Die Hürden …

Seit ich mich als Frau in der Öffentlichkeit bewege, stoße ich an Grenzen und muss zahlreiche Hürden überwinden. Die kleinen Schwierigkeiten des Alltags werden ziemlich gut von der Gewohnheit flach gebügelt, aber ein paar Hindernisse bleiben. Gerade im Umgang mit Ämtern, Behörden, Krankenkassen und Ärzten läuft vieles anders, als man es sich wünschen würde.

Abgesehen davon gibt es eine Hürde, über die ich regelmäßig falle: soziale Netzwerke. Vor der Namensänderung war der der Klarnamenszwang vieler Plattformen ein Hindernis. Jetzt hab ich das hinter mir, jetzt scheitere ich an anderen Kleinigkeiten.

„Geben Sie ihr Geschlecht an“ – Okay weiblich (die drölfzig Versionen von Trans* ignoriere ich. Ich bin eine Frau)

„Profiltext“ – uiuiui, schwere Falle. Ich erwähne ungern, dass ich transgender bin, denn eigentlich geht es niemanden etwas an. Allerdings bin ich auch aktiv, um für Verständnis für trans* zu werben, also erwähne ich es. Sätze wie „Ich war einmal Mann“ drücken eigentlich ganz klar aus, worum es geht, leider wurde mir genau dieser Satz als transfeindlich vorgeworfen. (Okay… es gibt Leute, die Travestie als transfeindlich bezeichnen und selbst Conchita Wurst, die mich oft motiviert hat, wird so betitelt….) also ändere ich den Profiltext.

Foto – Ich steh zu mir, ich zeige Gesicht: „Hey, du bist gar keine Frau“ in regelmäßigen Abständen. Also nehme ich kein Selfie, sondern ein Bild meiner Beine (die mag ich) – Fickvorschläge und Penisbilder garantiert. Also doch was neutrales… eine Blume oder ein Hamster… irgendwas ohne persönlichen Bezug

Und dann bin ich so dumm und schreibe, was ich denke, meine und teile, was ich für wichtig oder gut halte. Da sind meine Formulierungen wie „gefühltes Geschlecht“ genauso drin, wie mal Sarkasmus, wo ich mich einfach freue, dass ich CIS als Gespött dienen darf. Tja, dann werden Inhalte zerlegt, aus dem Kontext gerissen und entweder als schwul oder als trans-/frauenfeindlich ausgelegt.

Die liebste Funktion in sozialen Netzwerken ist ignorieren/blockieren. Ich wäre gerne offener, würde meine DM/PN Funktion ganz offen für alle lassen (den Fehler hab ich einmal gemacht). Ja, ich gäbe vielen einfach auch meine Handynummer, damit sie mich mal per Whatsapp anschreiben können oder anrufen, wenn sie nicht weiter wissen. Aber ich habe schmerzhaft gelernt, dass dann eine Unmengen von Idioten, Perversen, Freaks und Spinnern angelaufen kommt.

Mein größte Hürde im sozialen Netzwerken ist, dass ich nur bedingt offen sein darf/kann.

Advertisements

12 Gedanken zu “Die Hürden …

  1. Das ist leider der Nachteil bei sozialen Netzwerken. Es wird teilweise gehetzt und alles zerlegt und durchgekaut. Manchmal frage ich mich, ob die Leute nichts besseres zu tun haben, als sich irgendwelche Tweets oder sonstigen Einträge vorzunehmen und diese platt zu diskutieren. Solche Menschen scheinen entweder kein Leben zu haben oder machen absichtlich Leute fertig und ergötzen sich dann daran. Da muss man irgendwie versuchen drüber zu stehen. Bei Twitter kann man die Idioten wenigstens noch blockieren.
    Schreib weiter so, du bist fabelhaft – vorwärts :*

    Gefällt 1 Person

    1. Danke,

      Ich mache definitiv weiter. Ich finde es schade, dass meine Sprache von dogmatischen Aktivist*innen oft zerlegt wird. Ich spreche bewusst so laienhaft, weil ich damit nicht nur Eingeweihte und gut informierte Betroffene erreiche.

