Kann ich Ihnen helfen?…

Kleidung ist was tolles, aber es ist eine wahre Kunstform, passende, gut sitzende Kleidung zu finden, die ich mir auch leisten kann. Modemacher haben eine Vorstellung von ihren Kunden und in dieses Muster passe ich – wie die meisten Frauen, die ich kenne – nicht im geringsten. Ich bin nicht schlank, meine Rundungen sind an den „falschen“ Stellen und obendrein sind meine Schulter breiter und die Arme etwas…. sagen wir umfangreicher.

Es kann durchaus sein, dass ich mich täusche, aber ich habe den Eindruck, Männer sind im Textilhandel als Kunden eine eigene „Spezies“. Bei weiblichen Kunden wird angenommen, dass sie ihre Größe kennen. Es wird angenommen, dass sie bezüglich Schnitt, Material und Preis wenigstens eine grobe Vorstellung haben. Anders bei Männern. Der Fragekatalog beginnt dort tatsächlich bei der Kleidergröße… Und ich, ja ich,… wie sag ich das nun?

In der Fußgängerzone sind die Schaufenster in denen große SALE Schilder prangen. Und ja, ich werde davon angezogen, wie Motten vom Licht. Und dann stehe ich halbblind mit Sonnenbrille auf der Nase im Neonlicht. Meistens dauert es nicht lang und ich ziehe die Aufmerksamkeit des Personals auf mich. Spätestens, wenn ich bei einem der Aufsteller nach einem Teil in meiner Größe suche, höre ich ein freundliches: „Kann ich Ihnen helfen?“  – Spätestens da habe ich das unbändige Verlangen: „Ein Kaffee mit Milch ohne Zucker wäre super“, zu antworten. Mein Schweigen wird missverstanden und ich werde gefragt, ob ich meine Größe kenne. Ich sende den Kopf, fasse mir mit Zeigefinger und Daumen ans Nasenbein und schließe die Augen,ansonsten würde mein Blick nun jemanden töten. Die Verkäuferin ist jung und offensichtlich bemüht, freundlich zu wirken und trotzdem hat sie mit gezeigt, dass sie in mir einen Mann sieht.

„Nein, sie können mir nicht helfen und ja, ich kenne meine Größen.“ Mein Tonfall ist ruhig. Die junge Frau sieht ein wenig hilflos aus. „Ich bin eine Frau. Und ich suche ein Oberteil. Weite Ärmel, nicht zu kurz – bauchfrei ist nicht ganz mein Ding“ ich lächle, sie auch. Immerhin stehe ich in der Abteilung für Umstandsmode und ich halte schon ein Teil in der Hand.

Mein Sohn kommt angelaufen: „Nina, ich muss dir was zeigen!“ seine Lockerheit und der aufgeregte Tonfall beendet das kurze Gespräch. Ich muss in die Kinderabteilung, denn dort ist ein wirklich tolles T-shirt… Ein wirklich echt cooles T-shirt!

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Ein Gedanke zu “Kann ich Ihnen helfen?…

  1. Auch wenn es dein Problem nicht lösen hilft, möchte ich dir gerne sagen, dass dies auch mir nicht anders geht; auch als cis-Frau nicht.
    Auch ich habe ein recht breites Kreuz und mein Mann hatte einst gesagt, was ich als Oberarm habe, hätte manch andere Frau als Oberschenkel….. (nein, das war nicht charmant….)
    Ich hasse es, einzukaufen; in Geschäfte zu gehen und ich hasse auch Verkäuferinnen….
    Dieses freundliche Bemüht-sein, ohne jede Ahnung davon, was mir wirklich gefallen könnte.
    Und das Herantragen von „altersgerechter“ Kleidung, die niemals für mich in Frage käme….

    Die Schwierigkeit, wenn man vom Umfang her 46 bräuchte – dann aber der Ausschnitt zu groß und die Ärmel noch immer zu eng sind.
    Und die Hosen auf die Schenkel passen aber am Hohlkreuz für 3 Hände Platz lassen und der Bund absteht.
    Ich bin froh, wenn ich wenigstens „irgendwas“ im Katalog finde das mir einigermaßen paßt.
    Aber „shoppen“ geh ich ganz gewiß nicht. Weil ich mich grausam fühle, wenn ich mir Teile von 42 – 46 mit in die Umkleide nehmen muß, um herauszufinden, was passen könnte – und dann steht es mir am Ende ohnehin nicht.

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