Die Differenzen zwischen Körper und Seele…

Als ich im Oktober letzten Jahres meine Hormonbehandlung begonnen habe, habe ich keine Wunder erwartet. Bereits im Vorfeld hatte ich mich über die Wirkungsweisen der gängigen Behandlungsformen informiert und wusste daher, dass mein Körper nicht von einen Tag zum anderen sein männliches Erscheinungsbild aufgeben würde.

Nun sind einige Monate vergangen und ich will mal die Veränderungen betrachten:

  • Ich habe Brüste bekommen. Selbst nach der langen Zeit ziehen und jucken diese noch, so dass ich annehme, dass das Wachstum nicht ganz abgeschlossen ist.
  • Mein Bart wächst minimal langsamer. Für einen Dreitagebart brauche ich nun 3 Tage, statt vorher 2
  • Meine Körperbehaarung wächst etwas langsamer. Was in etwas das bedeutet: ich habe einen Tag lang keine Stoppeln, wenn ich Brust, Beine, Bauch oder Rücken rasiere. Am Rücken ist die Behaarung ein wenig weniger geworden. Ich habe, wenn ich mich nicht alle 3-5 Tage rasiere, noch immer einen deutlich sichtbaren Brustbart.
  • Stimmungschwankungen: Ja, Ja, Ja, ne, ja, doch. Ich habe durch die Medikamente nicht mehr Depressionen als vorher, bin eigentlich ein wenig ruhiger geworden, aber gelegentlich ist mein emotionales Gleichgewicht eher eine Wippe, als eine Waage.
  • Figur: Tja… die Schultern werden langsam etwas weicher und mein Hintern wird runder. Die Veränderungen passieren aber so langsam, dass ich sie selbst nicht wahrnehme.
  • Muskulatur: ich bin schneller erschöpft, habe weniger Kraft und Ausdauer, obwohl ich meinen Tagesablauf und damit die Bewegung nicht verändert habe. Dennoch sind manche Einkaufstüten jetzt nach ein paar hundert Metern doppelt so schwer.

Im Spiegel sehe ich also trotzdem jeden Morgen den gleichen Kerl. er ist unrasiert, hat schütteres Haar und mit den Haaren auf der Brust wirken die schönsten Brüste nicht gerade sexy. Meine Seele schreit Frau und mein Körper ist trotz der Hormone nicht bereit von seinem Kerlsein abzurücken. Wenn ich einfach in T-Shirt und Jeans ohne Makeup auf die Straße ginge, würde noch immer niemand in mir eine Frau erkennen.

Also, wenn ihr m2f-trans* seid und auf die Hormonbehandlung hinfiebert: setzt eure Erwartungen nicht zu hoch. Besonders, wenn ihr, wie ich schon ein paar Jahrzehnte Testosteron im Körper hattet. Der Körper verändert sich, aber es passieren keine Wunder. Die Hormone selbst machen nicht auf Knopfdruck eine Frau aus Euch. Frau sein beginnt nicht mit Hormonen und nicht beim Körper… ich habe in diesem Jahr erkannt, was folgender Satz bedeutet: „Ich war immer eine Frau.“ – und das bin ich auch mit Bartstoppeln, Brustbart, haarigen Armen und Beinen, breiten Schultern, hoher Stirn und tiefer Stimme.

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Ein Gedanke zu “Die Differenzen zwischen Körper und Seele…

  1. Liebe Nina, vor einiger Zeit habe ich dir in einem Kommentar geschrieben, dass ich deinen Blog neu entdeckt hab und gespannt darauf bin, in deine Welt einzutauchen.
    Ich danke dir, dass du so offen über deine Lebensumstände sprichst und mir dadurch ermöglichst, dich besser zu verstehen. Wenn ich deine Artikel lese, muss ich häufig über mich und meine Ansichten nachdenken und kann eine immer mehr differenzierte Meinung zu verschiedenen Themen entwickeln.
    Du bist auf einem guten Weg, mach bitte immer weiter so! Liebe ist immer stärker als Hass und spätestens das Karma regelt alles 😉
    Alles Liebe!!

    Gefällt 2 Personen

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