Begriffe können so verwirrend sein…

Für Außenstehende klingen viele Begriffe, die ich verwende wahrscheinlich sehr ähnlich, aus der Perspektive vieler Aktivisten für Trans*themen verwende ich Begriffe oft falsch. Das liegt daran, dass ich versuche einen gemeinsamen Nenner zu finden, der kein oder nur wenig Vorwissen über Transsexualität erfordert. Wobei wir schon mitten drin wären:

Transsexuell / Transsexualität:

Der Begriff wird in der Medizin und im Alltag verwendet, um den Zustand zu beschreiben, dass jemand sich nicht dem zugeordneten Geschlecht (also dem in der Geburtsurkunde) zugehörig fühlt. Kritikpunkt an dem Wort ist, dass *sexualität einen sexuellen Kontext vermittelt, den Trans-sein aber nicht erfüllt. Trans sein ist keine sexuelle Orientierung oder sexuelle Neigung. Aus diesem Grund lehnen inzwischen einige Trans-AktivistInnen die Teilname an LGBT Veranstaltungen ab (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell).

Transgender:

Der Begriff ist derzeit der wohl häufigste, um Trans* zu beschreiben. Gender ist je nach Definition das körperliche oder soziale Geschlecht. Der Begriff ist herrlich asexuell.

Transident:

Einige Trans* können sich auch mit dem Begriff Transgender nicht anfreunden. Für sie ist es wichtig, dass es sich um eine Angelegenheit der Identität, nicht allein des körperlichen Geschlechts dreht. Es geht um die Anerkennung in der entsprechenden Identität.

Obige Begriffe beschreiben mehr oder weniger das selbe, aber mit unterschiedlichen Feinheiten. Nun zu

Crossdresser:

sind Menschen, die sich – meist in der Freizeit – entgegen des körperlichen Geschlechts kleiden, aber nicht die Absicht haben, auch in diesem anderen Geschlecht zu leben. Für Crossdresser reicht es, die Kleidung, Accessoires, Haarteile, Bärte und Makeup zu tragen.

Transvestit:

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war das tatsächlich der Sammelbegriff für alle Formen von Menschen, die sich entgegen ihrem zugeordneten Geschlecht kleiden. Inzwischen beschreibt man als Transvestit jemanden, der das als Kunstform auslebt.

Drag:

Wer kennt sie nicht, die schillernden Figuren, die Drag Queens. Drags sind nicht nur Männer in Frauenkleidern, allerdings sind diese gewissermaßen, die prominentesten Vertreter. Drags sind nicht zwingend homosexuell, stellen aber oftmals ein sehr schrilles Bild des „anderen Geschlechts“ dar.

Damenwäscheträger (DWT):

Der Name sagt eigentlich schon recht viel: Männer, die Wäsche von Damen tragen, oftmals auch unter der Alltagskleidung. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich das dem Reich der Fetische zuordne.

Die obigen vier Typen unterscheiden sich in einem wesentlichen Detail von Trans*: sie sind in der Lage in beiden Geschlechterrollen zu leben.

Das Wort Transe ist das N-Wort der Trans*themen. Wer immer mit Transmenschen redet: verwendet das Wort nicht. Transmenschen verwenden es manchmal, um auf den Spott und den Umgang, den sie erleben hinzuweisen.

CIS:

Jetzt zu dem Begriff, den Transmenschen und Genderforscher verwenden, um die zu beschreiben, die sich im zugeordneten Geschlecht pudelwohl fühlen: CIS. Manchmal kommt in Foren der Begriff Biofrau/Biomann vor – den lehne ich persönlich ab, aber es beschreibt das gleiche. Jedoch bin ich auch bio, also …

Zurück zu CIS. Warum CIS, man könnte doch auch einfach „normal“ sagen? Nein, kann man nicht. Trans sein ist komplett normal. Viele Kulturen hatten dafür sogar eine eigene Geschlechtsbezeichnung, nur in der Kultur, in der wir gerade leben, ist trans sein etwas, das als exotisch betrachtet wird. CIS zu sein ist nicht normaler als trans zu sein, es ist lediglich eine Beschreibung für die eigene Wahrnehmung gegenüber der zugeordneten Rolle. Ich verwende dafür den Begriff „anatomische Frau / anatomischer Mann“, einfach weil ich dann nicht jedem Laien den Begriff CIS erklären muss. Nennen wir es also, meine angewandte Faulheit.

Es gibt noch viele Begriffe, denn nicht alle Menschen empfinden sich als Mann oder Frau. Für manche ist der Übergang fließend mal so, mal so (gender fluid), wieder andere fühlen sich keinem Geschlecht zuordenbar (z.B. agender). In der Welt der nonbinary Genders gibt es sehr viele Nuancen, Begriffe, Abkürzungen und viele Menschen, die ich kennenlernte stecken selbst da zwischen den Stühlen, und das ist vollkommen okay.

Wenn man bei einer Person nicht sicher ist, wie man sie ansprechen soll: höflich fragen. In sozialen Medien geben viele nonbinary Menschen (NB) an, mit welchem Pronomen sie angesprochen werden wollen. Man gewöhnt sich schnell daran, Menschen so zu nehmen, wie sie sein wollen.

Solltet Ihr feststellen, dass mir ein Fehler unterlaufen ist oder eine Ergänzung für nötig halten, dann bitte einen Kommentar hinterlassen oder eine e-mail an ninajust9@gmail.com

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3 Gedanken zu “Begriffe können so verwirrend sein…

  1. Biofrau und -mann find ich auch total seltsam. 😀 Hab mal kurzzeitig versucht, das zu verwenden, weil es für Menschen, die sich damit noch nie befasst haben, einfacher ist, das zu verstehen, aber… Nee. Geht einfach gar nicht (außer für Genitalien, da verwende ich es auch xD).

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