Monat: Juli 2016

Die Differenzen zwischen Körper und Seele…

Als ich im Oktober letzten Jahres meine Hormonbehandlung begonnen habe, habe ich keine Wunder erwartet. Bereits im Vorfeld hatte ich mich über die Wirkungsweisen der gängigen Behandlungsformen informiert und wusste daher, dass mein Körper nicht von einen Tag zum anderen sein männliches Erscheinungsbild aufgeben würde.

Nun sind einige Monate vergangen und ich will mal die Veränderungen betrachten:

  • Ich habe Brüste bekommen. Selbst nach der langen Zeit ziehen und jucken diese noch, so dass ich annehme, dass das Wachstum nicht ganz abgeschlossen ist.
  • Mein Bart wächst minimal langsamer. Für einen Dreitagebart brauche ich nun 3 Tage, statt vorher 2
  • Meine Körperbehaarung wächst etwas langsamer. Was in etwas das bedeutet: ich habe einen Tag lang keine Stoppeln, wenn ich Brust, Beine, Bauch oder Rücken rasiere. Am Rücken ist die Behaarung ein wenig weniger geworden. Ich habe, wenn ich mich nicht alle 3-5 Tage rasiere, noch immer einen deutlich sichtbaren Brustbart.
  • Stimmungschwankungen: Ja, Ja, Ja, ne, ja, doch. Ich habe durch die Medikamente nicht mehr Depressionen als vorher, bin eigentlich ein wenig ruhiger geworden, aber gelegentlich ist mein emotionales Gleichgewicht eher eine Wippe, als eine Waage.
  • Figur: Tja… die Schultern werden langsam etwas weicher und mein Hintern wird runder. Die Veränderungen passieren aber so langsam, dass ich sie selbst nicht wahrnehme.
  • Muskulatur: ich bin schneller erschöpft, habe weniger Kraft und Ausdauer, obwohl ich meinen Tagesablauf und damit die Bewegung nicht verändert habe. Dennoch sind manche Einkaufstüten jetzt nach ein paar hundert Metern doppelt so schwer.

Im Spiegel sehe ich also trotzdem jeden Morgen den gleichen Kerl. er ist unrasiert, hat schütteres Haar und mit den Haaren auf der Brust wirken die schönsten Brüste nicht gerade sexy. Meine Seele schreit Frau und mein Körper ist trotz der Hormone nicht bereit von seinem Kerlsein abzurücken. Wenn ich einfach in T-Shirt und Jeans ohne Makeup auf die Straße ginge, würde noch immer niemand in mir eine Frau erkennen.

Also, wenn ihr m2f-trans* seid und auf die Hormonbehandlung hinfiebert: setzt eure Erwartungen nicht zu hoch. Besonders, wenn ihr, wie ich schon ein paar Jahrzehnte Testosteron im Körper hattet. Der Körper verändert sich, aber es passieren keine Wunder. Die Hormone selbst machen nicht auf Knopfdruck eine Frau aus Euch. Frau sein beginnt nicht mit Hormonen und nicht beim Körper… ich habe in diesem Jahr erkannt, was folgender Satz bedeutet: „Ich war immer eine Frau.“ – und das bin ich auch mit Bartstoppeln, Brustbart, haarigen Armen und Beinen, breiten Schultern, hoher Stirn und tiefer Stimme.

Eigentlich… 

Eigentlich sollten Blicke mich nicht treffen. Eigentlich. Heute war ich mit meinen Kindern in der Nachbarstadt. Ein kleiner Ausflug zu einem Spielzeugladen – ganz ohne mir vorher Gedanken zu machen.

Eigentlich sollte mir Geschlecht, Herkunft und kultureller Hintergrund der Menschen egal sein. Aber die Reaktionen von Männern sind deutlicher, als die von Frauen. Menschen mit Migrationshintergrund reagieren deutlich heftiger. Noch heftiger reagieren Mitglieder von Musikkapellen und Schützenvereinen. Menschen vor sakralen Nutzbauten (jede Art von Kirche, Tempel…) machen mir eindeutig mehr Angst. Menschen, die reichlich Alkohol konsumieren machen mir Angst. Gruppen von Männern – machen mir Angst.

