Der Psychologe war da…

Contentwarnung: Trigger/Suizidgedanken

Vorgestern war ich ziemlich verzweifelt. Meine Venen sind schlecht, ein weiteres Detail, wo mein Körper nicht macht, was ich will und wegen der Venen wurde ich mehrfach gestochen, bis mal ein Zugang lag, um meinen Körper mit Medikamenten zu versorgen… Meine Unterarme waren haarig, zerstochen, voller Blauer Flecke und taten weh… und dann sollte eine Infusion laufen und der Tropf stand still. Als die Ärztin zum stechen kam, brach meine Verzweiflung und Wut gegen den eigenen Körper endgültig durch. Ja, in diesen Augenblicken hasse ich den Kerl in dem ich lebe sehr. Im Krankenbett zu äußern, dass man den eigenen Körper hasst, dass man raus will und auch die aufkommenden Suizidgedanken offen zuzugeben, hat Konsequenzen. Bei der nächsten Gelegenheit ist der Stationspsychologe da und hat reichlich Zeit. In akuten Fällen wird man durchaus auch in eine sichere Station verlegt (Psychiatrie).

Nun könnte ich alles mögliche sagen, aber ich finde das eigentlich sehr gut UND ich war mir, als ich heulend im Bett lag bewusst, dass auf meine Äußerungen hin etwas passieren würde. Ich bin mir bewusst, dass man nicht einfach sagen kann: „Ich will nicht mehr“, ohne dass versucht wird, Hilfe zu finden. Mein Hass auf den eigenen Körper hielt zwar eine Weile in voller Intensität an, aber nach einiger Zeit wurde die Wut kleiner, die Stimme im Kopf leiser und ich kam zur Ruhe. Dabei halfen auch die Pfleger*innen und Ärzt*innen, die mich mit großer Geduld behandelten. Am wichtigsten war allerdings, dass der letzte Zugang für mehrere Infusionen hielt und somit die Behandlung ohen zusätzliche Schmerzen erfolgen konnte.

Eben war dieses Gespräch mit dem Psychologen. Wir saßen am Tisch und sprachen über alles mögliche. Meine Transition, meine Familie, die Behandlung und wie die aktuelle Erkrankung sich bei mir psychisch auswirkt. Eigentlich blieb kein Thema unberührt und ich muss ehrlich sagen, es war überraschend befreiend mal einem anderen Psychologen zu begegnen. Erstaunlich war, dass er lange brauchte, um zu erkennen, dass ich mich im Alltag nicht mehr um mich und meine Transsexualität drehe, sondern meine Probleme die einer ganz normalen Frau sind (abgesehen von den Differenzen mit meinem Körperkerl).

Jetzt ist er weg. Mein Zimmer leer, die Sonne scheint und ich mache mir Notizen für den nächsten Text… Ich lebe im Augenblick, im Jetzt. Das, so meinte der Psychologe, sei eine große Stärke.

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2 Gedanken zu “Der Psychologe war da…

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