Monat: Oktober 2016

Sonntagsbraten…

Meine Großmutter konnte sehr gut kochen. Die Erinnerung an ihre Knödel sind bis heute so intensiv, dass mir beim Gedanken daran das Wasser im Mund zusammen läuft. Aber sie kochte nach Gefühl und nicht nach Rezept. Dieses Gefühl an die nächste und gar übernächste Generation weiter zu geben, ist fast unmöglich.

Heute morgen hatte ich den genialen Plan Semmelknödel zu machen, denn heute gibt es ein seltenes Mahl: Braten. Kartoffelknödel hab ich irgendwie immer, aber ich wollte einmal wieder was anderes. Knödelbrot hab ich da, also einfach ein Rezept raus suchen… Und da steh ich dann vor meinen alten Kochbüchern – einige hab ich von Oma geerbt und schon hab ich den Geruch ihrer Küche in der Nase. Ich rieche, die angerösteten Ziebeln, die Butter und die Liebe, die sie beim Kochen immer als Extrazutat rein gab.

Den Teig mit Händen kneten und die ersten Knödel formen – eine Zeitmaschine im Kopf. Nun warte ich, denn die Knödel müssen ruhen. In der Küche duftet es jetzt nach Kräutern, Zwiebeln, Knoblauch und Braten. Und gleich mal mach ich den Kartoffelteig – die restliche Familie will lieber Kartoffelknödel 😉

Ich wünsche euch euch einen schönen Sonntag.

Ach ja, das Rezept (für 3-4 Knödel):

  • Knödelbrot (ca. 120-130 g getrocknete, in Würfel geschnittene Semmeln)
  • 150 ml Milch (lauwarm)
  • ca. 30 g Butter – geschmolzen
  • 1 Ei
  • Salz, Petersilie, etwas geröstete Zwiebel
  • eine Prise Liebe

Die flüssigen Zutaten zusammen in einer Schüssel über das Knödelbrot und durchkneten. Salz, Petersilie und Zwiebel dazu. Aus der Masse Knödel formen und etwa eine Stunde kühl stellen. Dann in leicht siedendem Wasser kochen 😉 Guten Appetit!

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Aufgewacht…

Nein, ich will noch nicht wach sein. Eigentlich war ich fest eingekuschelt… Tja, nun sitze ich auf der Couch und lese. Der Großteil der Familie schläft noch. Sogar die Meerschweinchen höre ich kaum.

Ich weiß , es sind maximal zwanzig Minuten, bis kleine Füße hier herum laufen. Zwanzig Minuten Ruhe – ein kleiner Schatz. 

Wie ein Pendel…

Content Warnung: trigger, Depression, Suizidgedanken
Gestern erfuhr ich, dass meine Hormonwerte sehr gut sind. 
Heute Vormittag hatte ich unvermittelt eine Panikattacke.

Meine Emotionen sind wie ein Pendel, dass es mir oftmals Angst macht. Die Externe liegen weit auseinander und sind unberechenbar. Heute fand ich Ausgleich darin, bewusst Zeit mit meinem  jüngsten Sohn zu verbringen. Er genießt meine Aufmerksamkeit sehr und ich seine. Vor sechs Jahren, als ich von ihm nur gelegentliche Tritte im Bauch seiner Mutter spüren konnte, da war ich an einem Tiefpunkt angekommen.
Einige Wochen lang kämpfte ich mit schwersten Depressionen, bis ich in einer einzigen Woche jeden Tag nur knapp schaffte den Suizidgedanken nicht nachzugeben. Das war der Zeitpunkt, an dem ich meinem Mut zusammen nahm und mit meiner Frau sprach. Ich erklärte ihr, dass ich mich nicht weiter vorstellen kann, so zu tun, als wäre ich ein Mann. Sie hörte aufmerksam zu, ruhig und sprach auch geduldig mit mir. Ich konnte endlich sagen, dass ich mit der Rolle, die ich täglich spielte, nicht mehr zurecht kam und erklärte ihr, dass ich nicht damit leben könnte, meine Kinder jeden Tag anzulügen. 