Eigentlich sollte ich mir keine Gedanken machen, über Menschen, die mir einfach am Wegrand begegnen.

Eigentlich.

Trotzdem wechsle ich mit den Kindern die Straßenseite, meide Straßen mit Dönerbuden und Currywurststände, senke den Blick, wenn Männer meinen Weg kreuzen, ziehe meine Kinder näher an mich, wann immer ich eine eigentlich harmlose Situation erlebe.

Eigentlich sollte ich mit meinen Kindern einfach durch die  Stadt gehen können. Eigentlich kann ja nichts passieren. Eigentlich.

Trans sein – sucks.

Immer, wenn mir jemand sagt, dass ich mir das ausgesucht hätte, das trans sein, dann laufe ich heiß. Mir fällt eigentlich nichts ein, was ich als Vorteil des trans seins nennen könnte. Ja, ich darf sein, wie ich bin, wie ich mich fühle.

Aber: wie die meisten Trans* kann ich nicht unbemerkt durch die Straßen gehen. Trans sein isoliert gewissermaßen. Trans sein grenzt aus. Und als Gimmick oben drauf die Hormonbehandlung: ja, ich habe Brüste bekommen – mit Brustbart, mein Bart wächst unbeeindruckt weiter, so wie alle Haare am Körper und als Tüpfelchen am i hab eich zwar Lust im Kopf, aber nur dort…

Nein, es gibt keinen Vorteil an Transsexualität. Wenn ich jemals eine Fee treffen sollte, dann weiß ich, was ich mir als erstes wünsche.

Für Ämter ist es besonders schwer… 

Man sollte meinen, wenn die Personenstandsänderung  durchgeführt ist und man die Ämter informiert hat, dann hat man die wesentlichen Hürden genommen. Sollte man. Heute kam Post:

Das Finanzamt hat den Steuerbescheid geschickt. Nun weiß das Finanzamt zwar, dass ich eine Frau bin, das Formular für Eheleute kennt aber nur Mann-Frau Beziehungen. Für Ämter ist es erstaunlich schwer mit der Korrektur des Geschlechtseintrages in der Geburtsurkunde umzugehen.

Was kann man in so einem Fall tun: beharrlich, freundlich nachfragen und Korrektur verlangen. Ja, das ist zeitraubend und kostet Nerven, aber irgendwann erkennen dann hoffentlich auch die Ämter und Behörden, wie man mit Transgender umzugehen hat.

Meine Kindheit…

Morgens trinke ich Kaffee, manchmal esse ich sogar ein kleines Frühstück und dazu lese ich ein wenig in den sozialen Netzwerken. Gerade in den Ferien lese ich Texte, die die Vorteile der Kindheit betonen. Neulich wurde ich gefragt, wie meine Kindheit war und ehrlich gesagt scheue ich mich immer, das zu beantworten. Aber ich will mal über meinen Schatten springen und einfach mal drüber schreiben.

Meine Kindheit ist so ein Thema für sich. Ich bin das älteste von vier Kindern. Meine Eltern hatten nie viel Geld und haben versucht, dass wir ihr möglichstes getan, damit wir Kinder das nicht merkten. Meine Eltern vermittelten mit viele Werte, von denen ich bis heute profitiere, werte wie Toleranz, Verantwortungsbewusstsein, Zusammenhalt in der Familie. Meine Kindheit war in vielen Bereichen also unbeschwert.

Aber da war diese Kleinigkeit: für einen Jungen war ich zu sensibel, zu weinerlich. Ich spielte nicht gern mit den anderen Jungs, denn deren Spiele waren mir zu grob oder zu langweilig. Ich wollte immer lange Haare haben, was in den siebziger Jahren im kleinen Bergstädtchen durchaus noch ein Thema war. Ich spürte sehr früh, dass ich nicht zu der Gruppe der männlichen Altersgenossen passte und irgendwie fand ich anfangs auch keinen Anschluss zu den Mädchen. Niemand musste mich ausgrenzen, ich erinnere mich, dass ich von selbst Abstand hielt.

