Die Papa…

Ich glaube, dass Erwachsene viel komplizierter denken, als Kinder. Gerade was Gendern angeht. Heute Morgen fiel mir das besonders auf. Mein mittlerer Sohn hat kein Problem, mich „die Papa“ zu nennen.

Papa ist, zumindest in der Grammatik, männlich – so sehen zumindest wir Erwachsene das. Für meine Kinder, die nun seit mehreren Jahren erleben, dass Papa eine Frau ist, ist es ganz normal, auch das Wort weiblich zu betrachten. Was für konservative Geister wahrscheinlich ein Albtraum ist, passiert bei uns ganz natürlich.

Ich hatte mich immer dagegen gewehrt, den Kindern ein künstliches Wort („Mampa“ o.ä.) aufzuzwingen, um das männlich belegte Papa zu ersetzen. Ich bin Nina, ich bin Papa. Ich weiß, dass es unüblich ist, dass eine Frau Papa genannt wird, aber für mich war es immer klar, dass ich nicht Mutter bin (keine Schwangerschaft) und ausserdem war ich dagegen den Kindern eines der innigsten Wörter zu entreißen, nur weil ich eine Frau bin.

Papa repariert, Papa kocht, Papa beschützt, Papa kuschelt,… Papa ist für meine Kinder hoffentlich ein positiv belegtes Wort. Und mir war immer klar, dass damit das „der Papa“ und „er“ für sehr lange Zeit mein Leben begleiten würden. Umso erfreulicher ist es, dass in den letzten Monaten das „die Papa“ Einzug in unsere Familie gefunden hat und das von selbst, ohne Druck.

Mein Kaffee steht am Frühstückstisch und ich lächle, weil mein Sohn gerade wieder „die Papa“ sagte. Ich denke an Diskussionen mit Feministinnen, über die maskulin belegte Sprache, dass „man“, „jemand“ und „wer“ maskulin wären. Und dann erlebe ich, dass das Leben ein rein maskulines Wort in seiner Bedeutung umdrehen kann. Nicht wir haben die Sprache verändert, unsere Kinder passen die Sprache an ihre Welt an. Vielleicht sollten wir daran arbeiten, unseren Kindern Gleichberechtigung vorzuleben, und dann sehen, wie sich die Sprache dadurch verändert.

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2 Gedanken zu “Die Papa…

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