Ich bin nicht stark und nur mäßig geduldig…

Immer wieder höre ich, dass ich so stark sei. Wie ich mit der Belastung und dem Spott und überhaupt mit Menschen umginge, wäre so stark. Die Geduld, die ich angeblich habe, wäre beeindruckend.

Ich bin nicht stark. Und geduldig bin ich nur mäßig. Was ihr als Stärke wahrnehmt, ist etwas, das einfach notwendig ist. Schwäche kann ich mir nicht erlauben. Ich darf sie haben, aber nicht zeigen. Wenn ich Menschen begegne – real oder in einem sozialen Netzwerk – und schwach wirke, dann werde ich verletzbar. Beleidigungen treffen mich, so oder so. In den letzten Jahren habe ich gelernt, mir das nicht mehr anmerken zu lassen. Das ist keine Stärke.

Es ist keine Stärke, dass ich eine Handvoll schlagfertiger Antworten bereit habe. Es ist lediglich eine Strategie. Diese Taktik ermöglicht mir, Angriffe so abzuwehren, dass sie nicht zu tief treffen. Aber Stärke ist das nicht.

Und geduldig bin ich mit den Menschen, die Bereitschaft zeigen, ihren Horizont zu erweitern. Ja, ich beantworte Fragen wirklich gerne. Und da gibt es kaum Themen und Aspekte, die ich nicht zulasse. Ich bin geduldig, wenn jemand sich Zeit nimmt, mich kennen zu lernen.

Trotzdem möchte ich mich bedanken, bei allen, die mich stark, geduldig, mutig, tapfer nennen. Was ihr in mir seht und mich durch euren Zuspruch spüren lasst, gibt der verletzlichen, ungeduldigen Seele immer neuen Antrieb.

Danke.

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4 Gedanken zu “Ich bin nicht stark und nur mäßig geduldig…

  1. Liebe Nina,

    ich bin dir vor allem eins: Dankbar! Danke, dass du mir Einblicke in dein Leben, deine Erlebnisse und auch in deine Gefühlswelt ermöglichst. Du bringst mich immer wieder zum Nachdenken und Überdenken meiner eigenen Verhaltensweisen. Ob nun stark, schwach, geduldig oder nicht, du sensibilisierst mich für ein Thema mit dem ich im Alltag wenig Berührungspunkte habe.

    Von daher: Danke und weiter so!
    Alles Liebe ♥
    Nadine

    Gefällt 3 Personen

  2. Und doch gibt es Punkte bei denen du nicht behaupten kannst nicht stark zu sein!
    Du gehts deinen eigenen Weg anstatt aus Angst eine vorgegebene Rolle weiterzuspielen – koste es (fast) was es wolle.
    Du zeigst wer du bist, obwohl du oft mit Ablehnung konfrontiert wirst.
    Du setzt dich für mehr Verständnis gegenüber Trans*menschen ein und schreibst offen darüber.
    Du weist das du dich damit angfreifbar machst, lässt dich aber nicht davon abhalten dein Ding durchzuziehen.
    UND du ziehst mit deiner Frau zusammen eure Kinder groß – auch das finde ich nicht einfach und mutig!

    Gefällt 3 Personen

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