Passing oder der Blick auf die Möpse

Morgens bin ich nicht ganz da. Mehr oder weniger steuert mein Gehirn mich, wie ein gut programmierter Autopilot zur Bushaltestelle und irgendwann, wenn der Kleinste beim Kindergarten abgegeben ist, wache ich langsam wirklich auf.

Natürlich bin ich dann schon durch die halbe Stadt gefahren und meistens stehe ich in irgendeinem Supermarkt und überlege langsam, was ich am Einkaufszettel stehen habe, der noch zuhause liegt. Ich bin also mitten unter Menschen. In den letzten Wochen merke ich, dass die Blicke weniger werden. Entweder haben sich die Leute in unserem kleinen Städtchen an mich gewöhnt oder – was ich fast glaube – mein Passing wird besser.

Das liegt sicher an den Möpsen. Meine Oberweite ist für mich sehr zufriedenstellend geworden und immer wieder merke ich, dass mir wildfremde Menschen auf die Brust schauen. Es ist ein ungewohntes Gefühl. Verglichen mit den oft ablehnenden Reaktionen ist es regelrecht ein Kompliment und doch ist es befremdlich.

Bedeutet Frau sein wirklich, Objekt zu sein? Schmückendes Beiwerk für alle Passanten? Als ich noch Mann spielte, wurde ich nie so angesehen. Ich fühlte mich nie, wie ein dekorativer Appetithappen. Aber genau das vermittelt der Blick an die Brust sehr deutlich. Ich bin definitiv keine ausgesprochen attraktive Fau – verglichen mit dem landläufigen Schönheitsideal. Ich bin Mitte 40, habe reichlich Bauch und abgesehen von meiner Schuhauswahl finde ich mich nicht besonders sexy.

Ich versuche in den Reaktionen das positive zu sehen: ich werde als Frau wahrgenommen. Tja. Das ist ein Highlight. Gut, ein paar Schritte höre ich dann: „Aldda, hast du die Transe gesehen?“ und schüttle innerlich den Kopf. vielleicht ist es gut, dass ich morgens nicht alles mitbekomme. Danke, mein Autopilot!

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5 Gedanken zu “Passing oder der Blick auf die Möpse

  1. Ja, manchmal ist es schon sehr auffällig wenn der Blick entgegenkommender (männlicher) Passanten runter auf die Brüste wandert… bzw. schauen sie oft garnicht erst so weit nach oben wo der Kopf sitzt. Irgendwo finde ich es belustigend… andererseits schon ein wenig zu klischeehaft. Besonders Männer geschätzt ab Mitte 30 fallen mir dabei eher auf als Jüngere.
    Das kann einerseits schmeichelhaft sein, andererseits erkennst du es genau richtig das man sich ein bisschen zum Objekt degradiert vorkommt. Ich schau doch auch nicht automatisch wie weit sich die Hose ausbeult 😉
    Aber am Ende sollte man „nur Blicke“ mit einem innerlichen Schmunzeln abtun… uns sich ein ganz kleines bisschen doch geschmeichelt fühlen 🙂

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  2. Fällt mir schon gar nicht mehr auf, wenn es bei mir passieren sollte ^.^

    Ich schaue selber immer dann, wenn mir die Form auffällt. Also bei 80er Jahre Spitztüten, die einige ältere Damen vor allem wegen den BHs haben, da rutscht bei mir der Blick auch schon mal tiefer 😀

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  3. Wobei ich Blicke auf die Brüste (oder woanders auf den Körper) als Kompliment empfinde. Wenn jemand sagt „Tolle Brüste!“, empfinde ich mich nicht zum Objekt herabgesetzt. Entweder findet die Person meine Brüste als individuelles toll, d.h. ohne direkt mit mir Sex haben zu wollen oder sie finden mich in der Tat als sexuelles Wesen toll, dann gehe ich aber davon aus, dass mein Charakter sie längst angesprochen hat.
    Davon abgesehen gugge ich Männern auch auf den Po. Oder den sexy Oberkörper. Oder finde sonstirgendwas an ihnen süß. Und ich (CIS-Frau, hetero) habe auch schon Frauen gesagt, dass ich ihre Brüste toll finde 🙂

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