Eine schwere Entscheidung…

Gedanken zu sortieren, ist nicht gerade meine Stärke. Vor wenigen Tagen hatte meine Mutter Geburtstag und ich habe ihr tatsächlich gratuliert. Eigentlich hatte ich sogar einen ziemlich angenehmen Chat mit ihr. Ich beschränke mich auf oberflächliche Themen, denn auch über anderthalb Jahre nach meinem Coming Out ist ein Gespräch über „meinen Zustand“ tabu. Irgendwie hatte ich im Sommer, als ich im Krankenhaus lag, die vage Vorstellung, meine Eltern zu einem Skype Telefonat zu überreden, um endlich mal sozusagen von Angesicht zu Angesicht  miteinander zu reden. Aber diesen Gedanken habe ich inzwischen weit weg geschoben.

In gewisser Weise bin ich ruhiger geworden. Es ist keine wirkliche Ruhe, kein Zustand des inneren Friedens, es ist nur… ich habe einen Punkt von Resignation erreicht. Im Moment habe ich keine Lust zu kämpfen, vielmehr ist es so, dass ich erkenne, dass meine Eltern auch nach der ziemlich langen Zeit keinen erkennbaren Schritt gemacht haben und da mir das sehr zusetzt habe ich beschlossen, den Kontakt auf Eis zu legen. Nein, ich habe keine mentale Hornhaut, die meine Seele vor dem Schmerz schützt. Ich bin traurig, denn irgendwie hatte ich gehofft, dass etwas passiert. Immer wieder habe ich versucht es anzusprechen und was habe ich erreicht? Meine Mutter nennt mich bei meinem alten Namen und mein Vater spricht kein Wort mit mir.

Es ist nicht leicht, einen solchen Schritt zu machen. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich meinen Eltern helfen kann, die Situation anders zu verarbeiten, aber ich finde keinen Weg. Und es ist nicht die Aufgabe eines Kindes, den eigenen Eltern zu erklären, wie sie Zuneigung für ihr Kind empfinden können. Nun sind meine Eltern am Zug und ich kann eigentlich nur hoffen. Hoffen auf eine Reaktion.

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8 Gedanken zu “Eine schwere Entscheidung…

  1. Liebe Nina 🙂
    Es ist ein bißchen heikel für mich, diesen Kommentar zu schreiben, weil ich mich davor fürchte, zu weit zu gehen. Ich mag nicht „dreist“ erscheinen oder „anmaßend“.
    Dennoch scheint es mich zu drängen in der Seele, es trotzdem zu schreiben:

    Als meine Tochter im Kindergarten war – also vor gut 20 Jahren – brachte sie eines Tages einen DIN A4-Zettel mit Heim.
    Auf diesem Zettel versuchte der Kindergarten uns Eltern etwas Wichtiges zu vermitteln.
    Ich hatte versucht, den Text irgendwo im Netz zu finden – fand ihn leider nicht.

    Man schickte uns eine Metapher in welcher es darum ging, dass Kinder eine Leihgabe Gottes an die Eltern seien.
    Dass wir uns bewußt sein sollten, dass Kinder keineswegs ein Geschenk seien.
    Sondern dass man mit ihnen verfahren solle, wie mit jeder Leihgabe.

    Elternschaft würde bedeuten, diese Leihgaben Gottes zu stärken.
    Sie wahrlich zu sehen und in ihnen ihre Stärken zu erkennen; den Grund und Sinn ihres Daseins.
    Sie zu unterstützen und ihnen Wege aufzuzeigen zu jenem zu werden, das sie bereits SIND.
    Und sie bedingungslos und stärkend zu lieben, zu achten und zu respektieren.
    Weil sie SIND – nicht, weil sie tun, was man von ihnen ERWARTET.

    Und sie dann, wenn sie erwachsen sind, an Gott zurück zu geben und in ihr eigenes, autonomes Leben zu entlassen.

    Der Text hatte mich damals sehr berührt.
    Weil er mir ein Gefühl dafür gab, was Muttersein erschaffen sollte.

    Vielleicht geht es bei dir nicht darum, deinen Eltern ebendies vor Augen zu halten – denn sie erkennen es nicht.
    Vielleicht geht es hierum, dass Du an deinen Eltern sehen, erkennen und lernen sollst, was Du mit deinen Kindern anders und besser tun sollst.
    (- ich weiß, dass Du dies eigentlich bereits tust).

    Ich kenne den Schmerz, wenn Eltern nicht lieben, das IST.
    Aber da gibt es noch so einen Satz:
    „Es kann nur zurück kommen, was gehen darf“

    Vielleicht muß man los lassen, um wieder zu finden.
    Ich wünsche dir ein großes, starkes Herz.
    Liebe Grüße, Luise

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  2. Sorry, wenn ich das sagen muss, aber Du solltest die mentale Kraft, die Du verschwendest um mit Deinen Eltern auf ein vernünftiges Level zu kommen, lieber dafür verwenden um Deinem Leben zu leben. Dafür brauchst Du genug Kraft und wenn Deine Eltern nach so langer immer noch immer nicht bereit sind Deine Entscheidung zu akzeptieren, dann gehe ich mal davon aus, dass das auch nichts mehr wird. Das ist andererseits aber auch eine Entscheidung, die Du akzeptieren musst. Dein „neues“ Leben passt nicht in ihr Weltbild und das ist etwas, auch wenn es weh tut, was man respektieren sollte.

    Gefällt 2 Personen

  3. Liebe Nina,
    Deine Eltern scheinen übetfordert zu sein .
    Ähnlich hab ich meine Mutter erlebt als ihre Enkeltochter zum Enkelsohn wurde. Auch sie benutze immer wieder gern den Frauennamen und sprach von *ihr* .
    Sie gab sich selbst die Absolution mit der Begründung sie sei schon alt.
    In einem Gespräch hab ich sie gefragt was denn dagegen spricht sich zu bemühen einen geliebten Menschen auf seinem Weg zu begleiten auch wenn man es nicht nachvollziehen kann oder will. Es ist doch der Mensch den man liebt nicht sein Geschlecht.
    Wenn man allerdings mit seinem Leben nicht anerkannt und ignoriert wird, dann sollte man einen cut machen weil s. einen sonst auffrißt.
    Ich wünsche Dir die Kraft das für dich richtige zu tun .💝
    Lg
    Stine

    Gefällt 1 Person

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