Wie hast du dich geoutet…

Da ich ja nicht nur hier schreibe, sondern auch sonst durchaus das eine oder andere Wort zu Transsexualität sage und schreibe, kontaktieren mich immer wieder Menschen mit verschiedenen Fragen und die meisten davon beantworte ich gerne. Am häufigsten werden mir interessanterweise Fragen zu meinem Coming Out gestellt.

Mein Coming Out lief eher untypisch. Ich habe mich zwar über die Jahre immer wieder verschiedenen Menschen (nicht nur Therapeuten) anvertraut, aber das echte Coming Out, das zu einer Veränderung in meinem Alltag führte passierte mit meiner Frau. Irgendwie hatte ich den Punkt erreicht, wo es mir nicht mehr gut tat, so zu tun, als wäre ich ein Mann und das war so ziemlich das was ich sagte. Ich konnte nicht sagen, inwiefern ich Crossdresser oder Fetischist war oder ob ich tatsächlich als Frau leben wollen würde, denn ich wusste es nicht. Anscheinend machen die meisten Trans* vor dem Coming Out schon Erfahrungen mit Kleidung, Makeup… ich hatte nichts davon wirklich ausprobiert. Für mich selbst war das Thema so „verboten“, dass ich nie auf die Idee kam, mir Strumpfhose oder Schuhe zu kaufen.

Ich kann nicht sagen, welchen Worten ich meiner – damals schwangeren – Frau, sagte, aber im Kern beschrieb ich einfach, wie schwer es mir fiel, Mann zu sein. Ich konnte nicht sagen, welche Konsequenzen das haben würde und auch nicht, wie tief dieses Gefühl gehen würde. Wir schafften es miteinander zu sprechen und entschieden, dass wir alles nur Schritt für Schritt machen würden und so, dass jede Seite jederzeit sagen dürfte, wenn etwas nicht okay wäre.

Das klingt aus der Entfernung betrachtet echt leicht und unkompliziert, aber es war ein riesen Schritt, als ich meine Beine rasieren wollte, es war ein unendlicher Schritt, als ich Highheels trug und noch größer wurde es, als unsere Kinder einbezogen wurden und als ich dann auch in die Öffentlichkeit ging.

Mein Coming Out war kein „Ich bin eine Frau und ich heiße Nina.“ es war vielmehr ein vermitteln meiner Gefühle und irgendwie schaffte ich auch, es klar zu machen, dass ich bereit bin den Weg langsam und gemeinsam mit meiner Familie zu gehen. Mehr kann ich eigentlich zu meinem Coming Out nicht sagen.

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6 Gedanken zu “Wie hast du dich geoutet…

  1. Hallo,
    Ich finde es sehr gut, wie du es deiner Frau erzählt hast! Sicher wird es für sie am Anfang nicht leicht gewesen sein! Aber, dass muß wahre Liebe sein, weil wie bekannt versetzt wahre Liebe ja ganze Berge!

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    1. Hallo Manuela,

      Es hat mich einiges an Überwindung gekostet und nicht alles an unserem gemeinsamen Weg war leicht. Mir war immer wichtig, dass ich das Vertrauen meiner Familie, besonders meiner Frau nicht verletze. Die Zeit, die meine Transition dadurch länger gedauert hat, wird aufgewogen durch das gute Verhältnis in der Familie.

      Liebe braucht Vertrauen. Der Begriff „wahre Liebe“ klingt ein wenig nach „was einmal passt, passt immer“. Beziehungen sind generell immer ein wenig kompliziert und nicht jeder Partnerschaft kann die Veränderungen durch Transition überstehen. Aber: es kann funktionieren…

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      1. Hallo Nina,
        Stimmt schon was du schreibst, nur deine Familie und du seit das beste Beispiel das es funktionieren kann! Ich würde mir auch gerne soviel Verständnis wünschen! Wie du richtig formulierst, GUT DING BRAUCHT WEILE und vielleicht hab ich ja auch noch ein HAPPY END! Lg.

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  2. Ja, da kann man dir nur gratulieren, dass ihr das so hingebracht habt!!
    Ich bin mir nach all den Jahren noch immer nicht ganz sicher, was ich eigentlich bin: Transe, DWT, Frau im falschen Körper… – was das Ganze nicht unbedingt leichter macht. Vor allem, wenn du es deiner Frau sagen möchtest. Wir haben deshalb ein stillweigendes Abkommen, solange ich mich zuhause, wenn ich alleine bin, auslebe, stört es sie nicht…

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