popcornverkauf etwas kürzer wurde und stellte mich an. Während ich mir die Frage stellte, was zur Hölle in Popcorn drin wäre, damit eine Portion 5€ kosten würde, hörte ich eine Stimme: „Mama, schau…“

Ein kleines Mädchen starrt mich an. Ich lächle zurück. Daneben kämpft ein etwas größeres Mädchen noch immer um die Aufmerksamkeit der Mama, den Zeigefinger in meine Richtung ausgestreckt. Ich lächle immer noch. Warum auch nicht. Ich weiß, dass ich anders bin. 

Meine Laune bekommt einen Knick, als die Mutter reagiert. „Kuck da nicht so hin.“ Sie wendet den Blick sehr auffällig ab und starrt auf den Fußboden. Die Reaktion erstaunt mich. Ich fühlte mich durch die Kinder nicht belästigt, freute mich sogar ein wenig über die Neugierde, die ich besonders bei der kleinen erkannte. Aber ich merke, dass ich nicht ins Weltbild der Mutter passe.

Ich kann ja verstehen, dass die Dame in der Schlange mit mehreren Kindern einiges im Kopf hat. Die Aussicht für drei Portionen Popcorn und Cola einen Kleinkredit aufnehmen zu müssen, stresst sicher zusätzlich. Aber warum verbietet jemand seinen Kindern neugierig zu sein?

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6 Gedanken zu “Mama, schau… 

  1. Ich finde sowas immer sehr schade. Grade das die Neugierde der Kinder von der Mutter so untergraben wird.

    Ich kann das alles schlecht nachvollziehen – da ich dein Äußeres nur von deinem Twitteravatar her kenne und da siehst du wirklich sehr weiblich aus – und selbst bei der Situation nicht dabei war, aber ich persönlich habe schon oft erlebt, dass, wenn ich aus Neugierde gestarrt habe, es den Menschen unangenehm war. Vielleicht wollte dir die Mutter dieses Gefühl auch nur ersparen?

    Ich hoffe, ihr hattet trotzdem einen schönen Tag im Kino und dir hat der Film gefallen 🙂 liebste Grüße ♡

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    1. Ich glaube, dass die Mutter sehr gestresst war und wahrscheinlich keine Absicht hatte, die Neugierde der Kinder so abzublocken.

      Der Kinobesuch hat uns großen Spaß gemacht. Es war ein ausgesprochen schöner Tag 🙂

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  2. Das erinnert mich an eine andere, doch irgendwie gleiche Geschichte mit meiner Tochter.
    Sie war vielleicht 7 oder 8 Jahre alt, als uns auf dem Gehweg ein Afrikaner entgegen kam.
    Meine Tochter streckte den Arm aus, zeigte mit dem Finger auf ihn und schrie ihm entgegen „Mama, guck, da kommt ein Neger!!!“

    Ich bin aufgrund meiner Lebensgeschichte und all meiner „Befindlichkeiten“ Menschen gegenüber nicht besonders souverän. Ich war erschrocken; es war mir peinlich; ich war unsicher und es plöppten in meinem Kopf Schlagworte wie „political correctness“ oder dieses „Darf man das?“; „Was sag ich denn jetzt?“; „Was tu ich denn nur?“ wild durcheinander.

    Ein Impuls schrie mich an, ganz dringend die Straßenseite zu wechseln und mich in Luft aufzulösen. All dies passierte in Bruchteilen von Sekunden.
    Mein Kind zupfte an meiner Hand und war ganz aufgeregt, weil sie noch nie einen „lebendigen Neger“ gesehen hatte….

    Ich entschied mich, dem Entgegenkommenden in die Augen zu sehen. Er war nah genug, um all das mit bekommen zu haben. Ich weiß nicht mehr genau, was ich meiner Tochter sagte – aber ich lächelte. Erzählte ihr wohl was von Afrika und dass die Menschen da andere Hautfarben haben.
    Als er auf gleicher Höhe war, sagte er das sei in Ordnung und lächelte. Wir kamen irgendwie ins Gespräch und lernten hierdurch beide – meine Tochter und ich.
    Es war gut.
    Ich glaube, oft sind Menschen zu feige, zu ihren Gefühlen, Ängsten und ihrem Unwissen zu stehen und werden deshalb abweisend und eklig.
    Aber es paßt schon… dieser Satz: „Das Verhalten eines Menschen sagt niemals etwas aus über DICH – sondern nur über den anderen selbst.“

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