Eine haarige Angelegenheit…

Heute hatte ich einen miesen Tag, die Stimmung düster und einfach das Gefühl, an meinem Körper passe gar nichts. Es wahrscheinlich nicht leicht zu verstehen, dass eines meiner größten Probleme die Haare sind. Einerseits hab ich auf dem Kopf ziemlich wenige, andererseits zwischen Zehen und Augenbrauen einfach zu viele. Meine Selbstwahrnehmung sieht manchmal in etwa so aus:

gorilla

Wenn ich jemanden das Problem schildere bekomme ich meistens sehr liebe Tipps. Allerdings kann ich nur schwer vermitteln, wie hartnäckig dieser Wildwuchs ist. Darum hole ich jetzt ein wenig aus. Man kann rasieren, epilieren, waxing oder sugaring machen, dauerhafte Entfernung mittels Laser, IPL oder Nadelepilation. Ich gehe mal auf die einzelnen Techniken ein:

Rasieren: Um es zu verdeutlichen: das Foto zeigt meinen Unterarm, zwei Tage nachdem er rasiert wurde. Ich müsste also täglich den ganzen Körper rasieren, um eine glatte Haut zu haben. Meine Behaarung ist, wie am Bild hoffentlich erkennbar ist, einigermaßen dicht. Abgesehen davon, dass ich für den Rücken Hilfe brauche. Nebeneffekt: Hautreizungen.

Epilieren: Abgesehen davon, dass es eine ziemlich schmerzhafte Prozedur ist, reicht der Akku meines Markenepilierers gerademal für entweder beide Arme und die Beine. Brust und Bauch sind von den Schmerzen her kein Spass, Schultern und Rücken sind unmöglich. Wirksamkeit: nach 3-4 Tagen sieht der Haarwuchs gleich aus, wie am Foto oben. Wegen Krampfadern soll ich die Beine generell nicht epilieren.

Enthaarungscreme: man riecht wie ein Dixieklo und es entfernt bei weitem nicht alle Haare. Die Haare müssen eine gewisse länge haben. Hautreizungen bekommt man gratis (auch mit den sensitiv Produkten). Wirksamkeit: genau wie Rasur – nach zwei Tagen störende Stoppel.

Waxing: egal ob Kalt- oder Heißwachs, beides ist nicht angenehm. Leider habe ich davon regelmäßig blaue Flecken, die länger halten, als die erwünschte Wirkung. Kosten: Heimanwendung erwies sich als wenig erfolgreich, im Studio: 100€ – Nach 4-6 Tagen sind die Haare wieder so wie am Foto oben.

Sugaring: weniger blaue Flecken, weniger schmerzhaft, etwa 20 € teurer. Wirksamkeit: 4-6 Tage.

Laser und IPL: Mit Licht wird die Haarwurzel erwärmt und somit werden die in der Wachstumsphase befindlichen Haare (und nur die) an der Wurzel schwer beschädigt und wächst „dauerhaft“ nicht mehr nach. Leider ist es kein „lebenslang“, sondern nur ein sehr sehr lang. Die Technik funktioniert nur bedingt bei hellen (grauen) Haaren und außerdem machen einige Medikamente die Haut lichtempfindlich – was bei mir der Fall ist. Kosten: 60-80€ pro Sitzung, sehr Schmerzhaft, relativ lange wirksam.

Nadelepilation (=Elektroepilation): Vereinfacht gesagt wird in jede Pore eine Nadel eingeführt und unter Strom gesetzt. Die Galvanische und/oder thermische Wirkung tötet die Haarwurzel (wirklich) dauerhaft ab. Es klingt schmerzhaft und ist es auch. Die Haare werden danach aus der Pore gezogen, müssen daher eine gewisse Länge haben (zwei Tage nicht rasieren). Was für den Bart schon extrem schwer wäre. Kosten zwischen 1 & 2€ pro Minute.

Laser, IPL und Nadelepilation brauchen lange Behandlungszeiten, für die Entfernung des Bartes kann man mit 4-6 Jahren bei wöchentlicher Sitzung rechnen.

Generell kann man Haarentfernung von der Krankenkasse bezahlt bekommen. Dafür ist der Nachweis eines erheblichen Leidensdrucks durch einen Therapeuten oder Psychiater erforderlich, dann noch eine Erklärung vom Hautarzt, dass die Behandlung nötig ist, und man sollte einige Monate Hormontherapie vorweisen können (die nachweislich selten nur ein einziges Haar verschwinden lassen kann). Dann werden die Kosten für Entfernung vom Bart und vom Dekolleté  übernommen. Rücken, Schultern, Oberarme, Po,… tja, ich sage mal so: da muss man einen sehr langen Atem haben und selbst dann sind die Chancen nahe Null.

Ich merke, dass ich Brüste bekomme. Langsam, jeden Tag verändert sich kaum merklich meine Oberweite.  Was sich nicht verändert ist die Behaarung. Ja, mit der Zeit wachsen die Haare langsamer. Mit Glück werden sie auch dünner. Aber bis dahin bin ich stachlig wie ein Kaktus. Und heute, heute will ich aus meiner Haut raus. Ich sehe die Haare und ich spüre sie. Wie sie sich an der Haut und der Kleidung reiben. Und leider lässt meine Haut nicht zu, das ich mich täglich rasiere. Im Gesicht noch am besten, aber andere Stellen… mit Glück einmal in der Woche – Heute hatte ich kein Glück.

Tage, wie dieser, machen es mir schwer, an eine gute, glückliche Zukunft zu glauben, an eine Zukunft, in der ich mit mir selbst im Reinen bin. Tage, wie dieser, zeigen mir, dass ein Chromosom einen riesigen Unterschied ausmacht. Tage, wie dieser, fühlen sich an wie „mein Körper – mein Feind“. Tage, wie dieser, haben 24 Stunden und hoffentlich sieht die Welt morgen anders aus.

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8 Gedanken zu “Eine haarige Angelegenheit…

  1. Ich lese die alten Beiträge und hoffe, bzgl. des Haarwuchses – oder deiner Unzufriedenheit damit – ändert sich bis „bis Frühling 2017“ noch was 😉

    Mal unter uns: Ich hab Haarwuchs am Bauch, obwohl mein Hormonspiegel angeblich normal ist. Epilieren halte ich nicht durch, davon abgesehen wachsen die Haare dann ein und man bekommt unschöne Pickelchen. Es ist so peinlich, mit dem Rasierer da rumfuchteln zu müssen, damit keiner einen für ein Stacheltier hält. Ich fühle also ein klitzekleinwenig mit dir 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Ich fürchte, dass keine baldige Änderung eintreten wird. Für mich ist die Situtation mit den Haaren die größte Belastung durch den eigenen Körper, weil ich mich dadurch absolut nicht weiblich fühle. Und es ist die Situation, die ich scheinbar am wenigsten ändern kann…

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