Monat: März 2016

Eine wirklich interessante Frage…

Viele Leute stellen mir viele Fragen. Die meisten davon sind relativ schnell zu beantworten und bleiben kaum im Gedächtnis. Aber einige Fragen brennen sich ins Gedächtnis ein und sie verbleiben dort, auch wenn man sie schon beantwortet hat. Die Frage, die mir im Gedächtnis verankert ist, wurde bei einem Interview gestellt, das ich gemeinsam mit meiner Frau geben durfte: „Was bedeutet für Dich/Euch Frau sein?“

Jo. Es war obendrein die erste Frage und ich bin wirklich selten sprachlos, aber da fand ich keine Worte, denn obwohl ich mich immer als Frau fühlte, war es schwer, diese Frage zu beantworten. Ich kenne viele Frauen und ehrlich gesagt reicht das Spektrum unbeschreiblich weit. ich kenne lastwagenfahrende Romanautorinnen, muskelbepackte Fitnesstrainerinnen, zerbrechlich wirkende Krankenschwestern voll Power,… eine Liste zu machen würde jeden Rahmen sprengen. Was also bedeutet Frau sein?

Frauen sind stark und schwach. Frauen sind groß, klein, dick, dünn, alt jung. Frauen sind selbstbewusst und schüchtern. Frauen sind…

Für mich bedeutet Frau sein, ich sein dürfen.

Die Papa…

Ich glaube, dass Erwachsene viel komplizierter denken, als Kinder. Gerade was Gendern angeht. Heute Morgen fiel mir das besonders auf. Mein mittlerer Sohn hat kein Problem, mich „die Papa“ zu nennen.

Papa ist, zumindest in der Grammatik, männlich – so sehen zumindest wir Erwachsene das. Für meine Kinder, die nun seit mehreren Jahren erleben, dass Papa eine Frau ist, ist es ganz normal, auch das Wort weiblich zu betrachten. Was für konservative Geister wahrscheinlich ein Albtraum ist, passiert bei uns ganz natürlich.

Ich hatte mich immer dagegen gewehrt, den Kindern ein künstliches Wort („Mampa“ o.ä.) aufzuzwingen, um das männlich belegte Papa zu ersetzen. Ich bin Nina, ich bin Papa. Ich weiß, dass es unüblich ist, dass eine Frau Papa genannt wird, aber für mich war es immer klar, dass ich nicht Mutter bin (keine Schwangerschaft) und ausserdem war ich dagegen den Kindern eines der innigsten Wörter zu entreißen, nur weil ich eine Frau bin.

Papa repariert, Papa kocht, Papa beschützt, Papa kuschelt,… Papa ist für meine Kinder hoffentlich ein positiv belegtes Wort. Und mir war immer klar, dass damit das „der Papa“ und „er“ für sehr lange Zeit mein Leben begleiten würden. Umso erfreulicher ist es, dass in den letzten Monaten das „die Papa“ Einzug in unsere Familie gefunden hat und das von selbst, ohne Druck.

Mein Kaffee steht am Frühstückstisch und ich lächle, weil mein Sohn gerade wieder „die Papa“ sagte. Ich denke an Diskussionen mit Feministinnen, über die maskulin belegte Sprache, dass „man“, „jemand“ und „wer“ maskulin wären. Und dann erlebe ich, dass das Leben ein rein maskulines Wort in seiner Bedeutung umdrehen kann. Nicht wir haben die Sprache verändert, unsere Kinder passen die Sprache an ihre Welt an. Vielleicht sollten wir daran arbeiten, unseren Kindern Gleichberechtigung vorzuleben, und dann sehen, wie sich die Sprache dadurch verändert.

Ein kleines Lebenszeichen…

Ich weiß, ich habe einige Tage nichts geschrieben. Das liegt einerseits an meiner tollen Familie und den Osterferien und anderes auch daran, dass mein Leben derzeit sehr stetig verläuft. Nichts ist so außergewöhnlich, dass ich viel dazu berichten könnte.

Also wünsche ich euch schöne Ferien und genießt den aufkommenden Frühling.

Alltagseinblicke…

Ich ist Montag, heute haben die Osterferien begonnen. Diese Woche sind die beiden großen Kindern bei ihrem biologischen Vater, also ist es hier etwas ruhiger.

