Auch unrasiert bin ich Frau…

Am Wochenende hab ich Erholung verdient. Meine Haut auch. Jeden Tag gründlichst rasieren und gleich darauf jede Pore mit dickem Make-Up zuspachteln, belastet einfach die empfindliche Oberfläche im Gesicht. Ich kann so nicht vor die Tür gehen. Die Menschen, die einen bärtigen, maskulinen Menschen sehen, sehen darin keine Frau. Und das belastet mich dann sehr.

Jede Frau kann auch mal ungeschminkt zuhause rumlaufen und mal im Schlafanzug ein Paket entgegegn nehmen. Der Paketbote lächelt dann ein wenig, beide sind peinlich gerührt, er verabschiedet sich „Bis morgen, Frau XY“ und alles ist gut. Das kann ich nicht. Selbst gut geschminkt und in femininen Klamotten, werde ich nicht als Frau angesprochen. Unrasiert schon mal garnicht. „Herr…“ – das ist der Moment, in dem die innere Prinzessin gegen die Schädeldecke kotzt und heulend weg läuft.

Wenn jemand sich Mühe gibt, wie eine Frau auszusehen, dann ist es einfach höflich, diese Person als Frau zu behandeln. Im Zweifelsfall fragen: „Verzeihung, wie darf ich Sie ansprechen?“

Unrasiert gehe ich nicht vor die Tür. Nicht, weil ich unsicher bin, nicht, weil ich mich dann nicht als Frau fühle, sondern einfach, weil die Menschen, die mich sehen, mich nicht als Frau wahrnehmen und behandeln.

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