Als die Schule begann entdeckte ich meine Liebe zum Lernen – und bis heute gibt es selten Fanclubs für Klassenstreber. Meine Interessen für Wissen, Zeichen und Basteln passten nicht zu denen der Jungs, die mit Sport und Toben Pausenhof und so war ich einfach immer Außenseiter. Bei Streichen war ich bevorzugtes Opfer – genau wie viele andere Mädchen auch (die, die leicht zum heulen zu bringen waren).

Meine Kindheit war… ganz okay. Ich fand einige Freunde, denen mein Weichei-Sein nichts ausmachte. Aber ich sehne mich nicht nach meiner Kindheit zurück, ich habe keinen idyllischen Weichzeichner im Kopf, der mich davon träumen lässt. Meine Kindheit war eine Zeit, in der ich viel lernte, viel erlebt und mich zu dem entwickelte, was ich jetzt bin: zu einer Frau, die weiß, was sie will und nicht will.

Mir fehlte die Sprache, um meine Andersartigkeit anzusprechen und mir fehlte das Umfeld, das Transsexualität verstehen hätte können. Es war weder in der Gesellschaft, noch in den Medien ein Thema… Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass meine Lehrer wirklich helfen hätten können. Es gab viele Gründe, warum ich als Kind nicht sagen konnte, dass ich ein Mädchen bin. Ich bin froh, dass es für junge Transgender inzwischen viel mehr Möglichkeiten gibt.

Nichts neues… 

Kind3 hat Windpocken und entsprechend habe ich derzeit „Innendienst“. Meine Haut genießt es, nicht jeden Morgen vom Rasierer gereizt zu werden…

Für die Kinder ist meine ständige Nähe offenbar ein Genuss, ich muss viel kuscheln. Dennoch kann ich kaum erwarten, endlich wieder raus zu kommen. Ein paar Tage noch, dann sind alle mit den Windpocken durch.

Mein Freund schreit mich an, bin ich ihm hörig? Antworten von den Sextanten

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Ja, diesmal gibt es etwas Neues in diesem Blog: die SEXTANTEN haben mich eingeladen als Gast Fragen zum Themenkreis Beziehung/Sex/Liebe zu beantworten. Darf ich vorstellen:

Die SEXTANTEN haben sich ihre Expertise und Fachwissen – das geben wir offen zu – billig erschlafen. Und darauf sind wir auch noch stolz! Denn Sex ist so spaßig. Es passieren dabei ständig lustige Dinge. Allein die Geräusche! Großartig. Doch leider gibt es auch vieles, was total schief läuft. Das ist auch komisch, aber erst Jahre  später und nicht immer hat man als Frau so viel Zeit. In solchen Momenten sind wir für Euch da! Wir SEXTANTEN helfen Euch aus dem Schlamassel und sagen Euch schonungslos die volle Wahrheit!

Die SEXTANTEN

Béa Beste: Mit ihrer Energie könnte sie sich locker einen männlichen Harem halten, die Liebe lässt sie aber nur bei einem einzigen bleiben und das ist auch gut so. Die beiden fummeln nicht nur privat sondern auch beruflich miteinander. Ihre erwachsene Tochter ist nicht nur ihr ganzer Stolz sondern auch der Antrieb für ihre großartige Projekte im Erziehungsbereich. Ihre Stärke: Sie fummelte privat und beruflich mit dem selben Mann und das geht gelegentlich auch in die Hose. Dabei ergeben sich ganz ungeahnte Möglichkeiten.

