Über Äußerlichkeiten…

In einem der berühmtesten Fantasy Romane bestimmt ein Hut, in welche Gruppe jemand gehört. Erstaunlicherweise unterlaufen dem Hut niemals Fehler oder ich habe überlesen, dass jemand vom einen Haus in ein anderes wechseln wollte. In meinem Leben war es kein Hut, der mich einer Gruppe zuordnete, nein, beim mir war es eine Hebamme (so wurde mir zumindest gesagt), die nach Interpretation meiner äußerlichen Anatomie verkündetet hat: „Es ist ein Junge!“

Ich nehme es ihr nicht übel. In der alten Tradition von Genitalienlesern ist es nun mal üblich die Bestimmung des Geschlechts aufgrund von Äußerlichkeiten zu treffen. Aber die gute Dame lag falsch. Die Gruppe, der ich zugeordnet wurde, war nicht die, in die ich passte und seit meiner Kindheit habe ich immer wieder versucht, das meinem Umfeld zu vermitteln.

Nun ist es so, dass die meisten Menschen, mit denen ich mich unterhalte, anfänglich keine Vorstellung von Transsexualität haben und viele merken erste in der Unterhaltung mit Betroffenen, dass es abgesehen von den offensichtlichen Hürden auch jede Menge kleiner Problematiken gibt, mit der trans* täglich zu kämpfen haben. Ich selbst muss zugeben, dass es mir in Gesprächen mit inter* oder nonbinary Menschen auch oft so geht.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Äußerlichkeiten sehr wichtig sind. Überall werden wir damit konfrontiert, wie wir auszusehen und wie wir uns zu geben haben. Wie oft lese ich, dass eine Gruppe Menschen einer anderen sagt, was sie tragen darf/muss.

Äußerlichkeiten bestimmen so viel und in Wirklichkeit bedeuten sie so wenig.

Wenn Menschen, die mich meistens nicht einmal kennen, erklären, ich wäre ein Mann, dann frage ich mich, wann dieses Interpretieren von Äußerlichkeiten jemals aufhört. Ich versuche mal, etwas zu erklären… In ganz einfachen Worten:

Ich bin eine Frau. Das weiß ich, weil ich es fühle.
Mehr braucht es dazu nicht. Und ich war immer eine Frau.

Ja, ich weiß, dieser Körper… ich weiß, ich entspreche nicht Eurem Ideal, aber wer tut das schon? Wer hat schon die perfekte Figur, das perfekte Alter, die perfekten Maße, den passenden Stil… Welche Frau hat die perfekten Brüste, das perfekte Gewicht, die perfekte Haut?
Mein Körper ist, wie er ist. Er ist nicht perfekt.
Niemand, wirklich niemand außer mir selbst, kann mir sagen, was ich fühle und was ich bin.

Ihr könnt nur sagen, was ihr von mir seht.
Wenn ihr einen Mann seht, dann tut ihr mir leid, denn dann habt ihr nie gelernt, Menschen anzunehmen, wie sie wirklich sind. Ihr seht nur, was eure Oberflächlichkeit zulässt.

Die Seele eines Menschen kann man nicht sehen. Ihr könnt mir nicht sagen, welche Farbe sie hat.

Advertisements

7 Gedanken zu “Über Äußerlichkeiten…

  1. Ich danke Dir für diesen Blog und die vielen Gespräche, die wir schon miteinander geführt haben. Denn ich muss zugeben, dass auch ich nach dem gleichen Prinzip „funktioniere“, wie vielleicht die meisten anderen Menschen: man sieht, was man erwartet und glaubt dem Anschein- nur allzu oft.
    Wie oft bin ich wohl in Fettnäpfe getreten, indem ich mir zu früheren Meinung gebildet, mir die falschen oder zu wenige Fragen gestellt habe oder die falsche Formulierung gewählt habe. Und wie oft wird es noch vorkommen, dass ich auf diese Weise jemanden unabsichtlich verletze?
    Ich empfinde allein das weite Feld der gegenderten Formulierungen schon als große Herausforderung. Ich bemühe mich, es allen Recht zu machen, niemanden vor den Kopf zu stoßen. Und ich bin wohl blutige Anfängerin, was das betrifft. Oft bin ich einfach unsicher.

    Und da bin ich unheimlich froh darüber, Dich kennengelernt zu haben. Denn ich habe nicht den Eindruck, dass Du mich für die Stereotype verurteilst, mit der ich aufgewachsen bin und die ich offenbar noch lange nicht vollständig ablegen konnte. Nein, Du verurteilst nicht, Du informierst. Du regst zum Nachdenken an.
    Darüber bin ich froh und dankbar.

    Ich erlebe Dich als reflektierte Frau, die andere gern unterstützt. Die weiß, dass sie selbst nicht fehlerfrei ist, die eine nicht aufgrund einer unbeholfenen Formulierung abstempelt.

    Danke dafür! Und bitte mach weiter, so lange es sich für Dich gut anfühlt.

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo,

      Ich habe heute mit Genuss deinen Blog gelesen und freue mich sehr dich zu lesen.

      Stereotype… Ich glaube viele davon zerbrachen, als ich anfing mich nicht mehr nach den vorgegebenen Rollen zu orientieren. Mit verurteilen habe ich es nicht so. Das machen mehr als genug andere, die es nichts angeht.

      Dein Kommentar freut mich außerordentlich und tut mir echt gut, da ich im Moment reichlich Selbstzweifel spüre und da ist so eine persönliche Reaktion echt ein Anlass in eine andere Richtung zu denken.

      Danke ❤
      Nina

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s