Typisch Transfrau…

Angeblich sei ich ganz anders, als man sich mich vorstellt. „Inwiefern anders?“, frage ich zögerlich. Na, eben anders. So in Hose und ohne Schmuck und überhaupt, ich wirke gar nicht wie eine Transe – ups, eine Transfrau. Ich frage nach, was ich denn falsch machen würde, ich würde irgendwie schon gerne als typisch wahrgenommen werden. Mein Gegenüber schweigt. Ich weise auf meine Ohrringe hin. Noch immer Schweigen.

In meinem Kopf gibt es kein Bild, wie eine Transfrau auszusehen hat. Ich muss zugeben, ich habe auch kein besonders ausgeprägtes Bild für Männer, Frauen,… Irgendwie glaube ich an die individuelle Entfaltung der Persönlichkeiten viel mehr, als ich an Klischeebilder glaube. Dennoch versuche ich, mir vorzustellen, was an mir nicht dem typischen Bild entspricht. Zugegeben, ich trage wenig Schmuck und mein Bartschatten kommt ab 13 Uhr durch jedes Makeup durch, im Winter ziehe ich Hosen anderen Beinkleidern vor und meine Körpersprache hat wahrscheinlich einen gewissen ungelenkten, grobmotorischen Charme. Tja, und meine Stimme ist stimmbruchgeschädigt und durch zu viele Jahre Rauchens sicher nicht feiner geworden.

Ich frage nach. „Na, du sprichst so normal und deine Kleidung ist so…“ – „… so?“ – „Weißt du, bei Transfrauen, denke ich immer an Perücken, Blümchenkleid und riesen ausgestopfter BH.“

Mein Gesicht will den Kopf auf die Tischplatte hämmern. Blümchenkleid werde ich nicht so leicht anziehen. Nein, solche Stoffe gefallen mir einfach nicht und Schnitte für meine Figur zu finden, wäre ohnehin schwer. Und mein Busen ist wie er ist. Vielleicht kommt ja noch was, aber ich werde nicht künstlich Dekolleté vortäuschen. Wahrscheinlicher ist, dass ich den Bauch einziehe. Und Perücken sind mir einfach nicht angenehm.

Und ich spreche so normal. Das muss ich mir auf der Zunge zergehen lassen. Typische Transfrauen sprechen also nicht so normal. Gut, ich habe inzwischen einige andere Transfrauen gehört und viele versuchen ein wenig höher zu sprechen, macht das eine typische Transfrau aus?

Ich muss mal was gestehen: ich kenne nicht eine typische Transfrau, ich kenne dafür aber viele tolle Frauen.

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5 Gedanken zu “Typisch Transfrau…

  1. So wie früher Romy Haag, so prägt derzeit wohl Caitlyn Jenner das Bild von Transsexuellen. „Boah, sieht aus wie ne echte Frau“. Der Mensch macht sich immer ein Bild des „typischen“ [hier Gruppe einfügen].

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  2. Was oder wie ist ,, typisch,, Frau? Ich kenne auch ,,typisch,, Frau, die an der Oberlippe einen sehr ausgeprägten Bart hat! Ist diese Person vielleicht deswegen keine Frau!!

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  3. Für mich persönlich hängt das Wort „typisch“ sehr stark mit dem Wort „normal“ zusammen und der in Wahrheit völlig unlogischen Sehnsucht vieler Menschen danach „normal“ sein zu wollen und auch mit der Tatsache unserer inneren Schubladen.

    In unserer Gesellschaft sind wir sehr stark geprägt von den Medien – egal, ob nun soziale Medien oder dem Fernsehen. Und viele Menschen beziehen hieraus ihre Definition von „normal“.
    Anstatt einfach im wahren Leben die Augen auf zu machen und echte Menschen in all ihren Facetten zu erleben.
    – ich nehme mich hier selbst noch nicht mal aus.
    Es wird vermutlich immer mehr Menschen geben, die wie ich aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr arbeiten (können); nicht in Vereinen sind und kaum noch vor die Türe gehen. So könnte sich dies verstärken.

    Und die Medien lieben diese „Ausreißer“; „außergewöhnliche Menschen und ihre Geschichten“ – so ist für viele der einzige Berührungspunkt mit Trans (und anderen „fremdartigen Lebensformen“) übers TV.
    Dort sieht man dann „Dokumentationen“ über Trans auf ihrem Weg zu sich selbst. Und sehr viele dieser Menschen verlaufen sich anfangs in Extreme.
    Selbst wenn eine Transfrau im TV irgendwann zu sich selbst fände und aufhören würde, wie eine Straßensexarbeiterin auszusehen, dann würde man diese Entwicklung vermutlich nicht mehr im TV zeigen.
    Und so hat vielleicht „Otto Normalverbraucher“ meist die völlig verzerrte TV-Vorstellung von Trans-Menschen im Kopf.

    Ich selbst habe real eine einzige Trans-Frau kennengelernt.
    Und ja – auch sie war auf der Suche nach ihrem Normal.
    Sie war hierbei in die Sexarbeit geraten und fiel mit ihrem weniger guten passing (auch sie war schon über 40) auffallend aus der Rolle des „Normal der Sexarbeiter“.
    Ich glaube aber eher, dass dies nicht „typisch Trans“ war, sondern vielleicht eher ein Zeichen ihrer Zahnarztphobie oder ihr Borderline. Oder auch ein Zeichen dessen, dass sie aus ihrem bisherigen Normal als Arzt massiv ausbrechen und in ein völlig anderes Leben eintauchen wollte.

    Ich selbst wollte früher auch ganz unbedingt „normal“ sein.
    War aber irgendwie nie eine „normale Frau“; eine „normale Mutter“; eine „normale Partnerin“ und noch nicht mal eine „normale Hure“ (auch hierüber gibt es ganz viele „Dokumentationen“).
    Vermutlich ist es einfach auch irgendwann Zeit, dieses „Normal“ an den Nagel zu hängen und nur man selbst zu sein. Und mehr Menschen im Umfeld zu finden, die sie selbst sind, statt „normal“.
    Ich glaube, das befreit, tut gut und ist der einzige Weg, frei zu sein.

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