Monat: Juni 2016

Keine Zeit für keine Lust …

Ich bin frustriert. Nein, eigentlich ist es mehr eine Resignation, die sich in mir breit macht, so breit, dass ich mich auf die Therapie am Donnerstag freue.

Trans zu sein, bedeutet derzeit für mich, ständig kämpfen zu müssen. Einerseits erklären mir cis was Transsexualität ist, mein Geschlecht, Gender usw. Andererseits ist meine weibliche Seele in einem Körper, der immer wieder maskulin wahrgenommen wird (auch von mir). Und obendrein habe ich kaum Hoffnung, dass ich irgendwann in meinem Leben einen Punkt erreichen kann, an dem ich nicht ständig erklären muss, was ich bin.

Ich lebe in einer kleinen Stadt. Und gerade in den Supermärkten, in denen ich regelmäßig einkaufe, kennt man sich. Nach mehreren Jahren, die ich offen als Frau lebe, haben sich die meisten an mich gewöhnt. Wenn ich also als „der Kunde/der Herr“ angesprochen werde, habe ich zwei Möglichkeiten: Kopf schütteln oder erklären. Und das werde ich nicht los.

Anders, als andere Frauen, kann ich nicht erwarten, dass ich als Frau erkannt werde. Dafür war zu lange Testosteron das Hormon, das diesen Körper geformt hat. Ich könnte jetzt der Gesellschaft schuld geben, die angeblich die Geschlechterrollen definiert. Könnte ich. Ich könnte mehr Toleranz fordern und Diskriminierung anprangern. Könnte ich.  Ich könnte auch sagen, dass ich mein Passing verbessern muss (was ohne Chirurgie nur begrenzt möglich ist). Könnte ich. Aber all das führt nicht wirklich weiter. Und genau davor resigniere ich. Ich erwarte keine Welle der Toleranz, keine gesellschaftliche Veränderung und auch keine überraschende körperliche Umwandlung.

Jeden Tag erwartet mich eine ordentliche Menge Unverständnis, Intoleranz, Spott, Gleichgültigkeit und Aggression. Und warum? Weil andere Menschen glauben, sie wüssten besser über mein Geschlecht, meine Sexualität und meine Identität bescheid als ich selbst.

Stellt euch mal vor, jemand würde sich in euer Leben so einmischen.

Ich habe keine Lust auf diese täglichen Kämpfe. Habe keine Lust, mich zu erklären, zu rechtfertigen, zu wehren. Ich habe keine Lust, auf dubiose Theorien zu meinem Geschlecht, ausgesprochen von Menschen, die nicht in meiner Haut stecken. Ich habe keine Lust auf so ein Leben. Genauso wenig habe ich Lust auf einen Körper, der keine Lust erleben kann. Ich habe einfach keine Lust mehr.

Aber niemand fragt mich, ob ich Lust habe. Mein Kleinster hat Hunger und fragt mich, was ich koche. Mein Mittlerer fragt mich, ob ich ihm in Mathe helfen kann. Meine Kinder fragen mich viel… Ich habe keine Zeit für keine Lust. Ja, immer wieder sitze ich in der Ecke und heule, weil mir die Kraft und der Antrieb fehlt. Aber ich werde gebraucht. Täglich. Auch ohne Lust. Und da kann die halbe Welt über mein Geschlecht und meine Genitalien diskutieren… Ich habe Familie, ich habe Kinder. Und daher gebe ich mich nicht geschlagen.

Edit: danke für den Titel, Ulf 🙂

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Wie es weiter geht…

Da Inhalte meines Blogs ungefragt in einem anderen Blog verwendet wurden/werden, habe ich meine Einträge vorerst vom Netz genommen.

Meine Texte und Bilder sind nicht public domain, dürfen also nicht einfach so veröffentlicht und verbreitet werden. Damit (mit den Screenshots) beschäftigt sich inzwischen aber jemand anderes (das Land der Abmahnkanzleien ist schon toll). Ich lasse auch prüfen, inwiefern ich die Person auch wegen Rufschädigung und Beleidigung belangen kann.

Da die Person bisher keine Anstalten einer Entschuldigung gemacht hat, blieb mir keine andere Möglichkeit. (ich möchte dazu noch einmal die Möglichkeit geben: rechtsabteilung@klischeefrei.de)

In der Zwischenzeit arbeite ich an weiterer rechtlichen Absicherung meiner Inhalte. Ich werde auch zukünftig nicht dulden, dass meine Texte und Inhalte für transfeindliche o.ä. Seiten verwendet werden.

