Und untenrum, ähem,…

In diesem Eintrag rede ich über geschlechtsangleichende Operation und damit auch über die medizinischen Aspekte… daher eine Inhaltswarnung: es geht um Geschlechtsteile und Operationen daran.

Kaum eine Frage scheint mein Umfeld so zu bewegen wie die, nach dem, was ich zwischen den Beinen habe. Die einen wollen wissen, wie ich damit lebe, die anderen, ob ich vor habe „es“ loszuwerden. Erstaunlich oft werde ich, mit oft auch sehr unsensiblen Fragen konfrontiert. Ich bin nicht operiert. Ich bin eine Frau mit Penis. Noch?!

Eigentlich habe ich kaum Tabus, wenn es um Aufklärung zu Transgender/Transsexualität/Trans*sein geht, aber bei diesem Thema habe ich eine kleine Hemmschwelle, denn meine persönliche Haltung ist genau das: meine. Bei diesem Thema spricht jede/r Betroffene nur für sich. Und das will ich hier tun. Daher sind das meine Worte, meine Begriffe, meine Wahrnehmung.

Wenn mir die Frage gestellt wird, erkenne ich darin oft, den Wunsch von meinem CIS Gegenüber, dass ich eine einfache Antwort gebe. „Ja, natürlich will ich mich umoperieren lassen, damit ich eine echte Frau bin.“ – Während ich das schreibe würge ich stumm. Und das aus mehreren Gründen:

  1. Ich bin eine echte Frau. (Das haben sogar die Ämter inzwischen erkannt).
  2. eine geschlechtsangleichende OP (GaOP) ist eine Operation, in der nichts erfunden wird, was nicht schon irgendwie am/im Körper war.

Betrachten wir mal die Operation Mann-zu-Frau mal einfach grundsätzlich: Was wird gemacht (sehr laienhaft herunter gebrochen)?

  • Der Hodensack wird geöffnet
  • Die Hoden werden entfernt
  • Der Penis wird aufgeschnitten
  • Der Schwellkörper entfernt
  • Die Harnröhre wird neu angeordnet (und gekürzt)
  • Die Eichel bleibt erhalten und wird zur Klitoris
  • Die Haut des Penis wird später nach innen gestülpt
  • Die Haut des Hodensacks bildet die Labien (Schamlippen)

Das ist in etwa, was die meisten der gängigen Operationen gemeinsam haben. Feinheiten machen die eine Methode beliebter oder nicht…

Damit man die Haut nach innen stülpen kann, müssen die Schamhaare in diesem Bereich vor der OP dauerhaft entfernt werden.

Alles in allem: ein gesundes Organ wird zerstört, um etwas zu schaffen, das so aussieht, wie eine Vagina und im Idealfall auch so benützt werden kann. Abgesehn davon, dass die anatomisch männlichen Genitalien einen Bruchteil der Nervenenden haben, die Operation kaum etwas schaffen kann, das die Feuchtigkeit der weiblichen Anatomie herbeiführen kann. Abgesehen von Narbenbildung und dem Bedürfnis des Körpers, die „anatomisch nicht vorgesehene“ Körperöffnung (die Wunde durch Heilung) zu schließen, abgesehen davon, dass bei der Operation oftmals ein Teil der Nerven durchtrennt wird oder werden muss…. Abgesehen davon: ist es zum größten Teil nur Optik. Eine Neovagina ist nicht gleich einer Vagina.

Ich weiß nicht, wie Euer Alltag abläuft, aber die Anzahl der Menschen, die meine Genitalien zu Gesicht bekommen ist abzählbar klein. Die Merkmale, an denen ich derzeit als „oh, das ist ein Mann“ erkannt werde, sind nicht in meiner Hose zu finden.

Keine OP der Welt macht aus mir eine Frau, denn ich war immer und bin eine Frau. Mein Körper trägt so viele sekundäre Geschlechtsmerkmale (Körperhaare, Bart, Knochenbau, Muskulatur,…), die ich viel lieber ändern würde.

Nur selten werde ich gefragt, was ich will. eigentlich ganz eine kleine, einfache OP: ich will die Testosteronschleudern (die Hoden) loswerden. Damit könnte ich mir einen Haufen Hormonpräparate und deren Nebenwirkungen ersparen und nebenbei hätte ich es leichter, alles in der Hose dezenter zu plazieren. Die Hormone sind der Grund, warum ich eine OP will. Die optische Angleichung ist für mich nebensächlich. Sehr nebensächlich. Eigentlich habe ich davor mehr Angst.

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3 Gedanken zu “Und untenrum, ähem,…

  1. Ist denn eine OP, wie du sie dir wünschst, nicht möglich? Ist doch viel einfacher… kann mir vorstellen, dass man das sogar eigeninitiativ in einem anderen Land einfach machen lassen kann…

    Die von dir beschriebenen Nachteile sprechen ja doch voll gegen eine solche „Total-Op“.
    Danke, dass du so offen und informativ über all das schreibst!

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Claudia,

      Mit reichlich Geld ist jede OP fast überall möglich. Leider wird die Operation, die ich am liebsten haben will inzwischen sehr selten gemacht. Ich werde viel argumentieren müssen und das wird teilweise nicht so leicht,denn ich bin darauf angewiesen, dass die Kosten übernommen werden.

      Ich danke dir für deinen Kommentar und wünsche dir eine schöne Vorweihnachtszeit,
      Nina

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  2. Deine Angst ist schon berechtigt, ich denke jeder Mensch hätte vor so etwas Großem Angst. Man weiß ja nie, wie das Ergebnis aussieht… Immerhin hast du den Vorteil, dass du nur eine Operation brauchst, wenn du sie denn machen willst.
    Ich finde, die Entscheidung liegt ganz bei dir. Schließlich musst du damit leben und wenn es dir nicht so wichtig ist, bist du trotzdem eine Frau. So wie du sagtest. Denn Geschlecht ist nicht etwas Körperliches.

    Gefällt 1 Person

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