#IDAHOT – der Tag gegen Homo-, Trans- und Bifeindlichkeit

Heute ist ein Tag, wie jeder andere. Abgesehen davon, dass heute der Dienstag nach dem Feiertag ist und sich für die meisten wie ein Montag anfühlt, ist es kein besonderer Tag. Gut, in meinem Kalender steht IDAHOT, aber wenn ich ehrlich bin, vor ein paar Jahren kannte ich diesen Tag selbst nicht. IDAHOT ist der „internationale Tag gegen Homo- und Transphobie“ ein furchtbarer Name für einen Tag.

20160517_095853.jpg

Abgesehen davon, dass die berühmte Homophobie/Transphobie keine Angststörungen sind und den Namen Phobie wirklich nicht verdienen, denn es ist einfach eine Form von Intoleranz und Feindlichkeit, abgesehen davon also wurde der Name irgendwann um Bi* erweitert und, so wie ich die LGBTusw. Community kenne, wird aus IDAHOT irgendwann mal eine furchtbar lange Abkürzung, nur damit alle darin ihren Platz finden, die nicht CIS-Hetero sind.

Für mich ist ein kein Tag gegen XY-Feindlichkeit, für mich ist es ein Tag FÜR Toleranz. Nun könnte man fragen, ob man so einen Tag denn heutzutage noch braucht? Das ist eine gute Frage. Im Alltag werde ich nicht mit Steinen beworfen, ich gehe keine nennenswerte Gefahr ein, wenn ich alleine durch die Straßen gehe (nicht nennenswert größer als die Gefahr, der Frauen in unserer Öffentlichkeit ausgesetzt sind). Mein Leben ist nicht in unmittelbarer Gefahr. Komfortabel ist mein Alltag bei weitem nicht, aber dieses Schicksal teile ich mit vielen Menschen (Menschen mit Behinderung, Menschen mit Übergewicht, Alte und kranke Menschen…) – wir erleben im Alltag viele Formen von Diskriminierung. Nein, meine Transsexualität verleiht mir keinen VIP Status in der Liste der Diskriminierungen und auch meine Homosexualität macht mein Leben nicht unbeschreiblich schwerer. Also: Brauche ich den IDAHOT?

Ja. Ich lese die Kommentare zu diesem Tweet der Tagesschau

und plötzlich wird mir deutlich gezeigt, wie viel Hass, Unverständnis und Feindlichkeit ganz normale Menschen gegen andere ganz normale Menschen haben.

In meinem Kalender steht der IDAHOT, weil ich hoffe, dass meine Kinder niemals Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung anfeinden; Weil ich hoffe, dass nicht nur mein direktes Umfeld lernt, dass Transsexualität einfach ist, wie sie ist; Weil ich hoffe, dass kein Mensch sich für das Schämen oder fürchten muss, was er/sie/es ist und liebt.

Homosexualität ist genauso wenig ansteckend, wie Ellenbogen. Niemand wird transgender, weil er eine versehentlich eine Transfrau in der S-Bahn berührt hat. Und Bisexualität ist genauso wenig eine Entscheidungsfrage, wie die eigene Schuhgröße. Es ist verdammt nochmal egal, warum wir sind, wie wir sind und niemand ist gezwungen einem/einer von „uns Abnormalen“ zu küssen, zu heiraten oder mit uns Sex zu haben.

Wenn sich jemand aufregt, wie widerwärtig sich öffentlich küssende Männer seien, denke ich nur an die Ästhetik von Alkoholleichen und Menschen und deren Hinterlassenschaften, die im Restaurant mit offenem Mund essen, ich denke an die Menschen, die mich mit ihren Handytönen und dummen Sprüchen in Bus und Bahn Nerven kosten… Es gibt so vieles, was mir nicht gefällt, aber sich küssende, liebende Menschen sind alles andere als widerlich.

Ich wünsche Euch einen schönen IDAHOT, einen angenehmen Pseudo-Montag, einen Tag, wie jeden anderen – mit einen Blick auf den Wunsch nach Toleranz für alle, die ein wenig anders sind.

Advertisements

Ein Gedanke zu “#IDAHOT – der Tag gegen Homo-, Trans- und Bifeindlichkeit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s