Bis bald,
Nina

Die Sache mit der Stimme…

Heute brachte ich meinen Sohn zur Logopädie. Es war der letze Termin und in der Praxis traf ich zufällig „die Chefin“. Das Spezialgebiet der Dame ist Arbeit an und mit Stimme. Da es sich so zufällig ergab, sprach ich kurz mit ihr.

Eigentlich mag ich meine Stimme. Meine Stimme ist mit mir gewachsen. Meine Stimme ist kraftvoll und sensibel einsetzbar, sie ist vielseitig und sie ist ein wichtiger Teil meiner Persönlichkeit. Leider ist meine Stimme tief und maskulin und somit muss ich bei jedem Telefonat meine gesamte Situation erklären. Meine Stimme ist keine tiefe Frauenstimme, nein, ich kann verstehen, dass ich als Herr angesprochen werde. Und darum sprach ich heute dann doch mit einer Logopädin.

Im Endeffekt habe ich einen Termin bekommen, damit wir in Ruhe die Möglichkeiten, Grenzen, Chancen und Ziele besprechen können.

Was ich nicht will: eine Mrs. Doubtfire Stimme. Was ich mir erhoffe: das Klangbild meiner Stimme mehr variieren zu können, damit ich – ähnlich wie bei meinem Körper – die weiblichen Züge betone.

Ich bin aufgeregt, ja sogar nervös. Stimme ist Persönlichkeit. Meine Stimme kommt aus dem Zentrum meines Körpers… Meine Stimme gibt meinen Kindern Halt und Trost… Meine Stimme kann klare Grenzen setzen… Eigentlich mag ich meine Stimme.

Leider ist meine Stimme meine größte Schwachstelle im Passing – deutlich auffälliger als mein Bart. Mal sehen. Nächste Woche Mittwoch hab ich meinen Termin.

Ich bin so böse…

Da einige sich inzwischen ordentlich im Ton vergreifen, habe ich jetzt Kommentare, die ich noch nicht veröffentlicht hatte, gelöscht.

Ja, ich weiß… Zensur usw. – zur Erinnerung: hier ist mein Blog.

Wer sich nicht an gewisse Grundregeln der Höflichkeit halten kann, meinen Blog als Plattform für flache Witze über ernste Themen verwendet ist hier falsch. Wer Transsexualität bewusst nicht versteht, absichtlich Trans* beim falschen Geschlecht anspricht oder unbedingt transfeindliche Kommentare hinterlassen muss: nicht in meinem Blog.

Betrachtet es mal so: wärd ihr Gäste in meinem Haus oder bei einem Vortrag über Transsexualität, dann würdet ihr euch auch entsprechend benehmen. Und wenn nicht, wärd ihr sicher nicht mehr willkommen.

My blog is my castle.

Blogeintrag Nr. 100

Bis gestern hatte ich keine Idee, worüber ich in diesem, meinen 100. Blogeintrag, schreiben könnte.

Ich hatte vorgestern, als die Kinder im Bett schliefen und Ruhe zuhause einkehrte, den Tag im Schwimmbad zusammen gefasst und gebloggt. Es ist dies ein Eintrag aus meinem Leben, wie jeder andere in diesem Blog auch. Normalerweise bekomme ich kaum Kommentare – was mich in der „gefällt mir Button“-Welt auch nicht weiter verwundert. Gestern aber kamen Kommentare. Und seitdem weiß ich ziemlich genau, was ich schreiben werde.

Erstmal möchte ich mich für den Zuspruch bedanken. Viele Eurer Kommentare haben mich tief berührt und geben mir Hoffnung.

Erstaunlich für mich ist nicht, dass so deutliche Ablehnung und auch Anfeindungen passierten. Das ist für mich deshalb nicht besonders, weil ich diese Reaktionen in der einen oder anderen Form jeden Tag zu lesen, sehen und zu spüren bekomme. Erstaunlich ist vielmehr, dass die Menschen, die Transsexualität und anderen Themen offen gegenüber stehen und die Toleranz jeden Tag leben, dass diese Menschen von den Kommentaren überrascht waren.