      Aber: wie man es macht, macht man es falsch 😀

      Gefällt 2 Personen

  2. *Kicher* – laienhaft ist gut. Zumindest für mich… so komm ich langsam hinter Abkürzungen und anderes.
    Wobei ich es auch so sehe – die Leute bewerten; maßregeln; zwingen ihre Werte auf…
    Statt dass man sich daran freut, dass es so viele unterschiedliche Menschen gibt; unterschiedliche Denk- und Sichtweisen; unterschiedliche Werte, wollen viele einfach alles „gleich“ und „unkompliziert“ machen.
    Letztlich zeugt das nur von derer Einfachheit und engen Gedankenwegen.
    Da ist kein Raum für mehr.

    Aber eigentlich muß man auch garnicht alles verstehen – es reicht völlig, zu akzeptieren was ist.

    Ich liebe diesen Motivations-Satz für den Kühlschrank:
    „Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie Du mich haben willst“.

    Wer mit dir überfordert ist, darf sich doch jederzeit ein „einfacheres Gegenüber“ suchen, mit dem sein Inneres mithalten kann.

    Leb dein Leben. Du hast nur dieses eine.
    Ich wünsche dir viel Freude.

    Gefällt 1 Person

      1. Du schreibst bislang keineswegs unklar.
        Es ist nur manchmal sehr kompliziert mit all diesen „Unterarten“ von Menschen. Letztlich sollten die anderen Menschen; nicht-Ärzten; nicht-Gutachtern; nicht-Therapeuten doch fast unbedeutend sein…. Ich glaube, es wäre das beste, einfach nur Menschen zu sehen.

        Gefällt 1 Person

  3. Hallo Nina

    Du machst es fabelhaft! Du gibst mit deiner Offenheit so vielen Menschen Mut denn richtigen Weg zu gehen! Ich bin dir sehr dankbar, dass du mit mir Kontakt aufgenommen hast und das ich mit dir so offen reden konnte! Aber leider wissen es nicht alle zu schätzen! Ja leider, im sozialen Netzwerken wird echt fast alles zerlegt und so zu recht gemacht das sich die Idioten noch amüsieren! Das ist auch eine Form des Moppings, und gehört auch bestraft finde ich! Die Ämter sollen es einfach akzeptieren wie und was man sein will und nicht immer blöde Fragen stellen! Man weiß es ja selbst am besten was am besten ist für sich!

    Lg. Manuela

    Gefällt 1 Person

  4. Dieser Post hat mich echt umgehauen. Ganz besonders, dass du als Transfrau als transfeindlich bezeichnet wirst. Das … so was will mir nicht in den Kopf. Das erinnert mich daran, wie mein Mann vor Jahren, als er noch arbeitsfähig war, von einer Jobcenter-Mitarbeiterin Vorurteile gegenüber Behinderten vorgeworfen bekam, weil er (mit Abitur und abgeschlossener Ausbildung) nicht in einer Werkstatt für geistig Behinderte arbeiten wollte. Das fühlt sich einfach unfassbar für mich an.

    Vor einigen Jahren habe ich für einen Roman sehr viel über Transsexualität recherchiert – damals war mir noch gar nicht klar, wie unterschiedlich trans* ausgelegt werden kann; damals war auch das Sternchen online kein Thema, über das ich bei meiner Recherche gestolpert wäre. Jemanden als transfeindlich zu bezeichnen, der selbst trans ist – ich glaub, um da dahinterzusteigen, also was nun konkret in so jemandem vorgeht, bin ich nicht „drin“ genug. Irgendwie dachte ich, dass gerade die sozialen Medien dabei helfen könnten, den Roman eines Tages zu verbreiten, aber – waah, davor hab ich jetzt endgültig Schiss. o.O

