Hormone und ein Buch…

In den ersten Wochen der Hormonbehandlung merkt man nichts. Wenn man, wie ich, vorher in Foren und sozialen Netzwerken mit anderen Transfrauen gesprochen hat, erwartet man sicher keine Wunder, aber ein wenig Ziehen in der Brust hatte ich schon irgendwie erhofft. Immerhin ist das Brustwachstum die sichtbarste Folge der Umstellung. Aber in den ersten Wochen passierte bei mir dahingehend nichts. Erstaunt stellte ich fest, dass sich die Form meines Hintern ein wenig ändert und es war auch spürbar, dass die Brust weicher wurde.

Nun, etwa fünf bis sechs Wochen nach Beginn der Behandlung spüre ich die Brüste. Einerseits ist die Haut, besonders um die Brustwarzen deutlich empfindlicher, aber das Wachstum ist begleitet von einem Schmerz, der einem heftigen Muskelkater sehr ähnlich ist. Ein Muskelkater, der nicht ständig spürbar ist.

Ich stecke also mitten in der Pubertät und das zeigt sich auch in der Stimmung. Zwar empfinde ich mich größtenteils als ziemlich ruhig und gelassen, aber ohne Scheiß: ich kann in 0,3 Sekunden zur Furie mutieren. Genauso schnell ebbt es wieder ab. Und eine Begleiterscheinung, die mir zusetzt: ich habe ständig Hunger und Durst. Selbst während ich trinke hab ich Durst, während ich esse, denke ich ans Essen. Eigentlich logisch: der Körper verbraucht für die Veränderungen reichlich Energie und der Stoffwechsel reagiert.

Ob es an den Hormonen liegt, dass ich mich derzeit noch mehr als sonst als unförmig betrachte, oder ob das eine Auswirkung des Herbstblues ist, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall fühle ich mich alles andere als sexy. Dennoch habe ich eines festgestellt: ein Teil meines inneren Kampfes, den ich mein Leben lang empfand ist deutlich weniger geworden. Es ist ein wenig so, als wäre endlich der richtige Sprit im Motor und das Klappern, dass immer zu hören war, ist nun endlich weg.

Ach ja, das Buch. Ich schreibe zwar oft, aber meistens sehr kurze Texte. Dieses Jahr stieß ich auf NaNoWriMo, den National Novel Writing Month, ein inzwischen internationaler Event, bei dem Autoren von 1. – 30. November einen Roman mit mindesten 50.000 Wörtern schreiben. Als ich das las, dachte ich: Das schaffst du nie. Was mich nicht davon abhielt, trotzdem teilzunehmen. Ich schreibe seit 1. November jeden Tag an einem Buch. Es hilft mir ein wenig, mit den Stimmungsschwankungen durch Herbst und Hormone umzugehen. Außerdem schafft es eine gewisse Struktur und fordert reichlich Disziplin. Die Antriebslosigkeit, die durch das Fehlen des Testosteron deutlich zu spüren ist, überwinde ich damit, dass ich Schreiben zum täglichen Ritual gemacht habe. Inzwischen habe ich über 30.000 Wörter und sehe, dass ich tatsächlich in der Lage bin, ganze Bücher zu schreiben.

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2 Gedanken zu “Hormone und ein Buch…

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