Monat: April 2016

Einblick in meine geheimen Entwürfe…

Ich habe einen Entwurf gefunden, den ich eigentlich wegwerfen wollte, aber irgendwie dokumentiert es, wie sich meine Körperwahrnehmung durch die Hormone verändert hat. Bitte mit Humor nehmen:

Ich schreibe diesmal aus der Badewanne. Aktuell habe ich eine  Nebenwirkung der Hormonbehandlung gefunden, die mich ziemlich beunruhigt: ich kann nicht mehr mit dem ganzen Körper unter Wasser… Ich brauche eine tiefere Wanne, ich friere

am oberen Oberkörper.

Gedanken…

Wie kann ich vermitteln, was es für mich bedeutet, über Transsexualität aufzuklären? Mir werden täglich Fragen gestellt, oft kuriose oder auch Fragen, die sehr intime Themen ansprechen. Wie kann ich diese Fragen am besten beantworten?

Was ich in den letzten Monaten bemerke, dass die sehr oberflächlichen (über Schuhe, Nagellack, usw.) Fragen weniger werden. Gleichzeitig nehmen Fragen zu meinem Umgang mit Ausgrenzung, Diskriminierung und Spott zu.

Daher lade ich euch ein, mal frei von der Leber weg Fragen zu stellen. Einfach einen Kommentar oder eine kurze Email an nina@klischeefrei.de und ich antworte so gut ich kann.

Das DAS…

Wenn ich, wie gestern Abend, mit einigen netten Menschen zusammen sitze, kommt fast immer irgendwann das Gespräch auf mich. Meist sind es liebevolle Fragen, wie es mir mit meinen Hormonen und der Behandlung insgesamt geht. Irgendwann kommt es dann auch dazu, dass ich über die alltäglichen Erlebnisse erzähle. Gestern war es beinahe unvermeidlich, denn als ich morgens zu einem Arzttermin unterwegs war, hatte ein Passant laut „Was ist denn DAS?“ gefragt – Das? DAS? Bin ich das DAS? Ich bin das DAS.

Es passiert inzwischen immer seltener, dass ich von Passanten wirklich mit Worten verletzt werde. Die meisten Phrasen wiederholen sich und auf der anderen Seite ist mein Selbstbewusstsein inzwischen um einige größer, als noch vor wenigen Jahren. Aber dieser Satz traf mich. Ja, ich weiß, eigentlich sollte ich so eine Provokation in meiner Kleinstadt einfach zu virtuellen den Akten legen. „Beleidigung ohne Motiv und Sinn. Ordner 3“ würde ich drauf schreiben. Nur: ich bin ein Mensch und nicht ein etwas. Ich bin kein Gegenstand. Und ich bin eine Frau. Ich stelle mir vor, wenn man ein CIS Frau mal so ansprechen würde. Ja, ich weiß….ich verwende binäre Geschlechter und ich schreibe über binäre Vorstellungen. Es tut mir wirklich leid und ich will damit niemanden kränken, der/die sich nicht in ein binäres Geschlechterbild einordnen können. Meine eigene Wahrnehmung ist sehr binär. Ich empfinde mich als Frau. Nicht als Transfrau, nicht als „war einmal ein Mann“, nicht als etwas dazwischen (auch, wenn ich mir bewusst bin, dass ich das für außenstehende durchaus bin). Ich bin eine Frau und eine Frau spricht man nicht als DAS an. Man spricht auch keinen Mann als DAS an. Zumindest nicht in den Kreisen, in denen ich mich mein ganzes Leben lang bewegte.

Heute ist alles wieder einigermaßen gut. Meine emotionale Hornhaut ist ein wenig dicker und ich werde in der Badewanne meine Gedanken einfach treiben lassen, so lange, bis ich einen positiven Gedanken gefunden habe.

Termin in der Endokrinologie…

Anreise:
Zug 45 Minuten, Fußweg 30 Minuten

Etwa eine Viertelstunde vor dem Termin dort.

Warten. Insgesamt eine Stunde.

Gespräch mit dem Arzt: 2 Minuten.

Dann zehn Minuten warten auf die Blutabnahme.

Fertig.

Heimweg:
Fußweg 30 Minuten, Zug 45 Minuten.

Warum ich das mitmache? Weil ich ohne das keine Hormonbehandlung haben kann. Den gleichen Bluttest könnte meine Gynäkologin machen, allerdings möchte diese das Fachwissen des Endokrinologen für meine Behandlung – und der will eigene Tests machen lassen.

Wenigstens kann ich meine Rezepte bei der Gynäkologin bekommen.

Familie im Zeichen des Regenbogens…

Regenbogenfamilie, das ist ein tolles Wort. Damit kann man Familien beschreiben, die wegen irgendeiner Abweichung in der sexuellen Orientierung oder durch Transgender in der Familie anders sind. Anders als Hinz, Kunz und der Rest der braven Kleinbürger. Der Regenbogen ist ein schönes Bild: bunt, hell, ungefährlich und immer weit weit weg.

Solche Familien leben nicht nach herkömmlichen gesellschaftlichen Regeln, sie sind frei, kreativ und müssen immer darum kämpfen, dass die Kinder in der normalen Welt nicht überall anecken. Diese Kinder werden von Mitschülern gemobbt. Die Mädchen tragen Latzhose und die Jungs tragen ausgewaschene, pinke Shirts. Die Homoeltern gehen feiern und irgendwie sind alle geschieden.

Ja, ich weiß, alles übertrieben. Aber vieles davon habe ich schon sehr oft gehört.

Habe ich eigentlich mal gesagt, dass wir Schrebergärtner sind? Also meine Familie und ich. Richtig gelesen, seit knapp elf Monaten haben wir einen Kleingarten. Ich möchte euch zwei Bilder zeigen, was Regenbogenfamilie noch sein kann. Ich werde dazu auch gar nicht mehr schreiben.

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Zusammen mit den Kindern im Garten arbeiten.
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Kaffee mit meiner Frau, vor der Laube.

Das ist meine Familie, zumindest ein Teil davon . Regenbogenfamilie ist ein schönes Wort, wenn man Familie als Hauptteil des Wortes sieht.