    Ich mag deinen Blog und all deine Erklärungen hier jedenfalls wahnsinnig gern – auch als Mensch, der sich nicht zu 100% weiblich fühlt, aber doch weiblich genug, um beim Pronomen sie zu bleiben. Menschen zu zerfleischen, weil sie nicht exakt dem entsprechen, was man selbst in Bezug auf Begrifflichkeiten richtig findet – das wird für mich immer unkapierbar (… Neologismus) bleiben.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo 😉 ich freue mich sehr, Dich hier zu lesen. Ja, ich finde die Situation auch sehr bizarr. Ich kann ja auch verstehen, dass an gewissen Begriffen Kritik geübt wird, aber der Ton macht da eindeutig die Musik. Und mein Anliegen ist es einfach Menschen anzusprechen, die das Thema kennen, die Worte aber nicht unbedingt. Vor allem gibt es in den einzelnen bereichen der gender- und transaktivist*innen sehr große Unterschiede in der Auffassung gewisser Begriffe. Neulich wurde der Stern diskutiert, weil der das „innen“ vom Wort trennt und damit den Fokus auf das maskuline Ausgangswort legt… also wie man es macht, macht man es falsch.

      Ich versuche, die aggresiven Reaktionen nicht persönlich zu nehmen, obwohl ich micht kurz fragte, warum ich meine Zeit und Geduld in die Aufklärung über Transthemen stecke, wenn die betroffenen das dann als transfeindlich bezeichnen. Aber irgendwie glaube ihc daran, dass es nötig ist, die verschiedenen Positionen anzusehen und dort zu vermitteln. Ich weiß, dass das nicht jeder/jede mitmachen wird. Wahrscheinlich bin ich eine Träumerin

      Liebe Grüße,
      Nina

      Gefällt 1 Person

  5. Das Pech ist denke ich einfach, dass unsere biologisch eingebaute Mustererekennung bei Geschlecht sehr gut funktioniert, auch weil es eben ein evolutionärer Vorteil war, das Geschlecht gut zu erkennen.
    Noch mehr Pech ist, dass Anzeichen für Merkmale des anderen Geschlechts ebenfalls gut erkannt werden, weil das meist Punkte wie Fruchtbarkeit etc betrifft und damit in biologisch verankerte Partnerwahlkriterien hineinspielt.

    Das macht Passing sehr schwierig. Und dieses hin und herspringen zwischen den potentiellen Mustern verwirrt die Leute wahrscheinlich und lässt bei vielen ein Unwohlsein entstehen.

    Da entstehen leider wohl unlösbare Probleme, die einzige Weise wie man sie wohl lösen könnte ist wenn Leute persönlichen Kontakt zu Transsexuellen haben und sie als Mensch erleben. Aber da gibt es eben zu wenige für eine weitreichende Wirkung

    Gefällt 2 Personen

    1. Da stimme ich dir weitestgehend zu. Der persönliche Kontakt zu Transmenschen ist eine Möglichkeit, ich glaube, dass man durch bewusstes Leben in der Öffentlichkeit (real wie auch im Netz) sehr viele Menschen erreichen kann, aber nur wenige gelernt haben mit dieser Möglichkeit auch praktisch umzugehen.

      Also: ich treffe oft Menschen, bei denen ich das Eis brechen muss, dann sind sie durchaus offen.

      Gefällt 1 Person

      1. „Also: ich treffe oft Menschen, bei denen ich das Eis brechen muss, dann sind sie durchaus offen.“

        Das kann ich mir vorstellen. Es ist eben eher ungewöhnlich. Und ich kann mir auch vorstellen, dass es mühsam ist und Kraft kostet das immer wieder zu müssen.

        Aber ich glaube dennoch, dass man mit der Einstellung „das sind alles transfeindliche Menschen, die sollen mal ihre Privilegien überdenken“ da die Sache eher verschlimmert.

        Gefällt 1 Person

        1. Genau deiner Meinung. Ich habe durchaus Menschen getroffen, die mir feindlich gegenüber treten, aber viel häufiger ist es Unhöflichkeit. Und die ist wiederum oft in Vorurteilen begründet, die sich leicht aus der Welt räumen lassen.

          Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s