Bitte nennt mich nicht Norbert….

Meine Eltern waren die letzten Familienmitglieder, bei denen ich mich geoutet habe. Das ist über ein Jahr her. Zu dem Zeitpunkt war der Antrag zur Namensänderung schon in Bewegung und zuhause war ich schon lange Nina.

Über ein Jahr nach dem Coming out habe ich meine Mutter gebeten, mich nicht mehr mit meinem alten Namen anzusprechen.

Eigentlich sollte ich inzwischen wissen, dass es immer in die Hose geht, wenn ich Transsexualität irgendwie anspreche.

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13 Gedanken zu “Bitte nennt mich nicht Norbert….

    1. Ich habe nur darum gebeten, nach einem Jahr, nicht mehr meinen alten Vornamen zu benutzen. Nein, ich bestand nie darauf, dass ich von jetzt auf gleich Nina genannt werde. Ich habe sogar angeboten, dass sie doch einfach mal keinen Namen verwenden soll, statt des falschen.

      Ja, Eltern sind voreingenommen, das kann ich gut verstehen. Aber meine Bitte wurde nicht nur angewiesen, ich bekam eine Ladung Vorwürfe ab… Nicht eine Andeutung von „oh, war nicht Absicht, ich werde es versuchen“…

      Was ich bekam, ist die Bestätigung, dass meine Eltern sich in über einem Jahr, auf der Stelle bewegen.

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  1. Schade…..
    Wenn es „aus Gewohnheit“ schwer fällt, braucht man dich doch nur anzusehen – notfalls ein Foto neben dem Telefon – um zu wissen, wer Du bist.

    Wenn ich so an meine eigenen mütterlichen Gefühle denke….. schon als meine Tochter noch ganz klein war, hatte ich immer das Gefühl, sie würde als Erwachsene irgendwann einmal Frauen lieben. Und man hat viele Jahre Zeit, sich mit diesen Gedanken und Gefühlen zu befassen, wenn man ehrlich mit sich selbst ist.
    Gut – meine Tochter ist nun 25 und noch immer nicht sicher.
    Aber das Wichtigste ist doch, dass die Kinder glücklich werden; dass sie ihren Weg finden zu sich selbst – zumindest damit ANFANGEN, diesen Weg zu suchen.

    Die Elterngenerationen vor uns scheinen oft noch völlig verbunden zu sein mit dem Irrglauben, ihre Kinder würden ihnen gehören – und sollten tun und sein, was sie von ihnen erwarten.
    Aber das ist falsch.
    Kinder – auch wenn sie erwachsen sind – gehören niemandem.
    Es ist DEIN Leben und dein Glück.

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    1. Ja, man sollte meinen, dass es Eltern um das Wohl ihrer Kinder geht.

      Ich hatte eine Bitte, eine einfache, wie ich dachte. Für mich ist es schwer, meine Eltern so zu erleben, sie haben mir Toleranz, respektvollen Umgang, Offenheit beigebracht. Sie so zu erleben ist sehr…. Eigenartig.

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      1. Vermutlich vor allem verletzend….
        Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es nicht einfach ist, sich in der Wahrnehmung und mit dem Namen „umzugewöhnen“, wenn man jahrelang ein vermeintlich klares und standardisiertes Bild seines Kindes vor Augen hatte.
        Und dass man sich vielleicht auch mal verplappert oder mal eine Kurve nicht kriegt.
        Auch, dass Du hierfür sicherlich Verständnis und Nachsicht hättest, wenn Du fühlen könntest, dass sie sich aus dem Herzen heraus bemühen, dich anzunehmen, wie Du bist.

        Aber ich glaube, es ist schwer, wenn Eltern Erwartungen stellen und deren Erfüllung fordern.
        Und sich diese Erwartungen nicht mit deinem Fühlen vereinbaren lassen. Vermutlich fühlt man sich hierdurch „falsch“.

        Aber kein Kind der Welt sollte – auch wenn es erwachsen ist – für seine Eltern falsch sein.
        Niemals.

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  2. Das ist traurig für deine Eltern. Sie müssen lernen das nicht alles zwischen ihnen und ihrem Kind (bzw. ihren Kindern) nach ihren Vorstellungen abzulaufen hat. Außerdem verpassen sie es dich in einer wichtigen Phase deines Lebens zu unterstützen und dich neu kennen zu lernen.
    Vielleicht werden sie es irgendwann bereuen sich so verhalten zu haben, aber bis dahin wird es sicher noch ein harter weg, so wie das gerade klingt 😦
    Ich wünsche dir viel Kraft, Nina, um das durchzustehen, auch wenn ich warscheinlich nicht mal ansatzweise weis wie du dich in dieser Situation fühlen musst.
    Wenn der Gedanke an deine Eltern dich runterzieht, denk an all die Leute, die dich akzeptieren wie du bist. Vielleicht hebt das deine Stimmung dann wenigstens ein kleines Bisschen?

    Lg, Sarah

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    1. Danke für diese einfühlsame Antwort.

      Ja, ich wende mich den Menschen zu, die mich akzeptieren. Ich lasse die Tür für meine Eltern auf, aber ich werde mich eindeutig ein wenig zurück nehmen, weil es mir wirklich nicht gut tut.

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      1. Bitte gerne 🙂
        Ich denke das im Grunde keine Eltern ihren Kindern so eine Situation wie deine wünschen. Nicht weil sie vielleicht etwas gegen Transgendermenschen haben könnten, sondern weil es auch Eltern sicherlich weh tut wenn ihr Kind anscheinend leidet. Vielleicht fühlen sie sich einfach hilflos und ignorieren die Wahrheit um sich selbst noch ein bisschen heile Welt vorzuspielen? Natürlich ist das keine Entschuldigung für ihr Verhalten, denn sie richten damit auch Leid an. Aber vielleicht muss bei ihnen der Druck und das „Vermissen“ noch größer werden bevor sie in der Lage sind sich richtig damit auseinander zu setzen.
        Ich finde es gut das du ihnen die Tür offen halten willst, dich aber nicht runterziehen lässt.
        Und ganz nebenbei – ich finde dich verdammt cool! Wie du über dich schreibst, wie du das mit der Familie hingekriegt hast, wie offen du damit umgehst! Du bist mir einfach sehr sympatisch 🙂

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  3. Ich kann deine Situation ein Stück weit nachvollziehen, auch wenn ich aus einem anderen Grund so einen Konflikt mit einen Eltern durchlebt habe. Es ist immer schwer, wenn Personen, die einem nahe stehen, sich anders verhalten, als es die eigene Vorstellung von ihnen zulässt. Genau das passierte auch bei uns, als mein Lebensmodell sich von dem abwandte, was sie sich für mich und vor allem aus ihrem Selbstverständnis heraus gewünscht und ganz selbstverständlich vorgestellt hatten.

    Es wurde bei uns nach einer gewissen Zeit Normalität und alle leben heute gut damit. Aber in der frühen Phase kamen auch Vorwürfe und einige verletzende Äußerungen vor. Das war wohl, weil ich ihnen plötzlich ‚fremd‘ erschien. Ihr Bild von mir stimmte ja auch nicht mehr mit dem realen ‚Ich‘ überein. Es brauchte, bis sich das angenähert hatte.

    Ich wünsche dir, dass deine Eltern die Person wiederfinden, die sie als ‚ihr Kind‘ kannten und wieder (er-)kennen werden. Es ist sehr verletzend, diese Verbindung abgesprochen zu bekommen. Ich wünsche deinen Eltern, dass sie aus dieser Überforderungssituation herauswachsen und dich akzeptieren lernen.

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