Ein Gespräch am absoluten Tiefpunkt führte in ein neues Leben. Damals habe ich gelernt, dass Ehrlichkeit und Geduld die ganze Welt verändern können, denn in gewisser Weise ist meine Welt damals neu entstanden.

Ein Aufruf meinerseits…

Immer wieder – besonders in Diskussionen im feministischen Umfeld – begegne ich Aussagen wie: „Feminismus können nur Frauen praktizieren“ oder „… um den Standpunkt zu verstehen , muss man Frau sein.“

Nun hab ich meine sehr persönliche Haltung zu solchen Aussagen. Darüber hinaus stelle ich mir dann immer die Frage: „Was bedeutet Frau sein für dich?“ Natürlich nicht nur Frau sein , auch Mann sein, trans sein, du sein… Und diese Frage stelle ich Euch, wer nicht über Kommentar antworten will, kann mir gerne eine Mail an nina@klischeefrei.de schreiben. Ich bin neugierig.

Gut sichtbar… 

Heute mal ein ganz anderes Thema. Der Herbst ist angekommen und morgens ist es schon ziemlich dunkel. Für mich ist es die Jahreszeit, in der gerade diese Dunkelheit mich beschäftigt. Nicht nur, weil meine Psyche einige Zeit braucht, um sich daran zu gewöhnen. 

Jeden Morgen bringe ich meine Kinder zur Schule und zum Kindergarten. In der Morgendämmerung bin ich nicht so wach, wie im Sommer und vielen Autofahrern geht es ähnlich. Meine Kinder kennen das herbstliche Ritual:morgens ging es Reflektorjacken.

Und da ich zwar größer, davon aber nicht unbedingt im Dunkeln besser sichtbar bin, trage auch ich Reflektoren. Es ist einfach, ein wenig mehr Sicherheit zu schaffen. Bitte passt auf euch auf. 

Eine schwere Entscheidung…

Gedanken zu sortieren, ist nicht gerade meine Stärke. Vor wenigen Tagen hatte meine Mutter Geburtstag und ich habe ihr tatsächlich gratuliert. Eigentlich hatte ich sogar einen ziemlich angenehmen Chat mit ihr. Ich beschränke mich auf oberflächliche Themen, denn auch über anderthalb Jahre nach meinem Coming Out ist ein Gespräch über „meinen Zustand“ tabu. Irgendwie hatte ich im Sommer, als ich im Krankenhaus lag, die vage Vorstellung, meine Eltern zu einem Skype Telefonat zu überreden, um endlich mal sozusagen von Angesicht zu Angesicht  miteinander zu reden. Aber diesen Gedanken habe ich inzwischen weit weg geschoben.

In gewisser Weise bin ich ruhiger geworden. Es ist keine wirkliche Ruhe, kein Zustand des inneren Friedens, es ist nur… ich habe einen Punkt von Resignation erreicht. Im Moment habe ich keine Lust zu kämpfen, vielmehr ist es so, dass ich erkenne, dass meine Eltern auch nach der ziemlich langen Zeit keinen erkennbaren Schritt gemacht haben und da mir das sehr zusetzt habe ich beschlossen, den Kontakt auf Eis zu legen. Nein, ich habe keine mentale Hornhaut, die meine Seele vor dem Schmerz schützt. Ich bin traurig, denn irgendwie hatte ich gehofft, dass etwas passiert. Immer wieder habe ich versucht es anzusprechen und was habe ich erreicht? Meine Mutter nennt mich bei meinem alten Namen und mein Vater spricht kein Wort mit mir.

Es ist nicht leicht, einen solchen Schritt zu machen. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich meinen Eltern helfen kann, die Situation anders zu verarbeiten, aber ich finde keinen Weg. Und es ist nicht die Aufgabe eines Kindes, den eigenen Eltern zu erklären, wie sie Zuneigung für ihr Kind empfinden können. Nun sind meine Eltern am Zug und ich kann eigentlich nur hoffen. Hoffen auf eine Reaktion.