Der Wecker meiner Frau klingelt etwas später, als an Schultagen, aber er klingelt. Sie muss zur Arbeit und weckt mich, als der Kaffee schon durchgelaufen ist. Der Kleinste schläft noch, der Mittlere ist bereits wach und jammert, weil er noch nicht Lego spielen kann.

Ich decke automatisiert den Tisch und schmiere meiner Frau ein Brot für den Arbeitstag. Wir reden über alltägliches: das Mittagessen, Einkäufe, Tagesplan…

Später, als sie bereits arbeitet, wacht der Kleinste auf. Während er frühstückt, suche ich mit dem Mittleren das fehlende Legoteil.

Der Tisch sieht aus wie ein Schlachtfeld. Kurz mit dem Lappen drüber und einen Becher Kaffee eingießen,Zettel und Stift für die Einkaufsliste und eine to-do Liste.

image
Kaffee und Einkaufsliste

Ich sehe meine Hände und denke mir: ‚der Nagellack muss für heute noch reichen‘ während ein Meerschweinchen im Käfig durchdreht und die Hälfte der Streu im hohen Bogen aus dem Käfig schießt. Der kleinste läuft zügig durch, er muss Nase putzen.

Mein Kaffee ist kalt, die Einkaufsliste sehr minimalistisch, das Chaos beseitigt.

Ja, so sieht mein Alltag aus, der Alltag in einer Regenbogenfamilie, einer ganz normalen Familie. Es ist einfach ein ganz normaler Alltag, wie in Millionen anderer Familien auch. Wer glaubt, das Geschlecht der Familienmitglieder mache etwas besonderes oder ungewöhnliches daraus, der hat von Familie keine Ahnung. Wer glaubt, dass ich in Kleidchen singend in der Wohnung herum tanze, hat zu viele Disney Musical Filme gesehen.

Ich trinke jetzt den kalten Kaffee und stelle meine Listen fertig. Guten Morgen, liebe Welt. Guten Morgen, Montag.

Bitte nennt mich nicht Norbert….

Meine Eltern waren die letzten Familienmitglieder, bei denen ich mich geoutet habe. Das ist über ein Jahr her. Zu dem Zeitpunkt war der Antrag zur Namensänderung schon in Bewegung und zuhause war ich schon lange Nina.

Über ein Jahr nach dem Coming out habe ich meine Mutter gebeten, mich nicht mehr mit meinem alten Namen anzusprechen.

Eigentlich sollte ich inzwischen wissen, dass es immer in die Hose geht, wenn ich Transsexualität irgendwie anspreche.

Und wieder einmal die Erkenntnis…

Nicht alles, was über Trans* geschrieben wird ist gut, richtig, sinnvoll oder verständlich. Ehrlich gesagt treffe ich auf unbeschreiblich viele Texte, in denen Klischees gehegt und gepflegt werden und Schubladen bedient werden, die fände ich nicht einmal.

Trans* ist ein Zustand, keine Wahl. Daher kann man getrost jeden Text, der das behauptet schließen. Oft entsteht aus der oben genannten Annahme einer Wertung, wie trans*: Weg damit. Jemand der Transmenschen vorschlagen oder vorschreiben will, wie sie zu sein haben: Mülltonne.

Dann gibt es die klugen Aktivisten (99,9% davon sind Männer), die die Probleme des Feminismus im Feminismus begründet sehen und gelegentlich auch ein paar Worte über Transgender schreiben. Da kommen dann super Beispiele und oft wird ein Teil der Transgender als Freak bezeichnet. Formulierungen wie Geschlechtsumwandlung oder „die hat sich zur Frau umoperieren lassen“…. Alles einfach kopfschüttelnd zum Müll.

Und jene, die transgender als Gefahr betrachten… Weg damit. Ganz schnell.

Woran erkennt man gute Texte zu trans*themen?

1. Es wird nicht gewertet
2. Weder trans noch cis werden beleidigt
3. Es geht um konkrete Themen oder Personen, keine erfundenen Beispiele („ich kenn jemand, dem seine Frau hat mal…“)

Eigentlich logisch, sollte man meinen. Ich bevorzuge übrigens Texte, die ohne Abkürzungsverzeichnis und ohne akademischen Abschluss gut verständlich sind. Aber das ist nur meine persönliche Meinung 🙂