Ein Telefon zu bekommen ist schwer…

Mein Stimme ist tief. Das merke ich bei jedem Telefonat. „Guten Tag Herr J.“ – „Frau J.“ – „Oh, tut mir leid.“ Ich kenne die Reaktion und ich erkläre jedes mal die Situation, so einfach ich kann.

Heute führte ich ein nettes Telefonat mit einer Dame in einem der Callcenter eines Handyanbieters. Ich will einen neuen Vertrag, denn mein bisheriger Anbieter hat eine frustrierende Vorstellung von Kundenservice. Tja, normalerweise könnte man online die Bestellung abwickeln und alles wäre fix erledigt. Normalerweise, also für Menschen, die der Norm entsprechen.

„Ich beschreibe Ihnen mein Problem: mein Name und mein Geschlecht wurden rechtskräftig im Mai geändert. Aufgrund von Umständen, die den Rahmen sprengen habe ich allerdings noch keinen Ausweis. Meine Bank führt also mein Konto noch auf meinen alten Namen.“

Stille. Ein kurzes „Oh.“ bestätigt, dass keine der Standardantworten auf das von der Norm abweichende Problem passt. Nein, das Konto muss zwingend der gleichen Person gehören. Nein, die Dame kann da nichts ändern. Moment, sie fragt mal nach. Ja, unter Umständen könnte ich es machen, wenn ich schriftlich … aber sie könne nichts garantieren.

Ich weise höflich, aber mit deutlichem Nachdruck darauf hin, dass ich mich diskriminiert fühle und frage, ob ich für einen Handyvertrag ernsthaft klagen muss?

Die Auskunft bleibt die gleiche. Der Dame tut es wirklich leid. So leid, dass ich mich nicht ärgere, wenn sie mich zwischendurch mal Herr nennt.

Eine halbe Stunde später sitze ich hier und überlege, den Vertrag mit meinem alten, falschen Namen zu machen und dann mit dem Rechtskraftbescheid per Post die Daten ändern zu lassen. Es fühlt sich falsch an, den alten Namen anzugeben und noch falscher das Geschlecht und die Anrede zu sehen. Immer wieder renne ich in solche Situationen und ich kann es kaum erwarten meinen Pass in Händen zu halten. Und hoffentlich brauche ich danach nie wieder meinen alten Namen. Nie wieder.

Edit:

Mir ist klar, dass vor allem Banken Regelungen brauchen. Ich verstehe auch, dass Handybetreiber Sicherheiten brauchen. Was ich nicht verstehe ist, dass es in vielen Unternehmen und Behörden keine Lösung gibt, wenn klar ist, dass es sich ja um die gleiche Person handelt. Das kostet mich viel Zeit, Geduld und Nerven

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Ein Gedanke zu “Ein Telefon zu bekommen ist schwer…

  1. Das Problem ist, dass „wen-auch-immer-du-am-Telefon-hast“ meist nicht einmal bei der Firma arbeitet, sondern outgesourced ist. Die Dienstleister kriegen Prozesse nach Schema x aufgehalst und wenn jemand nicht in Schema x passt, wird es schwierig: Die Mitarbeiter können sich selbst gar nicht direkt an die Firma wenden, um eine Änderung zu erwirken und Schema x selbsttätig zu ändern, geht auch nicht.
    Das ist natürlich kein Trost für dich. Aber lass dir gesagt sein: die meisten vernünftigen Mitarbeiter fühlen sicherlich mit dir 😦

    Gefällt 1 Person

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