Wegen der Reaktionen gestern will ich hier mal einen kleinen „Schnellinfo-Blogeintrag zum Thema Transsexualität“ für „Menschen, die sich schwer tun, Transsexualität zu verstehen – aber unbedingt dazu was schreiben wollen“ schreiben.

„Make-Up und Perücke machen keine Frau dir.“

Richtig. Make-Up macht mich nicht zur Frau, das weiß ich auch. Frau war ich immer, mein Körper wurde aber durch die Nebenwirkungen von Testosteron geformt. Make-Up hilft, dass Menschen, die in mir keine Frau erkennen (eben wegen dem Testosteron) eine Frau sehen können.

„Lass ihn doch, wenn er sich als Frau fühlen will.“

Wo fang ich da an. Danke für die nett gemeinte Geste. Ich fühle mich nicht mehr oder weniger als Frau, wie jede andere auch. Das liegt daran, dass ich eine Frau bin. Mein Körper ist mein Hindernis und war dies schon immer. Bereits im Kindergarten wusste ich, dass ich keine Junge war, wegen meines Körpers war aber ein „Ausbruch aus der männlichen Rolle“ nicht erlaubt und unmöglich.

Ich wollte das auch nie. Ich wollte niemals anders sein. Ich wollte ein ganz normaler Junge sein. Ich zwang mich dazu. Dieser Zwang führte zu schwersten Depressionen, zahlreichen Selbstmordversuchen und psychischen Schäden, die ich bis heute mit mir herum trage. Ich wollte „normal“ sein. Mir wurde von meinem Umfeld vermittelt, dass Homosexualität furchtbar sei, dass meine weibliche Seite Schwäche sein, dass mein Wunsch Frau zu sein, nichts anderes als eine sexuelle Perversion sei. Nein, das alles wollte ich nicht.

„Ihn“ gibt es nicht. Gab es nie. Nicht umsonst wird bei der rechtlichen Anerkennung von Transsexuellen auch die Geburtsurkunde geändert. In meiner Geburtsurkunde steht mein Geschlecht: weiblich. Ich habe mit medizinischen Gutachten belegen können, dass meine Genitalien nicht mein Geschlecht repräsentieren.

Ich habe mir mein Geschlecht nicht ausgesucht. Und wenn, dann hätte ich definitiv einen leichteren Weg gewählt, als in diesem Körper mit einer weiblichen Seele zu stecken.

Ich verstehe durchaus, dass dieser Satz als Zuspruch gemeint war. „Lasst sie doch einfach Frau sein“, trifft vielmehr den Punkt.

„Mit Pimmel hast du dort nichts zu suchen…“

Also. Wie werdet Ihr öffentlich auf eure Genitalien angesprochen? Wie oft müsst ihr euch für die Existenz Eurer Genitalien entschuldigen und rechtfertigen? Wie oft wird Euch das Recht auf Euer Geschlecht abgesprochen, für Genitalien, die ihr Euch nicht ausgesucht habt?

Ich täglich.

Nebenbei bemerkt, ist es rechtlich komplett irrelevant, welche Genitalien ich habe: mein wirkliches Geschlecht wurde amtlich anerkannt. Aber, um ehrlich zu sein, hatte ich nie ein besonders gutes Verhältnis zu meinem Gebaumel. Es ist da, weil es da ist, aber ich habe es mir immer weg gewünscht. Nur: niemand außer ich hat zu entscheiden, ob ich mir diesen gesunden Körperteil amputieren lasse. Niemand hat das Recht eine Verstümmelung von anderen Menschen zu fordern, um diese einem Gechlechtsideal anzupassen. (Ich erinnere mal an die Beschneidungsdiskussionen) Aber mir wird immer wieder gesagt, dass ich mit der bestehenden Anatomie keine Frau wäre. Das habt nicht ihr zu entscheiden – gothseidank.

Ihr stellt Euch wahrscheinlich vor, dass eine Transfrau einfach zum Arzt gehen kann und die OP bekommt. FEHLANZEIGE. Für die OP sind mehrere Jahre Behandlung, Therapie, oft zahlreiche Gutachten erforderlich und selbst dann sind oft noch lange Wartezeiten zu erwarten. Ich habe mein ungeliebtes Gebaumel noch einige Jahre. Und außer meiner Frau und meinen Ärzten sieht das niemand. Ich lege auch in der Sauna mein Handtuch niemals ab. Das hab ich schon in meiner männlichen Rolle nicht gemacht… das werde ich nicht ändern. Meine Genitalien sind Privatsache.

