Arztbesuch…

Ich war schon länger nicht mehr bei meinem Hausarzt und da in der Gemeinschaftspraxis mehrere Ärzte tätig sind, hab ich einige schon recht lange nicht mehr gesehen. Heute musste ich hin, weil die Hausmittel meinen Husten nicht bekämpfen konnten. Also stand ich erstmal in einer langen Schlange an. Hinter mir wurde getuschelt, bis ich anfing, mich mit einer Dame zu unterhalten und durch kleine Plauderei verging auch die Zeit schneller. Im Wartezimmer waren lange Zeit alle Sitzplätze besetzt, was mir nichts ausmacht. Allerdings bin ich stehend und hustend so unauffällig, wie ein Leuchtturm in einer nebligen Nacht.

Nach einer ordentlichen Wartezeit wurde ich ins Behandlungszimmer gerufen. Der Eindruck mag täuschen, aber ich glaube, das ganze Personal der Praxis ging einmal an der offenen Tür vorbei und grüßte mich. Für  mich ist das sehr weit verständlich, denn viele davon sahen mich bisher nur als Mann. Als die Ärztin kam, und mich mit einem schwungvollen „Ah, Herr J.“ grüßte hielt sie kurz inne. Sie schaute auf den Monitor und fragte: „Herr oder Frau?“ – „Inzwischen Frau J.“ – „Gratuliere.“

Abgesehen davon, dass diese Hausarztpraxis wirklich sehr schätze, weil die Menschen einfach richtig herzlich sind, habe ich heute festgestellt, dass es Ärzte gibt, die über den Tellerrand hinaus schauen. Die Untersuchung war nicht besonders aufwendig, aber meine Ärztin fragte mich verschiedenes zu meiner aktuellen Behandlung, therapeutisch und medikamentös und als die Untersuchung fertig war, nahm sie sich die Zeit über meine geplanten weiteren Schritte zu sprechen.

Oft rede ich mit anderen Menschen mit Transsexualität, die große Schwierigkeiten haben, einen guten Hausarzt zu finden. Meine Hausärzte waren vor einigen Jahren mit meinem Coming-Out ein wenig überfordert, immerhin war ich die erste Transfrau in dieser Praxis. Aber in jeder Phase waren die Ärzte dort bemüht mir zu helfen oder Beratung zu finden. Das ist leider nicht selbstverständlich.

Eine kleine Randnotiz:
Da es meine erste Untersuchung seit der Hormonbehandlung war und ich tatsächlich sehr langsam feststelle, dass meine Brüste runder werden, habe ich etwas kennengelernt, das ich vorher nie so intensiv empfand: ich schäme mich, meinen nackten Oberkörper zu zeigen. diese kleine Veränderung berührt mich sehr und ist eigentlich der Grund, warum ich diesen Eintrag schrieb. 🙂

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