Verena Schulemann: Hat keinen Ehemann, dafür aber einen schwulen Mitbewohner und ist eh stetig umgeben von ihrem 6-jährigen Sohn, allen möglichen Mamas und deren Kindern, und natürlich immer mal wieder von dem einen oder anderen Papa, die sie nur in der ungebundenen Variante mag. Ihre Stärke: Wenn sie einen Raum betritt, erkennt sie, wer Sex mit wem will. Das ist nicht in allen Situationen schön, aber lehrreich.

Nina alias Frau Papa: Langeweile hat sie selten. Mit ihrer Ehefrau, den vier Kindern und drei Meerschweinchen lebt sie in einer bunten Patchworkfamilie. Sie verbringt viel Zeit damit Fragen zu diversen Themen zu beantworten und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ihre Stärke: sie kennt Geschlechter aus mehr als einem Blickwinkel.


Die heutige Frage:

Mein Freund schreit mich an, er ist oft über Tage nicht zu erreichen, er kommandiert mich und ich fühle mich oft nicht wohl. Aber wenn er dann wieder zu mir kommt, ist er unglaublich zärtlich und einfühlsam und wir haben immer großartigen Sex. Eine Freundin sagt trotzdem, ich soll mich trennen, weil meine Psyche leidet. Ich sei ihm hörig! Ist das wahr?

Verena: Kurz und schmerzvoll, Ja. Niemand hat so einen Kerl verdient. Du schon gar nicht. Jede Frau muss sich in ihrem Haus absolut sicher zu fühlen! Und jede Frau hat einen guten Mann verdient. Vor allem Du! Also, nichts wie so schnell es geht, raus da!!!! Wenn Du es nicht alleine schaffst, dann suche Dir Hilfe über Beratungsstellen und einen guten Psychotherapeuten.

Nina: Leidest du? Wenn ja, dann solltest du dich fragen ob du das willst. Wenn du das nicht willst, dann verändere etwas. Wenn er sich nicht so verändern kann, dass er auf Dich eingeht, dann geh bitte. Die Situation, die du beschreibst ist nicht selten, geht aber selten gut aus. Vielfach endet so eine Beziehung in Gewalt und mit tiefen seelischen Wunden. Die Frage, ob du das willst, können wir nicht beantworten. Ich kann dir nur raten, keine Sekunde an einen Mann zu verschwenden, der mit deiner Psyche spielt.

Béa: Zärtlich und Einfühlsam können auch andere, ohne Psychospielchen davor und danach. Was da abzulaufen scheint, ich keine gute Behandlung. Wenn dir ein Besuch beim Psychotherapeuten nicht zusagt, könntest du auch erst mit einem Selbstverteidigungskurs loslegen. Du wirst staunen, was für Gedankengänge ein solcher in dir hervorruft. Du lernst schnell dabei, dich ganz bewusst gegen die Opferrolle zu entscheiden.


Die anderen Fragen heute:

Bei Béa:
Meine Frau ist eine tolle Mutter, hält mir seit Jahren den Rücken frei, ist nach außen total loyal und verhält sich vorbildlich, aber im Bett ist schon lange außer ein paar Bussis tote Hose. Früher war sie anders, voller Leben. Was kann ich machen, um meine Frau wieder für mich zu begeistern?

Bei Verena:
Ich bin 16 und habe den unglaublichen Drang mit Männern zu schlafen. Es ist so eine große Kraft, dass ich an fast nichts anderes mehr denken kann. Was kann ich nur tun? Ich habe noch nicht mal einen Freund!


Um was geht’s?

Sex und Liebe, das gehört zusammen – muss aber nicht. Und von einfach war nie die Rede. Schon gar nicht wenn Mann und Frau zusammenkommen sollen. Es gibt viele Fragen und wir reden drüber. Denn darum geht’s: Let’s talk about it!

Wer sind die Sextanten?

Erfahrene Frauen, die Ihre Erfahrung gerne teilen, die schon ein paar Männer “auf Spur gebracht” haben und sich gleich mitdazu. Aber vor allem Frauen, die die Liebe lieben – und den Humor!