Nina telefoniert…

Ich stehe an der Spülmaschine, auf der Couch schläft ein erkältetes Kind, das Telefon klingelt.

„Guten Tag, Firma XY. Könnte ich Frau H. sprechen?“
„Tut mir leid, Frau H. ist gerade in der Arbeit. Worum geht es denn?“
„Ach so. Sind Sie Herr H.?“
„Nein.“
„Oh. Ist Herr H. da?“
„Nein, der Exmann meiner Frau ist nicht da. Darf ich denn fragen, worum es geht?“
„Könnte man Frau H. denn erreichen?“
„Also: meine Frau, Frau H.-J. arbeitet. Herr H. ist ihr Exmann. Ich bin Frau J. und mit Frau H.-J. verheiratet. Ich weiß, ich habe eine tiefe Stimme, das liegt daran, dass mein Körper nicht so weiblich ist, wie ich. Ich kann Ihnen das gerne alles erklären, wenn sie viel Zeit haben, aber der Einfachheit halber: ich bin transsexuell. Sie können gerne ein anderes mal anrufen und wahrscheinlich erreichen Sie mich dann wieder. Oder sie sagen mir ihr Anliegen, dann notiere ich es für meine Frau.“
„Oh. Also – Schweigen – können Sie ihrer Frau sagen, dass der Trainingsanzug ihres Sohnes geliefert wurde?“

Patchworkfamilie und Transfrau, das überfordert die Dienstleister oft. Ich notiere „Trainingsanzug abholen“ und räume die Spülmaschine fertig ein.

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9 Gedanken zu “Nina telefoniert…

  1. Hallo! Ich lese deinen Blog echt gerne – aber bei dem Beitrag bin ich jetzt echt stutzig geworden. Denn die unerforderung der Dienstleister ist ja voll und ganz nachvollziehbar! Da würd ich mir auch ein bißchen Toleranz und Nachsichtigkeit wünschen.
    Alles liebe dir!

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    1. Danke für dein Feedback. Das ist nur ein Beispiel. Einige Dienstleister beharren sogar darauf mich Herr zu nennen, nachdem ich die Situation erkläre.

      Ich wünsche dir einen schönen Tag, Nina

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      1. Da ich beruflich viel am Telefon arbeite, kenne ich das Problem mit dem Einordnen der Stimmlage (manche Telefone von minderer Qualität verzerren noch zusätzlich, was die Dinge nicht einfacher macht). Wenn ich die falsche Anrede benutze, entschuldige ich mich höflich, ohne darauf herumzureiten. Ansonsten versuche ich gerade, mir die Frage: „Wie darf ich Sie ansprechen?“ anzugewöhnen, wenn ich mir unsicher bin, ob ich mit Herrn oder Frau X spreche. Die Anrede ganz zu vermeiden, finde ich persönlich unhöflich, aber vielleicht liege ich da auch falsch.

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        1. Nachzufragen ist immer höflich. Leider gibt es Menschen, die weder nachfragen, noch Erklärungen zur Anrede annehmen.

          Sehr schade ist, dass nur wenige Mitarbeiter eine Notiz im Datensatz hinterlassen, sodass ich, wenn ich verbunden werde, oftmals meine Erklärung immer wieder wiederholen muss.

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  2. Sehr schöner Blog, liest sich sehr interessant,

    bin zufällig darauf gestoßen und schmökere jetzt schon 2 Stunden darin, sehr informativ…

    eine Frage, ich habe gelesen das du aus Österreich bist,

    lebst aber jetzt in Deutschland nehme ich anhand der Dressen der Kinder in deinem Twitteraccount sah es so aus als wären sie Deutschland Fans?

    oder seid ihr noch in Österreich?

    Liebe Grüße

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  3. Wo ist eigentlich das Problem an der Nachricht? Die tun ja so, als ginge es darum, geheime, persönliche, medizinische Informationen weiterzuleiten oder sowas. Ein einfaches „Könnten Sie ausrichten, dass…“ und das ganze Getue und Nachgefrage wäre doch passé gewesen XD

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