Die Sache mit dem Spielzeug – oder: das Geschlecht von Dingen…

Heute erhielt ich eine Direktnachricht bei twitter, von einem Menschen, der sich empört darüber äußerte, dass gendern die Gesellschaft zerstören würde und an allem seien Schwule und Transen schuld, die zu viel mit Puppen spielten.

Ich sag mal nix zu der Wortwahl und ich habe keine Lust, jemanden, der mir einige Seiten von Vorwürfen, Beleidigungen und anderen Dummheiten schickt, eine Plattform zu geben, indem ich Screenshots oder Link zum Profil veröffentliche.

Es war 1972, als ich in einer kleinen Stadt in den Alpen geboren wurde. In den Jahren, in denen ich aufwuchs gab es durchaus Puppen – aber nicht für Jungs und in den Augen meiner Familie war ich ein Junge. Also hatte ich Autos, einen Kran, ein paar Teddybären und Lego, ich hatte Fischer Technik, Matador und einen Werkzeugkoffer. Ich hatte das Spielzeug, das man Jungs halt so gab. Und ich will gleich mal was verraten: das Spielzeug hat mein Geschlecht nicht verändert. Oh, welche Erkenntnis.

Als ich Häkeln, Stricken und Nähen lernte, stattete ich alle Plüschtiere mit Schals und Jacken aus. Alle Bären bekamen Hosen und Mützen. Man könnte jetzt soweit gehen und den Schulen und Lehrplänen die Schuld geben, dass ich zur Handarbeit gezwungen wurde, aber… ich hatte genauso Werkunterricht und habe eine wunderbare Weihnachtskrippe gebaut. Auch Handarbeiten hat mich nicht zum Mädchen gemacht.

Nichts von dem, was sich in meinem Kinderzimmer befand, war in der Lage mein Geschlecht zu ändern und wenn ihr mal kurz nachdenkt: kein Spielzeug hat die Superkraft, das Geschlecht eines Menschen zu ändern. Keine Glitzerkrone und kein Presslufthammer, kein Plüscheinhorn und kein Polizeiset mit Handschellen und Pistole – Kein Gegenstand hat die Macht einen Jungen zu einem Mädchen zu verzaubern und umgekehrt. Das liegt daran, dass wir zwar von Rollenbildern geprägte Vorstellungen von „das ist für Mädchen/Jungs“ im Kopf haben, aber dem Spielzeug ist das herzlich egal.

Gegenstände haben keine Geschlechterpräferenzen. Nagellack ist es egal, welche Genitalien der Mensch in der Hose hat und mit welchem Pronomen die Person angesprochen wird… Nagellack ist es sogar egal, wenn er auf einem Tisch oder einer Hose landet. Nagellack kann nicht mal die eigene Flasche zu oder aufschrauben! Ich bestimme, ob ich Nagellack tragen will, nicht der Nagellack.

Also, lieber Puppenhasser, es tut mir leid, dich zu enttäuschen. Spielzeug hat nicht die magischen Fähigkeiten, die du ihm zuschreibst.

Liebe Grüße,
Nina

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25 Gedanken zu “Die Sache mit dem Spielzeug – oder: das Geschlecht von Dingen…

  1. Als Mädchen habe ich gerne Ritter und Indianer und Detektiv gespielt, Puppen waren nicht so meins (allenfalls Spielfiguren à la Playmobil, und da waren’s auch Ritter, Indianer, Piraten…), aber auch immer gerne Handarbeiten gemacht, wenn auch nicht unbedingt mit großem Geschick oder Sorgfalt… ;-). Heute, als Erwachsene, denke ich, dass das ganze keine Hier-und-dort-Aufteilung ist, sondern ein Kontinuum, so dass es innerhalb der „Geschlechter“, was Vorlieben und Talente in welchem Bereich auch immer (Spielzeuge, Farben, Berufe, „typisches“ Verhalten…) angeht, genauso große Unterschiede gibt wie „zwischen“ ihnen – weil es eben auch von der Persönlichkeit abhängt.

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  2. Dann wäre ich heute ein Junge. So eine Engstirnige Beschränkte Logik. Ich habe Fußball gespielt, an Fahrräder herumgebatselt, Blutige Nasen mit anderen Jungen geholt. Bäume raufgeklettert und Prinzessin spielen, war so überhaupt nicht meins. ich war Hetero und bin es immer noch. Es ist eine Farce sich im Jahr 2016 immer noch mit solchen Leuten auseinanderzusetzen.

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  3. Ei verflixt, ich habe versucht, die Kleine auf Lego-Technik zu eichen, Autos und Eisenbahn, das hatte ich alles vom Großen zuhause und fand es albern, noch ne Mädchenausstattung anzuschaffen. Naja, das Ende vom Lied ist, das sie Baby-Born-Kataloge studiert wie einst der Große die Lego-Kataloge. Meine Kinder sind „typisch“. Aber eindeutig, weil sie so sind und nicht dazu gemacht wurden. Da tut man als Eltern nichts zu. Wieso meinen so viele, dass transgender an so etwas liegt? Ich wundere mich echt!

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  4. Ich hatte auch ein rosafarbenes Krankenbett, Puppen, ein paar Barbies und ein Puppenhaus. Die habe ich zwar eher verarztet, aber naja.^^ Dazu ganz viele Stofftiere, auch mal Kochspielzeug. Bin trotzdem trans. Eigentlich stand ich überwiegend auf meinen Nintendo DS lite, Playmobil, Lego Bionicle, Ritter, Autos, Sachbücher, Yu-Gi-Oh, und ganz besonders Pokemon. Pech gehabt, du kleiner Internettroll! 😀

    (Nina: Es gibt echt zu viele Idioten im Netz. Tut mir leid, dass die sich so bei dir auslassen.)

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  5. Gut gebrüllt! Ich weiß auch nicht was heutzutage mit den Menschen los ist…

    Mein Sohn (2) spielt total gerne mit einem Puppenwagen. OH MEIN GOTT!
    Er wollte auch schon Nagellack haben. OH MEIN GOTT!

    Ich habe früher gerne mit Autos gespielt. Zocke für mein Leben gern. Ich kann keine Socken stopfen und hasste langezeit Kleider.

    Who cares? Als ob Spielzeug oder Fächer in der Schule etwas an Gefühlen ändern würde.

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  6. Wir haben uns als die Kinder klein waren monatlich mit den Müttern und Kindern vom Vorbereitungskurs getroffen. Ein Junge spielte begeistert mit unserer Spielküche und die Mutter meinte, dass dürfte sie ihrem Mann ja gar nicht erzählen. Verständnislose Blicke der anderen…. jaaaa, nachher wird der noch schwul, wenn er mit Mädchenzeugs spielt… da weiß man nicht, ob man lachen oder schreien soll….

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  7. Als kleines Mädchen spielte ich mit Puppen, Barbies und den Legosteinen meines Bruders. Der Nachbarsjunge kam öfter rüber um mit mir zu spielen. Dann spielten wir auch zusammen mit meinen Puppen. Einige Tage später erzählte der Nachbarsjunge seinen Eltern, dass er sich vom Christkind eine eigene Puppe wünscht.
    Danach durfte er nie wieder bei mir spielen kommen…. 😟

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