„Du bist ein Mann / Ein Mann in Frauenkleidern ist keine Frau. / usw…“

Wer ein Thema nicht versteht, sollte nicht mitreden. Das gilt auch für Transsexualität. Ich war fast vierzig Jahre lang eine Frau in Männerkleidern – nicht umgekehrt. Auch, wenn es Euch schwer fällt (und das sehe ich in euren Kommentaren und Reaktionen deutlich): Ich war noch nie ein Mann. Mein Umfeld betrachtete mich als Mann, zwang mich in die männliche Rolle,… Aber: ich war nie ein Mann und „er“ passte nie.

„Das ist doch nicht transfeindlich. Das ist ja lediglich Kritik…“

Mich Mann, übergriffig, lesbenfeindlich zu  nennen ist nicht feindlich?
Mir mein Geschlecht abzusprechen, ist nicht feindlich?
Mir pädophile Neigungen zu unterstellen, ist nicht feindlich?

Ihr würdet es lieber transphob nennen? Eine Angst vor… einer Frau, die eben nicht dem Schönheitsideal entspricht? Es ist KEINE ANGST. Phobien sind ernst zu nehmende psychische Störungen. Transphobie, wie auch Homophobie existieren nicht.

Jemandes Geschlecht zu kritisieren macht dann Sinn, wenn diese Person eine Wahl hätte. Fragt Euch, ob ihr eine Wahl beim Geschlecht habt? Nein? Ich auch nicht. Transsexualität ist keine Wahl, keine Entscheidung, die man trifft.

Und als Schlusssatz möchte ich euch mitgeben: hört auf, wenn euch etwas Unwohlsein verursacht, Kinder als Thema vorzuschieben. Kinder reden offen mit mir und stellen direkte Fragen. Sagt einfach „ich fühle mich nicht wohl…“, wenn euch was nicht gut tut und nicht „ich stelle mir vor, dass meine Kinder…“ – Verdammt, sagt doch einfach mal, was ihr denkt. Und wenn ihr Euch nicht auskennt, stellt einfach mal Fragen… statt „ich stelle mir das xy vor…“ zu sagen.

Ich moderiere übrigens ALLE Kommentare und wie ihr gestern sehen konntet, lasse ich trotzdem viele Kommentare zu, die direkt gegen mich und Trans* gerichtet sind. Es gibt aber Grenzen, ab denen ich eure Kommentare nicht öffentlich erscheinen lasse.

Endlich wieder schwimmen…

Heute Mittag kam mir eine Idee. Als ich meiner Frau beim Mittagessen gegenüber saß und der Regen gegen das Fenster prasselte, kam mir ein Gedanke. „Ich könnte mit den Jungs ins Schwimmbad gehen“, sagte ich.

Eigentlich ist an dem Gedanken nichts besonderes, oder? Zuletzt waren wir vor zwei Jahren im Schwimmbad. Dafür gibt es viele Gründe. Im letzten Jahr hatte mein jüngster Sohn Paukenröhrchen und, um ganz ehrlich zu sein, hatte ich im letzten Jahr noch nicht die Selbstsicherheit, um mich in einem Badeanzug in der Öffentlichkeit zu bewegen. Im Jahr davor habe ich im Schwimmbad noch „männliche“ Badekleidung getragen. Das war nicht leicht, aber es war Teil des fließenden Übergangs, den ich mit meiner Frau, zum Schutz der Kinder vereinbart hatte. Es ist übrigens bemerkenswert, wie doof man als „Mann mit Nagellack“ angestarrt wird.

Heute war das Wetter nicht gerade ideal für den Garten und so passte dieser Gedanke einfach super. Die großen Kinder verbringen das Wochenende bei ihrem Biopapa, als waren nur die beiden Kleinen bei mir. Schon als ich die Badehosen heraus legte und die Tasche packte, war die Freude riesig. In den letzten Wochen hatte gerade der Kleinste immer wieder gefragt, wann wir wieder Schwimmen gehen.

