Gedanken über Vorurteile…

Ich werde oft gefragt, ob die Menschen wirklich so intolerant und aggressiv sind. und kann dann nur antworten: „Viele, ja.“ Ich kann nicht sagen, dass Menschen generell unfreundlich und ablehnend sind, im Gegenteil, ich erlebe viele Menschen, die – obwohl sie noch nie mit dem Thema konfrontiert waren – eine sehr offenen Haltung haben. Diese Menschen stellen oftmals Fragen und zeigen sich interessiert.

Und dann sind da noch die, die keine Ahnung von Transgender haben, aber eine vorgefertige Vorstellung. Meistens ist das Bild, das diese Menschen darstellen einfach: eine Transfrau wäre ein Mann mit dem Fetisch Frauenkleidung zu tragen… und Menschen, die so einen Fetisch haben, traut man auch allerlei andere skurrile Neigungen zu.

Lange Zeit habe ich versucht, bei diesen Menschen mit Argumenten und Gesprächen etwas zu erreichen, aber in Wirklichkeit, haben diese Menschen gar nicht das Bedürfnis, ihre Vorstellung zu verändern. Sie leben mit einem Vorurteil und ihre Welt ist damit in Ordnung. Tja, eigentlich könnte ich die also einfach ignorieren, denn bekehrbar sind sie ja nicht. Aber, das kann ich nicht. Zu oft erlebe ich, dass transgender von genau solchen Menschen in der eigenen Verwandtschaft erzählen – und wie sehr sie darunter leiden.

Und dann denke ich an meine Familie. Meine Eltern haben es bisher nicht wirklich geschafft, meine Andersartigkeit zu verstehen und dazu trägt auch das Bild „der Transe“ (mit Fetisch), das irgendwie noch immer präsent ist, bei.

Ich habe keinen Fetisch, zumindest wüsste ich nichts davon, und ich bin definitiv kein Mann. Die Rolle „Mann“ habe ich lange gelebt – auf allen Ebenen des menschlichen Zusammenlebens – aber abgesehen davon, dass mein Körper die „männlichen“ Organe hat, war nichts in mir männlich. Nie. Wenn ich also mit dem oben beschriebenen Vorurteil konfrontiert werde, reagiere ich deutlich. Natürlich versuche ich mir Argumenten und sachlichen Gesprächen zu überzeugen, aber oftmals endet es damit, dass ich einfach den Kopf schüttle und ein klein wenig resigniere.

Man kann Ball einen Baum nennen. Davon wird es aber keiner. Man kann einen Tranfrau Mann nennen, einen Transmann Frau… das einzige, das man mit dem Beharren auf Vorurteilen wirklich zeigt, ist die eigene Unfähigkeit Menschen als das anzunehmen, was sie sind.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Gedanken über Vorurteile…

  1. Hallo Nina,

    ich habe auf Umwegen zu deinem Blog gefunden und bin sehr froh darüber, nun öfters in ihm lesen zu können. Dabei ist mir besonders wichtig, das du die Dinge beim Namen nennst und keine Schönfärberei betreibst. Da ich selbst eine `Transfrau´ bin, fühle ich mich oft bestätigt. wenn du von den leider nicht immer sehr erfreulichen Erfahrungen mit den Mitmenschen berichtest.
    Auch deshalb bin ich sehr gespannt auf deine nächsten Beiträge!

    LG
    Michael

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s