Monat: Dezember 2015

Gedanken über die Zukunft…

Vor ziemlich genau einem Jahr fand ich den Gutachter, den ich noch brauchte, um meine Namensänderung zu startet. Ich lebte in allen Bereichen des Lebens geoutet und hatte vieles in Bewegung gesetzt.

Im Augenblick liege ich in der Wanne und überlege, wie ich meine Zukunft aktiv gestalten kann. Morgen muss ich zum jobcenter und ich muss sagen, dass ich in meinem gelernten Beruf eigentlich keine realistische Chance auf eine Anstellung besteht. Mein Fachwissen und die Softwarekenntnisse sind veraltet und auch sonst sieht es für Mediengestalterinnen in Ostwestfalen nicht so rosig aus.

Kürzlich habe ich mich über eine Umschulung zur Erzieherin informiert. Ich würde das unheimlich gerne machen. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass ich das machen darf.

Also denke ich gerade viel über meine Zukunft nach. Ich bin leicht geknickt, denn ich weiß, dass viele Arbeitgeber Vorbehalte haben, weil…. Ihre Kunden könnten Probleme haben, mit einer Transe… Ja, es ist Diskriminierung. Aber ich verstehe die Argumentation. Ich bin einfach anders und zwar deutlich anders.

Ich hasse Hartz 4. In den letzten Jahren habe ich mehrere hundert Bewerbungen geschrieben, um aus dem System und der Armut raus zu kommen. Inzwischen habe ich keine wirkliche Hoffnung auf eine Einstellung. Manchmal will ich in einem Café sitzen können und den Leuten zusehen, wie sie mich anstarren. Aber das kann ich mir nicht leisten.

Ich habe erreicht, dass ich in die Sauna (Damen) dürfte und ich will so gerne hingehen, weil Sauna mir gut tut… Aber ich habe nichtmal dafür das Geld. Darum verkrieche ich mich so oft ich kann in der Wanne.

Ich bin traurig und habe, wenn ich ehrlich bin, keine Hoffnung mehr. Ich habe genug, um zu überleben, aber es fühlt sich oft nicht nach LEBEN an.

In zwei Wochen ist 2016. Hurra.

Der Realität ins Auge sehen…

Heute Nacht habe ich kaum geschlafen. Das liegt einfach an meiner Realität. Wenn ein Kind krank wird, ist der Schlaf dahin. Morgens ausschlafen ist eine schöne Illusion, aber eben nur das.

Tiefgreifender ist die Realität, die ich beim Blick in den Spiegel erlebe. Es kostet mich immer Überwindung, den fremdem Mann im Badezimmer zu begegnen. Und dennoch habe ich heute mal ein vorher-nachher Bild gemacht.

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Jeden Tag mache ich diese kleine Verwandlung durch, um äußerlich ein wenig mehr so auszusehen, wie ich mich selbst wahrnehme.

Ja, das bin ich. Ich sehe im Spiegel nie eine Frau, aber auch unrasiert und ungeschminkt bin ich eine.

Realität ist nicht immer schön. Ich arbeite täglich an meiner.

Vorweihnachtsruhe…

Ihr kennt das in der Zeit, die man die stillste nennt, hat man vieles, aber keine Zeit. Weihnachtsfeiern, Elternabende, hier ein Glühwein, da ein stiller Moment mit Freunden,…

Im Weihnachtstrubel starrt mich kaum jemand an. Zu wichtig sind die eigenen Einkäufe und Geschenke unterm Arm.

Ich hoffe, dass ihr es schafft Zeit mit euren liebsten zu verbringen. Ein wenig Kerzenlicht und Kekse…

Die Hürden …

Seit ich mich als Frau in der Öffentlichkeit bewege, stoße ich an Grenzen und muss zahlreiche Hürden überwinden. Die kleinen Schwierigkeiten des Alltags werden ziemlich gut von der Gewohnheit flach gebügelt, aber ein paar Hindernisse bleiben. Gerade im Umgang mit Ämtern, Behörden, Krankenkassen und Ärzten läuft vieles anders, als man es sich wünschen würde.

Abgesehen davon gibt es eine Hürde, über die ich regelmäßig falle: soziale Netzwerke. Vor der Namensänderung war der der Klarnamenszwang vieler Plattformen ein Hindernis. Jetzt hab ich das hinter mir, jetzt scheitere ich an anderen Kleinigkeiten.

„Geben Sie ihr Geschlecht an“ – Okay weiblich (die drölfzig Versionen von Trans* ignoriere ich. Ich bin eine Frau)

„Profiltext“ – uiuiui, schwere Falle. Ich erwähne ungern, dass ich transgender bin, denn eigentlich geht es niemanden etwas an. Allerdings bin ich auch aktiv, um für Verständnis für trans* zu werben, also erwähne ich es. Sätze wie „Ich war einmal Mann“ drücken eigentlich ganz klar aus, worum es geht, leider wurde mir genau dieser Satz als transfeindlich vorgeworfen. (Okay… es gibt Leute, die Travestie als transfeindlich bezeichnen und selbst Conchita Wurst, die mich oft motiviert hat, wird so betitelt….) also ändere ich den Profiltext.

Foto – Ich steh zu mir, ich zeige Gesicht: „Hey, du bist gar keine Frau“ in regelmäßigen Abständen. Also nehme ich kein Selfie, sondern ein Bild meiner Beine (die mag ich) – Fickvorschläge und Penisbilder garantiert. Also doch was neutrales… eine Blume oder ein Hamster… irgendwas ohne persönlichen Bezug

Und dann bin ich so dumm und schreibe, was ich denke, meine und teile, was ich für wichtig oder gut halte. Da sind meine Formulierungen wie „gefühltes Geschlecht“ genauso drin, wie mal Sarkasmus, wo ich mich einfach freue, dass ich CIS als Gespött dienen darf. Tja, dann werden Inhalte zerlegt, aus dem Kontext gerissen und entweder als schwul oder als trans-/frauenfeindlich ausgelegt.

Die liebste Funktion in sozialen Netzwerken ist ignorieren/blockieren. Ich wäre gerne offener, würde meine DM/PN Funktion ganz offen für alle lassen (den Fehler hab ich einmal gemacht). Ja, ich gäbe vielen einfach auch meine Handynummer, damit sie mich mal per Whatsapp anschreiben können oder anrufen, wenn sie nicht weiter wissen. Aber ich habe schmerzhaft gelernt, dass dann eine Unmengen von Idioten, Perversen, Freaks und Spinnern angelaufen kommt.

Mein größte Hürde im sozialen Netzwerken ist, dass ich nur bedingt offen sein darf/kann.