Vielleicht sollte ich noch eine Kleinigkeit erwähnen. Meine Frau, die bei meinen Schritten in die Öffentlichkeit immer Begleitung, Beratung und persönlicher Schutzwall war und ist, konnte heute nicht mit kommen. (Wünscht ihr gute Besserung, sie liegt mit Halsentzündung auf der Couch, während ich diesen Eintrag verfasse).Entsprechend war ihr Frage auf meinen ausgesprochenen Gedanken verständlich. Sie fragte mich, ob ich mir zutrauen würde, allein mit den beiden ins Schwimmbad zu gehen. Und ja, ich war mir sicher, das würde klappen.

Also packte ich die Badetasche. Mein Mittlerer kam von der Schule, freute sich riesig und wir drei gingen los. Der Weg sollte eigentlich kurz sein, über den Geldautomaten zum Bus – mit knapp 80 Cent wären wir nicht weit gekommen. Am Geldautomaten dachte ich mir, der Tag will mich verarschen. Der Automat versuchte nicht einmal sie anzunehmen. Auch der zweite streikte. Meine Kinder sahen mich traurig an. Ich hatte keine Lust aufzugeben, also ab zur Filiale meiner Bank. Die Warteschlange war kurz, aber wir standen dort eine gefühlte Ewigkeit. Am Schalter ging die Karte noch immer nicht. Auch die manuelle Eingabe der Bankdaten und nach Vorlage meines Ausweises mit meinen alten Namen schlug fehl. Es war mir egal. ich hatte mir in den Kopf gesetzt, heute mit den Jungs ins Schwimmbad zu gehen und das würde mir dieser Tag nicht verderben. Nach einem sehr langen Telefonat der Dame am Schalter habe ich dann endlich Geld bekommen. Wir hatten inzwischen fast eine Stunde Zeit verloren. Selbst das war mir egal.

An der Kasse des Schwimmbades mustert mich die Dame kurz. „Wir schließen bald“, sagte sie sehr leise. In meinem Kopf warf ein kleines wütendes Mädchen ihre Krone gegen die Wand und stampfte auf. „Wann genau?“ – „Um 18 Uhr“ – „In einer Stunde?“ EGAL! Mit den Jungs hoch, Klamotten wechseln, Schwimmflügel aufpusten und anlegen und ab Richtung Wasser. Glauben Sie mir, auch wenn viele Menschen mich als Mann betrachten, ich hatte kein Bedürfnis durch den Eingang für Männer zu gehen (trotz der Jungs). Gerade junge Männer reagieren echt nicht vorteilhaft auf mich. Also duschten wir zwischen nackten rundlichen Frauen und ihren Kindern. Ich wurde lächelnd bemerkt, aber keine Ablehnung.

Meine Kinder genossen die Zeit. Eine Stunde kann, wenn sie mit mit genug Kinderlachen gefüllt wird, unendlich schön und wertvoll sein. Als die beiden im Schwimmlernbecken tobten, war mir egal ob mich jemand ansehen könnte. Sie lachten und planschten. Nebenbei sprach eine altere Dame mit mir.

Die Stunde verflog trotz aller Intensität. Es war gut, alles war gut.

Der Erlebnisbericht endet hier. Was ich jetzt noch zu sagen habe, klingt vielleicht oberflächlich, aber es ist teilweise der Grund für mein inzwischen selbstsicheres Auftreten. Ich habe einen zweiteiligen Badeanzug, der mir gut passt. Meine Frau hat mich beim Kauf beraten und ich bin begeistert davon. Und ich kann mich auch im Schwimmbad auf mein Make-Up verlassen. Grundierung, Augenmakeup, alles wisch- und wasserfest. Ich habe es in der Badewanne getestet und im Garten… es hält bei Schweiß und Regen (nur der beständig wachsende Bart schiebt sich nach einiger Zeit durch die Pigmentschicht – nobody is perfekt).

Meine Haare und mein Haarteil waren nass, mein Gesicht ebenso – ich hatte am Weg zum Schwimmbad auch reichlich geschwitzt. In der Umkleide sah ich mein Gesicht und war positiv überrascht – leider mussten wir uns beeilen (das Schwimmbad wollte schließen) also konnte ich kein Foto machen. Zuhause, als ich vor dem Spiegel stand, nahm ich meine Kamera. Hier seht ihr mich, unretouchiert, ungefiltert, ohne nachzuschminken (kein Puder – nichts).

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Selfie nach dem Schwimmbad

Das Lächeln, das verdanke ich meinen Kindern (und ein wenig dem Genuss endlich wieder im Wasser sein zu können).